Ariane gibt Lampoldshausen langfristig Schub
Frankreich und Deutschland haben sich darauf geeinigt, die Tests für die Ariane-6-Raketentriebwerke langfristig nicht nur am französischen Standort Vernon vorzunehmen, sondern auch in Lampoldshausen.

Das hat der Bundestagsabgeordnete Josip Juratovic (SPD) im Vorfeld der Ministerratskonferenz der beteiligten europäischen Länder aus dem Bundeswirtschaftsministerium erfahren. Damit ist eine prosperierende Zukunft des Raketentestzentrums Lampoldshausen über das Jahr 2020 hinaus gesichert.
Tauziehen
Der stellvertretende Standortchef Klaus Schäfer wird von der Nachricht überrascht und freut sich, "dass die Politik die finanzielle Beteiligung Deutschlands gewürdigt haben möchte". Schließlich habe es Überlegungen gegeben, diesen Teil der Tests komplett an Frankreich zu geben. Die gute Nachricht aus dem Umfeld der deutschen Verhandlungsführerin Brigitte Zypries, der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium lautet nun: Auch der Standort Lampoldshausen erhält einen Anteil und wird von dieser Entscheidung profitieren, solange die Ariane 6 fliegt.
Mit diesen Tests sei nun voraussichtlich die Grundlast gesichert, "damit kann man Standortplanung betreiben", sagt Schäfer. Wobei noch unklar ist, wie viele dieser sogenannten Abnahmetests in Lampoldshausen pro Jahr laufen dürfen. Das soll erst im kommenden Jahr endgültig festgezurrt werden.
Vollbeschäftigt
Bekannt war bereits, dass das große Vulcain-Haupttriebwerk und das kleinere Vinci-Oberstufentriebwerk während der Entwicklungsphase in Lampoldshausen getestet werden. "Das war im Sommer die wichtigste Entscheidung für unseren Standort", erläutert Hardthausens Bürgermeister Harry Brunnet. Damit sei man vorerst einmal vollbeschäftigt. Doch unklar blieb bislang, wie es danach weitergeht. "Ab 2021 würden wohl Stellen wegfallen, wenn es diese weiteren Tests nicht gäbe."
Frankreich ist kein leichter Verhandlungspartner, wenn es um Industriepolitik geht. "Das Ziel war, bei den Abnahmetests dabei zu sein. Das haben wir erreicht", sagt Brunnet. Nun hoffe er, dass man mindestens auch die Hälfte der jährlichen Tests machen darf. Rund zehn Starts von Ariane-6-Raketen sind ab 2020 pro Jahr geplant. Jedes fertige Triebwerk wird dann einmal kurz auf dem Prüfstand gezündet, bevor es sich auf den Weg ins All macht. Im Gegensatz zu den Entwicklungstests ist damit also mehr Umbauarbeit verbunden, erläutert Schäfer. Auf die Bevölkerung im Umfeld komme also keine Mehrbelastung zu. Die Prüfstände müssten noch modifiziert werden. Investitionen in einstelliger Millionenhöhe seien dazu voraussichtlich notwendig.
Beim DLR ist man dankbar für die Unterstützung der Politik. Schäfer würdigt das Engagement von Juratovic als regionalem Abgeordneten, der immer wieder nachhake in Berlin. Sehr wichtig sei natürlich auch Harry Brunnet, als engagierter Standortbürgermeister und in diesem Jahr auch als Präsident der Ariane-Städtepartnerschaft CVA, die rund 20 europäische Städte vernetzt. Nicht zuletzt setze sich auch Landrat Detlef Piepenburg für Lampoldshausen ein.
Stimme.de