Ein besonderer Ort zum Windelwechseln

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In der Volkshochschule gibt es jetzt eine Toilette, die auf die Bedürfnisse erwachsener Menschen mit Behinderung eingeht

Von unserer Redakteurin Ulrike Bauer-Dörr
Eine Wickelliege und ein Lifter an der Decke, der gehandicapte Menschen wie Dominik aus dem Rollstuhl hebt: So sieht die neue Toilette aus.Foto: Christiana Kunz
Eine Wickelliege und ein Lifter an der Decke, der gehandicapte Menschen wie Dominik aus dem Rollstuhl hebt: So sieht die neue Toilette aus.Foto: Christiana Kunz

Zwei Dutzend geladene Gäste, zwei Rednerinnen, dann das feierliche Durchschneiden eines roten Bandes: Was gestern im Untergeschoss der Heilbronner Volkshochschule im Deutschhof gefeiert wurde, war die Einweihung einer neuen, ganz besonderen Toilette. Bewusst haben Heilbronns Sozialbürgermeisterin Agnes Christner und die städtische Inklusionsbeauftragte Irina Richter den Anlass zu einem Freudenfest erhoben und das neue Klo im Untergeschoss nicht still und heimlich seiner Bestimmung übergeben.

Der umgebaute Raum mit dem Markennamen "Toilette für alle" ist für eine ganz besondere Personengruppe konzipiert. Sie soll Menschen, die Windelträger sind, das menschenwürdige Wechseln ihrer Windeln erleichtern. Sie ist die erste ihrer Art in der Region und die achte in Baden-Württemberg.

Wickeltische für Babys und Kleinkinder gibt es überall. Wo aber gehen Betroffene, ihre Betreuungspersonen oder Angehörige mit jugendlichen oder erwachsenen Windelträgern hin? "Viele bleiben zu Hause", weiß Jutta Pagel-Steidl vom Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung. "Andere wechseln die Windeln im Kofferraum oder auf dem Rücksitz eines Autos oder sonst irgendwo auf menschenunwürdige Weise, etwa auf den kalten Fliesen einer normalen Toilette", lenkt sie den Blick auf ein Grundbedürfnis von Menschen, die querschnittsgelähmt, MS-krank, dement oder seit Geburt mehrfach schwerstbehindert sind. Deshalb können sie ihre Körperausscheidungen nicht (mehr) kontrollieren. In Baden-Württemberg gibt es schätzungsweise 380 000 inkontinente Menschen. Viele davon müssen Windeln tragen, diese wechseln und entsorgen. "Mit vollen Hosen ist keine Teilhabe möglich", stellt Jutta Pagel-Steidl klar und lobt die Heilbronner Stadtverwaltung für ihre Bereitschaft, sofort zu handeln.

Kosten Agnes Christner freut sich, dass Betroffene künftig beruhigt in die Stadt gehen und an einer Veranstaltung teilnehmen können. "Sie wissen: Für den Fall eines Falles ist gesorgt." Laut Projektleiter Sven Müller vom städtischen Hochbauamt hat die Toilette 16 000 Euro gekostet, 12 000 Euro davon zahlt das Sozialministerium des Landes.

Mit dem käuflichen Universal-Behindertentoilettenschlüssel kann man die VHS-Toilette (Aufzug vorhanden) kostenlos benutzen. Drinnen befindet sich eine herunterklappbare, 1,80 Meter lange Pflegeliege und ein Lifter. Mit dem kann man einen Rollstuhlfahrer oder eine stehende Person über eine einzuhängende Spezialdecke auf Knopfdruck heraus- oder hochheben und auf die Liege oder das WC setzen.

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