Naturtalent muss schließen
Mietvertrag zwischen der Stadt und dem Biomarkt in der Neckarsulmer Mediathek wird nicht verlängert. Betreiber Walter Kress fordert Entgegenkommen der Stadt. Kress: Laden lässt sich angesichts der hohen laufenden Kosten nicht gewinnbringend betreiben.

Zehn Jahre nach seiner Eröffnung muss der Biomarkt Naturtalent Ende April schließen. Betreiber Walter Kress hat den Vertrag mit dem Vermieter, der Stadt Neckarsulm, nicht zu den bisherigen Konditionen verlängert. Stattdessen hatte er Forderungen gestellt, auf die die Stadt bislang nicht eingegangen ist. Nun liegt das Kündigungsschreiben auf dem Tisch.
Zwei Versionen
Was ist passiert? Es gibt zwei Versionen. Für Walter Kress, den umtriebigen Öko-Landwirt aus Hardthausen und Slow-Food-Botschafter für die Region, liegt die Schuld bei der Stadt. Die sei nicht zu Verhandlungen bereit, obwohl sie sich jahrelang auch gerne geschmückt habe mit dem Image des Naturtalent. Vor zehn Jahren habe man ihn nach Neckarsulm geholt, und er sei gern gekommen.
Doch dann ging einiges schief: Die Elektrik im Haus sei störanfällig gewesen. Ein Stromausfall am Wochenende habe vor einigen Jahren Ware im Wert von 30 000 Euro vernichtet. "Und jedes Jahr habe ich allein Stromkosten von 18 000 Euro." Als Kostentreiber hat er die Gasdrucklampen ausgemacht. Mit LED-Lampen könnte man ein Drittel dieser Kosten einsparen. "Aber für solche Dinge ist die Stadt zuständig." Der gehöre die Einrichtung, die Beleuchtung. Trotzdem habe er im vergangenen Jahr mehr als 10 000 Euro in diese Einrichtung investiert.
Geld, das jetzt womöglich verloren ist. Denn Kress hat der Stadt vor einem knappen Jahr mitgeteilt, dass eine Verlängerung des Vertrags zu den bisherigen Konditionen nicht erfolgen soll. Nicht geplant war, dass es überhaupt keine Verlängerung gibt. "Ich will doch nicht zehn Jahre meines Lebens wegschmeißen. Da steckt mein Herzblut drin", sagte Kress gegenüber der Heilbronner Stimme. Doch finanziell habe sich der Laden einfach nicht gelohnt. 2012 habe er sich zuletzt eine monatliche Aufwandsentschädigung von 1000 Euro pro Monat genehmigt. 2013 sei noch nicht mal mehr das drin gewesen. Gewinne seien in all den Jahren nie entnommen worden.
Das Geschäft habe vor allem mit Idealismus zu tun. Das gelte auch für die Aktionen für die Neckarsulmer Schulen, für das Ferienprogramm oder die Kochkurse - da sei es nie ums Geldverdienen gegangen. "Ich habe der Stadt viel gegeben", sagt Kress. Doch für ihn selbst bleibe bei 2500 Euro Miete und der gleichen Summe für Nebenkosten und Einrichtungsmiete nichts mehr. Und das habe eben auch viel mit dem Standort zu tun und dem Umstand, dass er keine Leuchtreklame am Geschäft anzubringen darf. Dazu kommt: Überall gibt es neue Biomarkt-Konkurrenz.
Absage
Bei der Stadt sind die Forderungen von Walter Kress allerdings nur auf Unverständnis gestoßen. Da er die Grundmiete um fast zwei Drittel reduzieren wollte, habe man - auch mit Rücksicht auf die Gleichbehandlung anderer städtischer Mieter - gar keine andere Wahl gehabt, als die Forderungen abzulehnen, ist bei der Stadtverwaltung zu hören.
Was die eigentlich schon zugesagten Nachbesserungen im Ladengeschäft an der Urbanstraße angeht, so seien diese natürlich nicht mehr umesetzt worden, nachdem Kress vor einem knappen Jahr eine automatische Verlängerung des Mietvertrags abgelehnt hatte.
Herbert Emerich, CDU-Fraktionschef im Gemeinderat, hat prinzipiell Verständnis für die Situation von Kress, kritisiert aber dessen Vorgehen. Erst kurz vor Weihnachten sei der Forderungskatalog eingegangen, eine Entscheidung sollte bereits bis zum 20. Januar gefallen sein. "Wenn ich so ein weitreichendes Entgegenkommen von der Stadt erwarte, dann kann ich nicht noch zusätzlich Druck erzeugen." Einstimmig sei deshalb die Ablehnung im Verwaltungsausschuss gewesen. "Jetzt liegt der Ball bei ihm", erklärte Emerich. Oberbürgermeister Joachim Scholz bestätigt diese Sicht. Die Stadt sei noch immer verhandlungsbereit.
Stimme.de