Energieagentur: Heilbronn bleibt weißer Fleck

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Neben dem Kreis Heidenheim sind Stadt und Landkreis Heilbronn inzwischen die einzigen weißen Flecken auf der Karte der regionalen Energieagenturen im Land. Damit entgehen der Region potenzielle Fördergelder.

Von unserem Redakteur Christian Gleichauf
Er ist das Gesicht der Ludwigsburger Energieagentur (LEA): Der aus Flein stammende Sebastian Staudenmayer ist dort seit dem vergangenen Jahr Geschäftsführer. Im Raum Heilbronn fehlt so ein zentraler Ansprechpartner.Foto: Christian Gleichauf
Er ist das Gesicht der Ludwigsburger Energieagentur (LEA): Der aus Flein stammende Sebastian Staudenmayer ist dort seit dem vergangenen Jahr Geschäftsführer. Im Raum Heilbronn fehlt so ein zentraler Ansprechpartner.Foto: Christian Gleichauf

Die Frage, wozu eine Energieagentur gut ist, beantwortet ein Kurzbesuch von Sebastian Staudenmayer im Ilsfelder Rathaus. Sofort wird der Geschäftsführer der Ludwigsburger Energieagentur (LEA) von einer Verwaltungsmitarbeiterin angesprochen, ob denn nicht ein Vertreter der LEA am Wochenende beim Tag der offenen Tür dabei sein wird. Warum die Ludwigsburger? Ganz einfach: Weil Ilsfeld im Nachbarkreis Mitglied wurde, aus Mangel an Alternativen im eigenen Umfeld.

Neben dem Kreis Heidenheim sind Stadt und Landkreis Heilbronn inzwischen die einzigen weißen Flecken auf der Karte der regionalen Energieagenturen im Land. Warum eigentlich, wird sich mancher fragen. Schließlich gehörte die Region mit der Neckarsulmer Solarinitiative schon einmal zu den Vorreitern in diesem Bereich.

Aktive Agenturen

35 Energieagenturen gibt es in Baden-Württemberg. Ihre Hauptaufgaben sind die Bürgerberatung, Öffentlichkeitsarbeit und die Beratung der Kommunen bei der Umsetzung von Klimaschutzkonzepten. Vernetzung und auch Unterstützung bei der Nutzung von Fördergeld gehören dazu, teils auch die Beratung von Firmen. Vorbildfunktion haben laut Harald Bieber, Leiter des Bereichs Energie- und Klimaschutzkonzepte bei der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA) in Karlsruhe, die Agenturen in Oberschwaben. „Das scheint ein gutes Pflaster für Umweltthemen zu sein“, sagt er auch mit Blick auf die Gewinner des European Energy Awards. cgl

Doch die Chance, auf ein bestehendes Netzwerk aufzubauen, wurde nicht genutzt. Der Landkreis setzt stattdessen auf seinen umtriebigen Klimaschutzbeauftragten. Und die Stadt Heilbronn? Nach gescheiterten Versuchen, mit Landkreis oder der Stadt Neckarsulm eine gemeinsame Einrichtung zu gründen, will sie es nun in Eigenregie versuchen. Und konsequenterweise sagt Energiemanager André Gützloe: "Eine Aufnahme von weiteren Kommunen ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht angedacht."

Stelle vakant

Doch auch ohne Bremsklötze aus dem Umland tut sich das Oberzentrum schwer mit dem Vorhaben. Denn mit Jürgen Alber hat zuletzt der Energiebeauftragte die Stadtverwaltung verlassen, der die Energieagentur hätte aufbauen sollen. Seitdem ist die Stelle vakant. Insgesamt soll die Energieagentur mit 1,5 Stellen besetzt sein. Neben einer kostenlosen Erstberatung für Heilbronner Bürger sind auch kostenpflichtige Dienstleistungen für Privatpersonen und Firmen angedacht. Ob sie aber bei der Bundesgartenschau noch Impulse setzen kann? "Zum jetzigen Zeitpunkt gab es noch keine Gespräche diesbezüglich", erklärt Gützloe. Vieles hänge an der inhaltlichen Ausgestaltung, für die der künftige Geschäftsführer zuständig sein soll.

Anreiz

Für den Ilsfelder Bürgermeister Thomas Knödler waren diese trüben Aussichten Anlass genug, im Nachbarkreis nach Unterstützung zu suchen. Er brauchte den Anschluss an eine Agentur für den European Energy Award (EAA), den die Gemeinde mit ihrem geplanten Nahwärmenetz inzwischen erhalten hat. Verbunden mit den Projekten sind Fördergelder von mehr als drei Millionen Euro. Zusammengefasst: Keine Agentur, kein Award, kein Geld. Für die vorbildlich vernetzten Kommunen erhöht das Land die Fördersummen teilweise sogar noch einmal um fünf Prozent: "Der Mitgliedsbeitrag von rund 3000 Euro für die LEA kommt um ein Vielfaches zurück", sagt Knödler.

Neben den finanziellen Effekten steht für den Ilsfelder Bürgermeister das Angebot für die Bürger im Vordergrund. "Bei den Privathaushalten gibt es ein riesiges Einsparpotenzial", sagt Knödler. Dafür brauche es unabhängige Beratungsangebote. Ausdrücklich lobt er dabei die Arbeit des Projektmanagers Michael Groß im Landratsamt Heilbronn, der an diesem Punkt vieles angestoßen habe. Für Harald Bieber von der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA) ist es trotzdem ein großer Unterschied, ob ein Verwaltungsmitarbeiter für das Thema zuständig ist oder ob es eine Institution gibt, die nach außen wirkt und idealerweise auch mit zwei bis drei Mitarbeitern ausgestattet sein sollte.

Einzelkämpfer

Selbstläufer sind natürlich auch Energieagenturen nicht. So liegt auch vor Sebastian Staudenmayer, der seinen Posten im vergangenen Jahr angetreten hat, viel Arbeit. Denn während große Energieagenturen im Land wie in Freiburg mit nahezu 30 Stellen ausgestattet sind, bleibt Staudenmayer vorerst Einzelkämpfer. Und er hofft nach wie vor darauf, dass sich auch der Landkreis Ludwigsburg finanziell an der Agentur beteiligt.

 

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