Post will im DHL-Tarifstreit jetzt doch verhandeln
Der Warnstreik am Offenauer DHL-Automotive-Standort vom Dienstag hat offenbar Wirkung gezeigt. Nach Angaben des Heilbronner Verdi-Gewerkschaftssekretärs Gerd Koppenhöfer hat die Post-Tochter jetzt Verhandlungen angeboten.
Dabei soll geregelt werden, wie die 220 Beschäftigten des Standorts künftig nach dem baden-württembergischen Tarif bezahlt werden können. Die Vorgespräche seien für nächsten Dienstag angesetzt - in der Bonner Post-Zentrale.
Bislang wendet das Unternehmen aus historischen Gründen den deutlich niedrigeren hessischen Tarifvertrag an. Nach früheren Angaben beträgt der Unterschied bei einem Lagerarbeiter mehr als 500 Euro pro Monat. "Offenau ist in Baden-Württemberg", stellt Gerd Koppenhöfer nüchtern fest.
Laut Gewerkschaft hat das Management des Standorts am Dienstag bis Mitternacht in der Werkhalle gearbeitet, um die durch den Streik in der Frühschicht verursachten Produktionsrückstände aufzuholen. Gefertigt werden Türverkleidungen, die von Offenau aus direkt an die Audi-Bänder geliefert werden. Der für den morgigen Donnerstag geplante ganztägige Warnstreik ist abgesagt.
Artikel vom 8. Dezember 2015: Hessischer vs. baden-württembergischer Tarifvertrag
Das Thema ist nicht neu: Im Logistikzentrum von DHL in Offenau, das von der Post-Tochter DHL Automotive betrieben wird, werden die Mitarbeiter nicht nach dem baden-württembergischen Logistik-Tarif bezahlt, sondern nach dem hessischen.
Was sich nach Erbsenzählerei anhört, hat in Wirklichkeit dramatische Auswirkungen für die einschließlich Leiharbeiter etwa 220 Beschäftigten, wie der zuständige Verdi-Sekretär Gerd Koppenhöfer aus Heilbronn ausgerechnet hat: Bei einem Lagerarbeiter, der nach hessischem Tarif 1900 Euro im Monat verdient, geht es nach seinen Angaben um 529 Euro im Monat, die er nach dem in Baden-Württemberg gültigen Vertrag mehr verdienen würde. Aufs Jahr summiert sich die Differenz auf 6350 Euro, so der Gewerkschaftsvertreter. „Und Offenau liegt nun einmal in Baden-Württemberg, nicht in Hessen.“ Eine weitere Folge dessen, dass aus Sicht von Verdi der falsche Vertrag angewendet wird: „Weil er hier nicht gilt, kann er auch nicht eingeklagt werden.“ Am Donnerstag werden die Beschäftigten ihren Chefs deswegen symbolisch die rote Karte zeigen, so Koppenhöfer. Nächstes Jahr sollen weitere Aktionen folgen. mfd
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