Echte Blumenkinder feiern barfuß
Von Regengüssen lassen sich die Gäste beim ersten Schlagersüden-Sommerdorf nicht betrüben

Barfuß. So schlicht und einfach sehen die 70er-Jahre-Schuhe von Angelika Graf aus, nachdem ihre anderen "einfach gedrückt" haben. Barfuß fühlt sich die 38-jährige Untergruppenbacherin sowieso viel siebzigerjahrehaft, "und so kann ich auch in die Pfützen patschen", ruft sie übermütig und macht es vor. Dass es zwischendurch immer wieder regnet, kann sie nicht betrüben.
Für den "Schlagersüden", also das dreitägige Sommerdorf beim Food Court und entlang der Heilbronner Badstraße, hat Angelika Graf sich stilecht eingekleidet: Als Blumenmädchen trägt sie echten Efeu im Haar, eine lange Kette, ein großes Tuch und bequeme Hosen. Ihr Mann Eberhard Graf (46) hat sich eine alte orangefarbene Lederkrawatte als Stirnband um den Kopf geschlungen und ersatzweise die Hosenbeine hochgeklappt: "Keine Schlaghose, nur eine Umschlaghose", scherzt er.
Musik Gut aufgelegt stehen die Grafs am Samstagabend kurz vor zehn zusammen mit dem Obereisesheimer Ehepaar Timo (39) und Marie Hagner (38) an der flowerpowerpinken Theke am Neckarufer. "Das sind immer noch Lieder, die man heute noch gern hört", erklärt Marie Hagner den Reiz der Schlager. Die echten 70er fand Eberhard Graf als Grundschüler "nicht so toll: diese bunten Pullis, die ich anziehen musste von meinen älteren Brüdern". Tatsächlich sind die Unverkleideten, also die, die in unspektakulär heutiger Kleidung mitfeiern, auf der Party in der Überzahl.
Einer von ihnen ist Joachim Weineck. Im weißen Polohemd genießt der 48-jährige Horkheimer die Musik und bekennt versonnen: "Ich war schon immer ein Fan von Schlagern." Die Macher scheinen also richtig zu liegen mit ihrem plakatierten Versprechen: "Sommerdorf: Musik zum Glücklichsein."
Thomas Bergunde nutzt das Schlagerfestival "zum Runterkommen": Der 59-Jährige hat die Nachhaltigkeitstage in Heilbronn mitorganisiert und stundenlang Vorträge über Energie und Klima angehört.
Mit Glitzerweste, Elvisbrille und Peacekette ist der 26-jährige Stefan ausgestattet − die entscheidenden Teile seines Outfits hat er "kurz vorher auf dem Dachboden meines besten Freundes gefunden". Weil er beim Winterdorf schon viel Spaß hatte, hat er "gehofft, dass die gute Laune hier anknüpft". Sein Fazit: "In den nächsten Jahren wird das hier der Oberknaller." Dass trotz Regen insgesamt rund 4800 Besucher da waren, freut die Veranstalter Nelly Roth, Hanne Schröter-Wagner, Uschi Schröter und Thomas Aurich. Deshalb soll es nach Möglichkeit 2015 eine Fortsetzung geben.
Ausblick Hauptprogrammpunkt soll dann "die stimmgewaltige Sina aus Kirchhausen" sein, "die schwäbische Antwort auf Helene Fischer", kündigt Aurich an. Die Rekord-Theke soll sich noch verlängern: von diesmal 90 auf dann 120 Meter.
Und mit etwas Glück muss man sie nächstes Mal dann nicht als Unterschlupf vor unberechenbaren Regengüssen nutzen.
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