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Heilbronn

Architekt aus Österreich baut Moschee

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Jury lobt hohe Qualität der Entwürfe − Städtebaulicher Gewinn − Ausstellung in der Volkshochschule

Von unserer Redakteurin Bärbel Kistner
Geplanter Moschee-Neubau an der Weinsberger Straße: Beim Architekturwettbewerb entschied sich die Jury einstimmig für den Entwurf von Bernardo Bader.Visualisierung: Büro Bader
Geplanter Moschee-Neubau an der Weinsberger Straße: Beim Architekturwettbewerb entschied sich die Jury einstimmig für den Entwurf von Bernardo Bader.Visualisierung: Büro Bader

Das hat Professor Wolfgang Lorcher als Juryvorsitzender noch selten erlebt: ein einstimmiges Ergebnis wie beim Architekturwettbewerb zum Neubau der Heilbronner Ditib-Moschee. Alle neun Preisrichter haben am Wochenende "nach guter Reibung und Auseinandersetzung" den Entwurf von Bernardo Bader auf den ersten Platz gesetzt.

Der 40-jährige Architekt aus dem österreichischen Dornbirn soll die neue Ditib-Moschee an der Weinsberger Straße in Heilbronn realisieren. Die Ditib will das bislang als Moschee genutzte Lagerhaus aus den 60er Jahren abreißen und bis spätestens Anfang 2019 an dieser Stelle neu bauen.

Regionale Büros

21 nationale und internationale Büros hatte die türkisch-islamische Heilbronner Gemeinde als Bauherr zum anonymen Wettbewerb eingeladen, 20 hatten einen Entwurf für das auf mindestens sieben Million Euro veranschlagte Bauvorhaben abgegeben. Auch sechs Heilbronner Büros waren beteiligt: Mattes Riglewski, Kohler Grohe, Herzog und Herzog, Müller, Bechler Krummlauf Teske sowie Florian Nagler.

Die Jury lobte "die sehr hohe Qualität" aller eingereichten Arbeiten, bei der Preisvergabe gingen die regionalen Büros jedoch leer aus. Auf Platz zwei kam das Darmstädter Büro Barucco-Pfeifer, auf Platz drei das Frankfurter Architekturbüro o5 Raab Hafke Lang. Zudem gab es Anerkennungen für drei weitere Büros, auch hier waren die Jury-Entscheidungen einstimmig. Die Preissumme insgesamt beträgt 50 000 Euro. Bernardo Bader bringt Erfahrung in islamischer Architektur mit, 2012 hat er in Vorarlberg einen muslimischen Friedhof gebaut.

Bisher ist die Ditib-Moschee in einer Lagerhalle aus den 60er Jahren untergebracht.Foto: Berger
Bisher ist die Ditib-Moschee in einer Lagerhalle aus den 60er Jahren untergebracht.Foto: Berger

"Einen Architekturwettbewerb auszuloben war die richtige Entscheidung", betonte der Ditib-Vorsitzende Erdinc Altuntas bei der Präsentation der Pläne und Modelle in der Heilbronner Volkshochschule. Trotz hoher Kosten habe man sich auf freiwilliger Basis für das Verfahren entschieden, um städtebaulich und architektonisch eine gute Lösung zu finden. Die Moschee solle auch zeigen, das "wir Muslime in der Stadt angekommen sind und partizipieren wollen".

Der Siegerentwurf hat für Erdinc Altuntas die Anforderungen an den Neubau in mehrfacher Hinsicht sehr gut erfüllt: "Das Bauwerk ist nicht zu aufdringlich, aber es ist signifikant sichtbar, dass es eine Moschee ist." Bei einigen Entwürfen habe man den Moscheecharakter nicht auf Anhieb identifizieren können. Das Minarett − so die Vorgabe an die Architekten − soll in das Gebäude integriert sein. Für Altuntas muss das Minarett dennoch als solches erkennbar bleiben, ebenso wie die Kuppel wesentlicher Bestandteil einer Moschee ist. In Baders Entwurf tritt die Kuppel als leichte Wölbung hervor.

Ornamentik

Der Architekt hat Wert darauf gelegt, dass das Bauwerk auf den ersten Blick als Moschee erkennbar ist. Das Thema Islam wollte er sichtbar machen, "aber nicht auf eine symbolhaft-plakative Weise, sondern subtil, handwerklich und leise". Diese Herangehensweise sei nachhaltiger und dauerhafter. Ein solches Projekt habe gute Chancen, sich zu integrieren. Bernardo Baders Ziel ist es, "eine neue, kulturell sensible Ästhetik sichtbar zu machen, die gleichzeitig eine lokale, islamische und europäische Architektursprache vertritt". Charakteristisch ist auch die Ornamentik der Außenhülle aus Beton und Metall.

Für Erdinc Altuntas bietet die Arbeit des Österreichers zudem die beste Balance zwischen Machbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Design. Auf dem 1630 Quadratmeter großen Grundstück galt es, ein umfangreiches Raumprogramm unterzubringen, denn die Moschee soll gleichzeitig Kulturzentrum sein. Es gibt Schulungsräume, Büroflächen und Wohnungen, im Erdgeschoss zudem Gastronomie und einige Läden − Mieteinnahmen aus der kommerziellen Nutzung müssen zur Finanzierung des Projektes beitragen. Bis zur Bundesgartenschau, so Altuntas, soll die Moschee eingeweiht sind, bis dahin sei es noch ein langer Weg. Derzeit arbeite man an einem Finanzierungsplan. Für den Rohbau müsse ein Kredit aufgenommen werden.

Zweiter Preis an Barucco-Pfeifer, das Büro hat die Heilbronner St.-Augustinus-Kirche umgebaut.
Zweiter Preis an Barucco-Pfeifer, das Büro hat die Heilbronner St.-Augustinus-Kirche umgebaut.

Für die Fertigstellung sei man auf Spenden angewiesen: "Das wird alles transparent ablaufen." Vom türkischen Staat erhalte man keine Unterstützung. "Wenn das Gebäude wächst, dann steigt auch die Spendenbereitschaft." Zu spenden ergebe sich aus dem muslimischen Glauben heraus. "Schon jetzt stehen Spender in den Startlöchern." Altuntas zweifelt nicht daran, dass seine Gemeinde das Projekt stemmt. "Auf halber Strecke stehenzubleiben können wir uns nicht erlauben."

Gewinn

Für den Heilbronner Baubürgermeister Wilfried Hajek − ebenfalls Mitglied in der Jury − hat sich der Aufwand des Architekturwettbewerbs gelohnt. Der Moschee-Neubau habe einen hohen Stellenwert. Es sei wichtig, dass das Gebäude zum Stadtbild passt. Dass an dieser Stelle, in einer nicht geraden schicken Umgebung, etwas Neues entsteht, sei "ein städtebaulicher und architektonischer Gewinn für Heilbronn". Das Bauwerk werde über die Stadt hinaus wirken. Mit Bernardo Bader hat Hajeks Favorit gewonnen. Dessen Entwurf zeige auf subtile Weise die entscheidende Symbolik einer Moschee. Bis zum zweiten Oktober sind alle Pläne und Modelle im Untergeschoss der VHS ausgestellt.

 
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