Bauarbeiten am Carmen-Würth-Forum beginnen
Heute wurde direkt gegenüber des Würth-Konzerngeländes in Künzelsau-Gaisbach der erste Spatenstich für die neue Veranstaltungshalle gesetzt.

Was lange währt, wird endlich gut. Nach langen Planungen wurde am Mittwoch der erste Spatenstich für das Carmen-Würth-Forum gesetzt. Das vom Büro des Stararchitekten David Chipperfield geplante Kongresszentrum soll 58,5 Millionen Euro kosten. In einem zweiten Bauabschnitt könnte ein Museum angegliedert werden. Das Forum soll am 18. Juli 2017 am 80. Geburtstag von Carmen Würth eingeweiht werden.
Unser Redakteur Manfred Stockburger hat sich im Vorfeld mit der Namensgeberin unterhalten.
Frau Würth, freuen Sie sich schon auf den Spatenstich? Oder sind Sie auch ein bisschen nervös?

Carmen Würth: Ich bin da eher ein bisschen gehemmt, am liebsten würde ich eine Doppelgängerin schicken (lacht). Aber natürlich stehe ich zu dem Namen. Es soll ja hauptsächlich ein Musikforum werden, und das liegt mir ja. Musik und Singen, das ist mir ein großes Seelenbedürfnis. Deswegen habe ich im Hotel Anne-Sophie auch einen Chor gegründet, der jetzt im Advent regelmäßig auftritt.
Eine ganz neue Erfahrung ist es aber nicht: Im Würth-Haus in Rorschach gibt es ja auch einen Carmen-Würth-Saal...
Würth: Ja, ja, aber da habe ich vorher auch nichts davon gewusst. Wenn ein neues Gebäude meinen Namen bekommt, dann müssen die sich auch ein bisschen mit meiner Mentalität befassen. Dann soll da auch gesungen und musiziert werden: Kinder, Schulen, jeder, der gerne singt. Mein Wunsch ist, dass das gelebt wird. Man muss es halt tun.
Ihr 80. Geburtstag spielt in den Planungen eine zentrale Rolle... Am 18. Juli 2017 soll das Forum ja eingeweiht werden.
Würth: Die Vorstellung ist schon etwas Schönes. Aber ich kann es mir kaum vorstellen. Ich habe auch gar keine Zeit, darüber nachzudenken, weil ich noch so viel vor habe. Es wuselt richtig in meinem Kopf mit lauter Ideen.
Würth: Wenn mein Mann da nur nicht eifersüchtig wird...
Na ja, den Alma-Würth-Saal hat er ja schon vor Jahrzehnten nach seiner Mutter benannt...
Würth: ...ich sing ihm gerne ein Lied vor. Wenn die aber schon meinen Namen draufschreiben, dann müssen sie sich anstrengen, dass da auch etwas mit Musik passiert.
Musik und Menschlichkeit, dafür stehen Sie ja auch. Dieser Anspruch wird dann gleichsam in Beton gegossen, wenn das Carmen-Würth-Forum entsteht.
Würth: Ich bin mit Musik groß geworden, wie haben zu Hause viel gesungen, das haben mir meine Eltern und Großeltern beigebracht. Wenn man sich die großen Komponisten nicht nur anhört, sondern sie sich richtig zu Gemüte führt − mit dem inneren Ohr: Dann kriegt man eine ganz große Demut.
Welches Musikstück soll dann zur Einweihung gespielt werden?
Würth: Es gibt von Max Bruch ein Violinkonzert, das ist so himmlisch schön, dass ich gedacht habe: Okay, dieses Stück würde ich ganz gern hören. Aber eigentlich ist es ganz egal. Ich höre auch gern Bach, Mozart, Tschaikowski, Dvorak, all diese wunderbaren Komponisten.
Carmen-Würth-Forum
Am 2. Dezember wurde direkt gegenüber des Konzerngeländes in Künzelsau-Gaisbach der Erste Spatenstich für das Carmen-Würth-Forum gesetzt. Der Termin, an dem das Großprojekt eingeweiht wird, steht bereits fest: Der 18. Juli 2017, der Tag an dem Carmen Würth 80 Jahre alt wird. Ein sehr ehrgeiziger Zeitplan, aber dieser Termin ist nicht verhandelbar. Reinhold Würth hatte an der Feier zu seinem 80. Geburtstag das Einweihungsdatum offiziell verkündet.
Der Zeitdruck ist also gewaltig, zumal auch der erste Spatenstich später gesetzt wird, als ursprünglich geplant. Er sollte eigentlich spätestens im Oktober sein. Doch in den vergangenen Wochen wurden die Pläne der Halle immer wieder nachgebessert. „Während der Planungszeit wurden die Ideen, Anforderungen, Ausstattungen und das Budget immer wieder aufeinander abgestimmt und verändert“, erläutert Würth-Pressesprecherin Janina Lossen.
Inzwischen steht aber fest, dass es im Forum kein Museum geben wird. Die Entwürfe, die das Architektenbüro des englischen Stararchitekten David Chipperfield 2012 fertiggestellt hatten, sahen noch eine Halle mit rund 2000 Sitzplätzen und einem angegliederten 5000 Quadratmeter großen Museum vor.
„Das Forum wird vor allem eine Kongress- und Veranstaltungshalle ohne Museum“, betont Pressesprecherin Janina Lossen. Gedacht ist dabei an Firmenveranstaltungen und Konzerte. Zudem will Würth das Forum als Konferenzzentrum des Konzerns nutzen.
Der Außenbereich wird auf jeden Fall die neue Heimstätte des Würth-Open-Air-Konzerts, das immer im Juni stattfindet. Die Ausstellungshalle, in der Bilder und Skulpturen aus der reichhaltigen Sammlung des Firmengründers gezeigt werden sollten, ist vom Tisch. Schließlich gibt es am Hauptsitz des Konzerns bereits das Würth Museum – dabei soll es auch bleiben. Auch Plänen, in der Region ein Spitzenteam in einer Populärsportart aufzubauen, um die Halle regelmäßig zu bespielen, erteilte der Konzern eine Absage.
„An Sportveranstaltungen ist in der neuen Halle im Moment nicht gedacht“, sagt Lossen. Dieses Konzept hat die im September 2005 eingeweihte SAP-Arena in Mannheim erfolgreich verfolgt. Dort tragen die Handball-Spitzenmannschaft der Rhein-Neckar-Löwen und das Eishockey Top-Team Mannheimer Adler ihre Heimspiele aus.
Spannend bleibt schließlich die Frage nach den Baukosten. Die ursprünglich geplanten 55 Millionen Euro für Halle und Museum werden wohl auf keinen Fall reichen. Gerade bei Großbauten schreitet die Entwicklung in Sachen Technik und Energiekonzeption rasend schnell voran. Zudem wird auch der Zeitdruck die Kosten verteuern. Und auch der ab 2016 geplante Ausbau der Landstraße 1051 zwischen der B19 und Neufels auf einer Breite von 6,50 Meter muss berücksichtigt werden. Die Straße führt direkt an der neuen Kongresshalle vorbei. Letzte Fragen bleiben also noch offen. Sie sollen beim Spatenstich am kommenden Mittwoch beantwortet werden.

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