Nur wer den Test besteht, darf auch abheben
Hardthausen - Beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt werden Raketentriebwerke auf Herz und Nieren geprüft. 15 bis 20 komplette Raketentriebwerke kann das DLR in Lampoldshausen im Jahr testen. In diesem Jahr wird das 50-jährige Bestehen gefeiert.
Prüfstand? Das Wort beflügelt kaum die Fantasie.Von außen betrachtet sind die einzelnen Anlagen schmucklose Zweckbauten. Sie erinnern an nüchterne Werkshallen. Verstreut im Wald liegen sie, die Zufahrts- und Verbindungsstraßen sind geteert.
Die ersten Testanlagen P 1 und P 2 wurden Anfang der 60er gebaut. So wie sich europäische Raumfahrtprogramme mit der Zeit weiter entwickeln, wachsen die Anforderungen an die Anlagen. Heute finden auf P 1 Tests für Triebwerke von Sonden und Satelliten statt. P 3 nimmt Einzelteile eines Triebwerks wie etwa die Brennkammern unter die Lupe.
15 bis 20 komplette Raketentriebwerke kann das DLR in Lampoldshausen im Jahr testen. „Die Vor- und Nachbereitung ist komplex und zeitintensiv“, erläutert DLR-Pressesprecherin Anja Seufert. Ein fertig entwickeltes Triebwerk wie Vulcain wird zwei, drei Mal auf seine Funktionsfähigkeit hin überprüft, dann kann es abheben.

Was Lampoldshausen so einzigartig macht? Der Prüfstand P 4. Denn Triebwerk ist nicht gleich Triebwerk. Wie verhält sich eines, das wie Vulcain (Schaubild Nummer zwei) am Boden gezündet wird? Wie reagiert eines, das erst später, nach dem Start, weit oben in luftiger Höhe gezündet wird (Nummer drei)? Tausende Kilometer vom Boden entfernt herrschen ganz andere Bedingungen: Die Temperatur sinkt, es existiert fast ein Vakuum.
Hier kommt das DLR in Lampoldshausen mit seinem P 4 ins Spiel. Auf dem Höhensimulationsprüfstand lassen sich die Bedingungen in großen Flughöhen nachstellen. Die Anlage kann ein Vakuum erzeugen und aufrechterhalten. „P4 in seinem jetzigen Zustand ist einzigartig in Europa“, betont Anja Seufert die internationale Bedeutung dieser Anlage für das Ariane-Programm. Dieses sichert Europa den eigenständigen Zugang zum Weltraum zu Forschungszwecken und für den kommerziellen Satellitenmarkt. Andere Anlagen wie der P 5, der das Vulcain-Hauptstufentriebwerk testet, gibt es auch im französischen Vernon.
Feuer speien

Das DLR liegt versteckt. Die Sicherheitsvorkehrungen sind streng. Als nationales Forschungszentrum der Bundesrepublik für Luft- und Raumfahrt ist das DLR in nationale und internationale Kooperationen eingebunden. Im Auftrag der Bundesregierung plant und setzt es deutsche Raumfahrtprojekte um, auch im Verbund mit anderen Ländern. Es gibt 13 DLR-Standorte in Deutschland, der Vorstand sitzt in Köln. In Lampoldshausen gibt es neben den Prüfständen und dem Labor für Forschung und Industrie ein Verwaltungsgebäude, Treibstoff- und Materiallager, eine Sicherheitszentrale, Sanitäter und Werksfeuerwehr. Eng ist die Zusammenarbeit mit der Firma EADS Astrium, die auf dem Gelände Triebwerke baut. Alle zusammen arbeiten daran, den Sternen etwas näher zu kommen.
Personalstruktur
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Lampoldshausen feiert dieses Jahr das 50-jährige Bestehen. Mit Beginn der europäischen Raumfahrt wuchs die Belegschaft am Standort rasant: In den Jahren von 1962 bis 1966 von 35 auf mehr als 200. Heute beschäftigt das DLR 213 Mitarbeiter, davon 178 Männer und 35 Frauen. Der Mitarbeiterstamm besteht aus 59 Wissenschaftlern, 20 Absolventen der Fachhochschule beziehungsweise eines Bachelor-Studiengangs. 26 Techniker und 57 Handwerker arbeiten im DLR. Die Verwaltung zählt 23 Köpfe. Auch der Nachwuchs wird gefördert: Das DLR beschäftigt außerdem Studenten, Praktikanten und Auszubildende.
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