Bonbonregen über der Ortsmitte

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Tausende Besucher säumen die Straßen beim großen Faschingsumzug des Carnevalsvereins

Von unserer Redakteurin Sabine Friedrich
Das Kuhberg-Echo aus Gundelsheim rockt den Asphalt. In ihren prachtvollen Kostümen und mit ihrem musikalischen Können ist die Guggenmusik ein akustisches und optisches Highlight beim närrischen Spektakel.Fotos: Mario Berger
Das Kuhberg-Echo aus Gundelsheim rockt den Asphalt. In ihren prachtvollen Kostümen und mit ihrem musikalischen Können ist die Guggenmusik ein akustisches und optisches Highlight beim närrischen Spektakel.Fotos: Mario Berger

Schon 1974 ist er bei der Premiere als Kind dabei gewesen. Nun zieht er bereits seit 20 Jahren den Wagen mit dem Präsidium des Talheimer Carnevalsverein (TCV). Es ist trocken am Sonntagnachmittag, und so hat Erhard Schoch seinen Oldtimer, den blauen Hanomag, Baujahr 1944, aus der Scheune geholt. Gleich hinter der Kanone des Infanterie-Regiments "Alt Württemberg Nr. 121" der DLRG Ludwigsburg/Remseck − die mit Donnerschlägen den großen Faschingsumzug eröffnet − gibt der Wengerter und Landwirt das Tempo vor. "Ich muss immer gleichmäßig fahren", sagt Schoch. Und natürlich aufpassen, dass kein Kind dem Gefährt zu nahe kommt. Das heißt für die Männer um Präsident Siegfried Grasi, die Präsente seitlich hinauszuwerfen. Ein Bonbonregen ergießt sich über Tausende von Zuschauern, die dicht gedrängt am Straßenrand stehen, um frohgelaunt ein närrisch-buntes Spektakel zu erleben.

Reichlich Wurfmaterial

600 Kilogramm Bonbons hat der TCV für diese Kampagne geordert, und Prinz Michael II. von der Pfalz schmeißt die Süßigkeiten beidhändig mit Schwung ins närrische Volk. Das ist gewappnet mit Tüten, die so schwer werden, dass ein kleiner Dreikäsehoch mit Feuerwehrjacke seine Ausbeute gar nicht mehr schleppen kann. Taschenrechner, Flaschenverschlüsse, Fertigbrot zum Aufbacken, Berliner, Handtücher − dazu natürlich Flüssiges, das in Pappbecher gefüllt wird, werden großzügig verteilt.

Nicht alles, was unters Volk kommt, macht Freude. Sägemehl und Konfetti, das unter den einen oder anderen Kragen wandert, juckt ganz schön. Das ist der Schabernack, der zu einem Faschingsumzug dazugehört. Die Hästräger und Hexen, die dem karnevalistisch geprägten Event einen Touch von schwäbisch-alemannischer Fasnet verleihen, suchen sich ihre Opfer. Da "suhlen" sich die Wildsauen des Narrenbunds Neuhausen/Fildern mit Zuschauern auf dem Asphalt, schnappen sich schaurige Fratzen mit furchterregenden Beißern Mädchen huckepack. Je gruseliger die Larven, desto mehr weicht die Menge zurück.

Es ist diese Vielfalt, die Melina Jeltsch am Talheimer Faschingsumzug gefällt. "Der ist echt schön, da kann man nichts sagen", meint die 13-Jährige aus Bönnigheim zu dem mehr als zweistündigen Aufmarsch. Sie gehört zu den Zuschauern, die in Zivil gekommen sind. Der andere Teil hat sich passend zum Anlass kostümiert. Ein Hingucker sind die vier Cindys aus Marzahn, die in ihren pinkfarbenen Samt-Jogginganzügen aus der Menge leuchten. Silvana Del Priore und Andreas Kübler-Del Priore aus Lauffen genießen die Stimmung als Babys mit rosa geschminkten Wangen.

Der Wind pfeift durch die Straßen der Ortsmitte. Da sind die Fußgruppen in felligen Tierkostümen im Vorteil gegenüber den vielen Gardemädchen in ihren kurzen Faltenröckchen, die mit zackigen Marschschritten versuchen, der Kälte zu trotzen. Oder sie tanzen sich warm.

Asphalt bebt

Das tun auch die Zuschauer, die natürlich nicht reglos verharren, wenn Fanfarenzüge, Musikvereine und vor allem die Guggenmusiken den Asphalt zum Beben bringen. Sie sind das Salz in der Narrensuppe. Jede Faser swingt oder rockt bei den Instrumentalisten mit. Das Kuhberg-Echo aus Gundelsheim ist wieder das Highlight unter den Könnern der längst nicht mehr schrägen Töne. Nicht nur akustisch, sondern auch optisch hat es viel zu bieten. Neon in allen Farbschattierungen scheint die Mode der Kampagne 2014/15 zu sein.

 

Schwungvoll verteilt Talheims Prinz Michael II. von der Pfalz Süßigkeiten.
Schwungvoll verteilt Talheims Prinz Michael II. von der Pfalz Süßigkeiten.
Ein echter Narr kommt verkleidet, so originell wie diese drei.
Ein echter Narr kommt verkleidet, so originell wie diese drei.
Das wollen die Zuschauer sehen: Maskenträger, die außer Rand und Band sind, wie die Rewä-Hexa der Schozachtalnarren aus Untergruppenbach.
Das wollen die Zuschauer sehen: Maskenträger, die außer Rand und Band sind, wie die Rewä-Hexa der Schozachtalnarren aus Untergruppenbach.
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