Als Tausende mit seltsamen Brillen gen Himmel sahen
Heute vor 15 Jahren erlebte die Region die totale Sonnenfinsternis: Vögel verstummen, Menschen raunen, und in Stuttgart regnet es
Sie sind wie Puzzleteilchen, die Erinnerungen an die totale Sonnenfinsternis heute vor 15 Jahren. Jeder weiß ein oder zwei Puzzleteilchen und hat andere schon wieder vergessen, aber im kollektiven Gedächtnis der Region ist die Sonnenfinsternis für immer fest verankert − möglicherweise sogar unter der Abkürzung "Sofi", wie sie damals liebevoll genannt wurde.
Ungutes Gefühl
Eine 59-jährige Heilbronnerin erinnert sich an "ein ungutes Gefühl", das in ihr aufstieg, als am 11. August 1999 um 12.33 Uhr eineinhalb Minuten lang der Mond die Sonne komplett verdeckte. Mit zugekniffenen Augen blinzelte sie in der Heilbronner Innenstadt vorsichtig hinauf zu dem astronomischen Schauspiel. "Ich hatte mich nämlich geweigert, mir so eine Brille zu kaufen", weiß die Heilbronnerin noch. Warum, weiß sie nicht mehr. Ihre Augen haben jedenfalls keinen Schaden genommen, kann man aus heutiger Sicht sagen.
Diese unvergesslichen Pappbrillen mit den Schutzfolienbrillengläsern, ohne die man auf gar keinen Fall in die Sonne sehen durfte. "Der Markt ist leergefegt", hieß es schon eine Woche vor der Sonnenfinsternis in einer Zeitungsmeldung, "es können auch keine Brillen mehr nachbestellt werden." Allein über die Heilbronner Stimme waren 20.000 Stück verkauft worden.
Kommt drauf an. Wer die nächste totale Sonnenfinsternis in unseren Gefilden erleben will, muss sich noch bis zum Jahr 2081 gedulden.
Schlafende Hunde
Und dann großes Glück haben. Denn in Stuttgart regnet es, als heute vor 15 Jahren die versammelten Himmelsgucker im Raum Heilbronn fast überall freien Blick auf das Schauspiel haben.
Und in kleinen Landgemeinden passiert, was in Heilbronn gerade noch rechtzeitig unterbunden wurde: Die Straßenlampen gehen an.

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