Den Kaminfeger wollen alle mal anfassen
Sein Beruf erfüllt Ulrich Heidinger mit Stolz − Seinen Mitmenschen verschafft er kleine Glücksmomente

Das Porträt
Von unserer Redakteurin Petra Müller-Kromer
Begeisterung "Darf ich Sie mal anfassen?", fragt eine Dame im Café. Die Männer grüßen und winken, ein freundliches Wort hat der 57-Jährige für jeden parat. "Aber Kleider machen halt Leute", sagt Ulrich Heidinger bescheiden. "Wenn ich in Jeans komme, nimmt mich niemand in den Arm." Trotzdem, manchmal muss er direkt darauf achten, dass die Begeisterung, vor allem beim weiblichen Geschlecht, nicht zu überschwänglich ausfällt. Besonders früher, bei den Silvester-Empfängen der Stadt Heilbronn für die stationierten Amerikaner. "Berühren dürfen sie mich, aber nicht mehr", habe er damals gesagt, und er grinst.
Wenn er in voller Montur auftritt, ist er für viele ein lebendes Glückssymbol, wird zu Hochzeiten eingeladen, wo er Sekt und Blumen überreicht oder die Braut küssen darf. "Einmal sollte ich sogar ein Schwein mitbringen. Aber das hab ich nicht gemacht. Nicht, dass das arme Tier noch einen Herzinfarkt bekommt." Manche erhoffen sich von ihm nicht nur Glück in der Liebe, sondern auch im Spiel. Denn besonders begehrt ist der gut gelaunte Handwerksmeister, wenn er sich in der Nähe der Lotto-Annahmestelle aufhält. "Da musste ich schon manchen Schein ausfüllen." Ob das bereits Millionen beschert hat, ist nicht überliefert. "Beteiligt wurde ich jedenfalls noch nie."
Kleinere Glücksmomente verschafft er oft auch älteren Leuten, die ihm bei seinem Besuch das Herz ausschütten. "Man muss auch ein bisschen Psychologe sein. Was im Haus geredet wird, dringt nicht nach draußen." Dann nimmt er sich die Zeit, einen Kaffee zu trinken und zuzuhören. Wenn die Silvesterkorken knallen, ist der Brackenheimer, der seit 35 Jahren als Schornsteinfeger im Ort arbeitet, dem Trubel schon entflohen. Den Jahreswechsel verbringt er mit seiner Frau beim Wintercamping in Garmisch Partenkirchen. Ganz inkognito. Denn der Bekanntheitsgrad zu Hause − "fast so wie bei einem Bürgermeister" − macht es schwierig, als Privatmann unterwegs zu sein. "Meiner Frau ist das manchmal zu viel."
Neujahrswünsche Ob er auch schon mal Pech gebracht hat? "Das ist meist auf die Arbeit bezogen, wenn ich den Leuten sagen muss, dass sie eine neue Heizung brauchen, und das gleich mal 25 000 Euro kostet." Klar, hat auch ein Schornsteinfeger Wünsche fürs neue Jahr. "Gesundheit für die Familie, und dass jeder meiner Söhne einen guten Arbeitsplatz hat. Weiterleben wie bisher und vielleicht ein bisschen abnehmen." Er lacht. "Ganz normale Sachen eben."
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