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Heilbronn

Die Elite des Handwerks

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Landessieger im Leistungswettbewerb geehrt − Junge Menschen punkten mit Kreativität und Fleiß

Von unserem Redakteur Jürgen Paul
Steinmetz Marius Hoffmann mit seinem Maßwerkmittelstück aus Heilbronner Sandstein. 49 Stunden hat der Pfälzer daran gearbeitet.Fotos: Andreas Veigel
Steinmetz Marius Hoffmann mit seinem Maßwerkmittelstück aus Heilbronner Sandstein. 49 Stunden hat der Pfälzer daran gearbeitet.Fotos: Andreas Veigel

Die Imagekampagne des Deutschen Handwerks mag in der Öffentlichkeit für Aufmerksamkeit sorgen. Doch die besten Werbeträger der Branche sind immer noch erfolgreiche Handwerker. Erst recht, wenn sie so jung und dynamisch sind wie jene Männer und Frauen, die am Samstag im Heilbronner Theater geehrt werden.

Rund 500 Gäste sind gekommen, um die 194 Junghandwerker zu feiern, die mit Erfolg am Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks 2014 auf Landesebene teilgenommen haben. 88 Landessieger, die nun zum Bundesentscheid dürfen, 62 Zweitplatzierte und 44 Drittplatzierte aus ganz Baden-Württemberg verkörpern die Vielseitigkeit des Handwerks, von der sich die Gäste auch im Theaterfoyer überzeugen können. Dort sind 20 ganz unterschiedliche Arbeiten ausgestellt, die sich durch Fleiß, Kreativität und Präzision auszeichnen.

Maßschneiderin Hanna Isenberg beispielsweise hat ein Herrensakko aus grüner Shetland-Wolle nach eigenem Entwurf gefertigt. 40 Stunden hat die 21-jährige aus Baden-Baden dafür benötigt. Belohnt wird die Maßschneiderin nicht nur mit dem zweiten Platz auf Landesebene, sondern auch mit dem 1. Platz beim Sonderwettbewerb "Die gute Form im Handwerk − Handwerker gestalten", bei dem es besonders auf Kreativität und Design ankommt.

Steinmetz Nebenan erläutert Marius Hoffmann interessierten Besuchern sein Gesellenstück: Der Steinmetz aus dem pfälzischen Knittelsheim hat ein Maßwerkmittelstück aus Heilbronner Sandstein produziert, das als Kirchenfenster verwendet werden könnte. Hoffmann ist einer von acht Landessiegern der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, seine dreijährige Ausbildung hat der 23-Jährige beim Eppinger Steinmetzbetrieb Holz absolviert. "Top" sei die gewesen, sagt Hoffmann, der schon mit drei Jahren wusste, dass er Steinmetz wird und noch immer einen klaren Plan verfolgt. "Jetzt besuche ich ein Jahr lang die Meisterschule in Kaiserslautern, danach steige ich in den elterlichen Steinmetzbetrieb ein."

Für Kerstin Lüchtenborg, Leiterin Berufsbildung bei der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, sind es Menschen wie Hanna Isenberg und Marius Hoffmann, die das Handwerk braucht. "Das ist unsere Elite, das sind die Meister und Leistungsträger, die unsere Zukunft und unseren Wohlstand sichern", sagt Lüchtenborg. Sie lobt die hohe Ausbildungsqualität in vielen Betrieben, weiß aber auch, dass es noch Betriebe mit Verbesserungsbedarf gibt. Für sie steht fest: Wer auch morgen junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk gewinnen will, muss mit guter Ausbildungsqualität und einem positiven Image punkten.

Lob und Warnung Kammerpräsident Ulrich Bopp weist in seiner Ansprache darauf hin, dass nicht nur die Geehrten von dem Erfolg profitieren, sondern das Handwerk insgesamt, "weil es Ihre Kompetenzen nutzen kann und mit Ihnen nach außen glänzen kann". Der Leistungswettbewerb ist für Bopp ein wichtiges Mittel, um die Praxisorientierung, die Freiräume und die Entfaltungsmöglichkeiten im Handwerk deutlich zu machen. Und damit den großen Herausforderungen des demografischen Wandels zu begegnen. "Wir Handwerker dürfen nicht die Mangelware der Zukunft werden", warnt Bopp und stellt die rhetorische Frage: "Was wäre die Welt schon ohne das Handwerk?"

Auch Heilbronns Erster Bürgermeister Martin Diepgen und Dr. Harry Brambach, Vizepräsident des Baden-Württembergischen Handwerkstages, weisen im Gespräch mit Ulrich Bopp auf die herausragende Bedeutung des Handwerks für das ganze Land hin.

Holzbildhauerin Nicola Bursch aus Salem präsentiert in Heilbronn stolz ihr Gesellenstück: links das Modell Claire aus Linde, rechts aus Gips.
Holzbildhauerin Nicola Bursch aus Salem präsentiert in Heilbronn stolz ihr Gesellenstück: links das Modell Claire aus Linde, rechts aus Gips.
Erst zeichnen, dann schneidern: Hanna Isenberg aus Baden-Baden hat dieses Herrensakko aus Shetland-Wolle mit Einstecktuch produziert.
Erst zeichnen, dann schneidern: Hanna Isenberg aus Baden-Baden hat dieses Herrensakko aus Shetland-Wolle mit Einstecktuch produziert.
Diese Musterinstallation hat sich der Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Toni Heinz Wurster aus Baiersbronn ausgedacht.
Diese Musterinstallation hat sich der Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Toni Heinz Wurster aus Baiersbronn ausgedacht.
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