Computer meldet Mehrfach-Anmeldungen sofort
Eltern geben Betreuungsbedarf ihres Kindes online durch − Kitas vergeben die Plätze − Bedarf und Auslastung auf einen Blick
Ohne Betreuungsplatz keine Rückkehr in den Job. Um ja auf der sicheren Seite zu sein, melden manche Eltern ihr Kind bereits in einer Kita an, bevor es geboren ist. Andere lassen ihr Kind in mehreren Krippen oder Kindergärten auf die Liste setzen.
Damit lösen sie bei den Trägern ein aufwendiges Abstimmungs- und Meldeabgleichsverfahren aus. Am Ende schnurrt ein auf den ersten Blick beunruhigend hoher Platzbedarf auf ein bedienbares Maß zusammen. Und manche Eltern müssen erkennen, dass es eben nicht auf eine möglichst frühe Anmeldung ankommt.
Vielmehr spielen das Geburtsdatum und andere Kriterien eine Rolle, wer in der Wunsch-Kita zum Zug kommt. "Berechtigter Bedarf" heißt das in Fachkreisen. Vorrang, vor allem auf Ganztagesbetreuung, können Kinder von berufstätigen Alleinerziehenden, von Auszubildenden oder von zwei berufstätigen Elternteilen haben. Oder Kinder, für die das Jugendamt aus Gründen des Kindeswohls tagsüber dringend eine fachliche Betreuung empfiehlt. Einen Pluspunkt bei der Platzvergabe haben Kinder, die bereits ein Geschwisterchen in derselben Kita haben. Vorgezogen wird mitunter auch ein älteres Kind, das erst vor kurzem zugezogen ist.
Der Rechtsanspruch auf einen Krippen- oder Kindergartenplatz garantiert den Eltern trotzdem die nötige Betreuung: entweder in einer anderen, vom Weg her zumutbaren Einrichtung, oder bei einer Tagesmutter, die als gleichwertige Betreuungsform gilt. Manche Eltern warten dann lieber.
450 Tage vorher In Heilbronn und zwei Dutzend weiteren Kommunen im Land setzen die Kita-Träger auf die sogenannte zentrale Vormerkung übers Internet. Das ist ein Zusatzmodul der Melde- und Statistiksoftware Kita-Data-Webhouse des Kommunalverbands für Jugend und Soziales Baden-Württemberg.
Seit Herbst 2015 ist das städtische Amt für Jugend, Familie und Senioren in Heilbronn mit dem datengeschützten Portal im Internet. Eltern melden sich auf der städtischen Homepage an, vergeben ein Passwort und hinterlassen ihre Kontaktdaten und Betreuungswünsche. Maximal 450 Tage, bevor der Platz gebraucht wird, kann man sein Kind in maximal drei Einrichtungen anmelden. Damit hat die zentrale Vormerkstelle den Bedarf für eineinhalb Altersjahrgänge im Blick.
Mehrfachanmeldungen zeigt das System sofort an. Damit ist das Portal ein zusätzliches Planungs- und Steuerungsinstrument für die Kommune. Vereinzelt versuchen Eltern, ein Kind mal über den Vater und mal über die Mutter und unter zwei Adressen anzumelden, um das System zu überlisten. Nützt aber nichts.
"Die Eltern nehmen dieses Verfahren sehr gut an", freut sich die städtische Kita-Fachberaterin Sonja Fischer. Bei ihr im Amt laufen die Internet-Anmeldungen zusammen. Rund 1300 Vormerkungen liegen aktuell vor.
Zehn bis 15 Prozent der Eltern nutzen das Internet-Portal nicht, entweder weil sie keinen PC, keine PC-Erfahrung oder fehlende Deutschkenntnisse haben. Dann helfen die Kita, kulturelle Mittler und Sozialbetreuer.
Über das Passwort werden der Stand des Aufnahmeverfahrens und der Mailverkehr dokumentiert. Vergeben werden die Plätze von den Kitas selber. Für Herbst 2016 bekamen die Eltern im April und Mai Nachricht. Wer nicht wunschgemäß bedient werden konnte, wird gefragt, ob er eine Alternative oder lieber warten möchte. Auch hier hilft Sonja Fischer gerne.
So gut die zentrale Vormerkung auch ist: Die Sache ist zeitintensiv. Das Jugendamt hat bereits Personalaufstockung beantragt.
Stimme.de