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Heilbronn

Atmel wird verkauft, der Telefunkenpark ebenfalls

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Dialog Semiconductor übernimmt den Halbleiterkonzern. An wen der Standort beim Frankenstadion geht, ist noch offen.

Von unserem Redakteur Manfred Stockburger
Aus der Luft betrachtet wird deutlich, wie groß das Areal des Telefunkenparks zwischen der Theresienstraße (unten) und der Kaufland-Zentrale ist. Foto: Kuhnle
Aus der Luft betrachtet wird deutlich, wie groß das Areal des Telefunkenparks zwischen der Theresienstraße (unten) und der Kaufland-Zentrale ist. Foto: Kuhnle

Im Juni hatte der amerikanische Chiphersteller Atmel Berichte, dass ein Verkauf des Unternehmens bevorstünde, noch dementiert. Jetzt ist klar: Das Unternehmen mit Deutschlandsitz in Heilbronn bekommt einen neuen Eigentümer. 4,6 Milliarden Dollar bietet Dialog Semiconductor für das Unternehmen. Die Transaktion soll im Frühjahr abgeschlossen werden.

Indirekt

Atmel selbst hat in Heilbronn nur noch etwa 200 Beschäftigte, im Telefunkenpark an der Heilbronner Theresienstraße arbeiten aber in vier anderen Firmen rund 1000 weitere Angestellte, die indirekt von dem Verkauf auch betroffen sind: Das ganze Areal, auf dem mit Telefunken einst die gemeinsame Mutter der Technologiefirmen saß, gehört Atmel. Noch jedenfalls.

Atmel bemüht sich nämlich schon seit langer Zeit, einen Käufer für den Telefunkenpark zu finden − und es gibt Anzeichen dafür, dass die Immobilie verkauft wird, bevor der Verkauf von Atmel an Dialog rechtswirksam wird. Dass der US-Konzern kein Interesse mehr am Heilbronner Telefunkenpark hat, macht er sogar per Leuchtreklame deutlich: Noch immer steht das alte Firmenlogo auf dem Dach, dabei hat sich Atmel bereits 2012 ein neues Erscheinungsbild gegeben.

Erworben hatte der US-Konzern das Gelände 1998, als sich der Daimler-Konzern aus der Halbleiterei verabschiedete und seine Heilbronner Tochterfirma Temic verkaufte. Damals zählte der Standort zu den führenden Halbleiterfabriken der Welt, inzwischen ist die Produktion von Computerchips weitgehend nach Asien abgewandert. Auch Atmel hat keine eigenen Produktionsstätten mehr − die Überreste der zwischenzeitlich weiterverkauften Heilbronner Atmel-Fabrik sind im vergangenen Jahr pleite gegangen.

Aktiv

Vishay, Azur Space und AIM Infrarotmodule sowie die Facilitymanagement-Gesellschaft FSG, die von Atmel und Vishay gemeinsam betrieben wird, sind aber nach wie vor aktiv im Telefunkenpark. Und die Ironie der Geschichte: Dialog Semiconductor gehörte bis 1998 ebenfalls zur Temic. Der neue Eigentümer war früher einmal die kleine Schwester von Atmel Heilbronn.

Kleiner ist Dialog nach wie vor, was den Umsatz angeht. 2014 erwirtschaftete der Konzern mit Hauptsitz in London, einem Entwicklungsstandort in Kirchheim/Teck und knapp 1400 Beschäftigten etwa 1,2 Milliarden Dollar, bei Atmel waren es mit 5200 Mitarbeitern etwa 1,4 Milliarden Dollar. Umso beachtlicher ist die Summe von 4,6 Milliarden Dollar, die Dialog für Atmel bezahlen möchte. 150 Millionen Dollar im Jahr sollen durch die Fusion eingespart werden.

Was mit dem Areal geschieht, ist noch offen. Die Stadt Heilbronn hat aber auf alle Fälle ein Auge darauf: "Wir haben allergrößtes Interesse daran, dass auf dem Areal auch weiterhin hochwertiges Gewerbe seinen Standort hat", sagt Baubürgermeister Wilfried Hajek. "Sollten Nutzungsänderungen angestrebt werden, müssten sie selbstverständlich mit dem dort geltenden Planungs- und Baurecht in Einklang stehen."

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