Damit Bürger sich mehr an Demokratie beteiligen
Erster Otto-Kirchheimer-Preis im Schießhaus an Politikwissenschaftler Ulrich von Alemann vergeben

Otto Kirchheimer floh vor den Nationalsozialisten und verbrachte mehr als 30 Jahre im Exil − in Frankreich und in den Vereinigten Staaten von Amerika. Trotzdem wollte der jüdische Staats- und Verfassungsrechtler an seinem Geburtsort beerdigt werden: In Heilbronn, neben seinen Eltern auf dem jüdischen Friedhof.
Teilnahme
Der Preis, der nach ihm benannt ist, wurde am Donnerstag im Schießhaus zum ersten Mal vergeben. Stifter der Auszeichnung sind der ehemalige Heilbronner Bürgermeister Harald Friese und seine Frau Gudrun Hotz-Friese.
Die Stifter haben einen Politikwissenschaftler als ersten Preisträger ausgesucht, dessen Forschungsgebiet sich mit dem Gebiet des Namensgebers Kirchheimer überschneidet. Der Düsseldorfer Professor Ulrich von Alemann beschäftigt sich vor allem mit Parteien und Demokratie. Eine These Kirchheimers war, dass sich die klassischen Weltanschauungsparteien zu Catch-All-Partys wandeln, die alle Wähler ansprechen wollen. Von Alemann führt die Forschung auf diesem Gebiet fort.
Er freute sich sichtlich, als Friese ihm die Urkunde überreichte: "Das ist die schönste Urkunde, die ich je bekommen habe." Als er kurz danach vor dem Rednerpult stand, seufzte er tief. "Eigentlich wissen Sie doch jetzt schon alles über mich und Kirchheimer." OB Mergel und Laudator Reinhard Meyers hatten in ihren Reden schon über beide Wissenschaftler berichtet. "Wollen wir nicht gleich zum Sektempfang übergehen?", schlug von Alemann vor. "Nein? Okay, dann sind Sie selber schuld." Von Alemann berichtete, Kirchheimers Lebensmotto sei es gewesen, menschenwürdige Zustände zu schaffen. Er habe unter anderem in Bonn studiert, bei dem konservativen Carl Schmitt. Der Sozialist Kirchheimer brach später mit dem Wissenschaftler.
Verborgen
Von Alemann berichtete, er habe im Oktober ein Sonderheft der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gelesen. Darin ging es um die Hidden Champions − also die verborgenen Sieger in der Region Heilbronn-Franken. Es wurden Weltmarkführer, Weltmeister und Weltraumfahrer genannt. Von Alemann war aufgefallen, dass Otto Kirchheimer in dieser Liste nicht vorkam. Auch bei vielen Bürgern seiner Heimatstadt sei er nicht präsent. "Aber das wird sich mit dem heutigen Tage sicherlich ändern."
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