Mehrlinge feiern in Tripsdrill

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Cleebronn - Mehr als 1000 Kinder und Eltern aus Mehrlingsfamilien haben sich am Samstag zum Aktionstag für Mehrlingsfamilien im Erlebnispark Tripsdrill in Cleebronn getroffen. Sie erhielten kostenlosen Eintritt in den Park. Die Kinder und ihre Eltern konnten den ganzen Tag lang die Attraktionen des Parks nutzen.

Von Friedhelm Römer

Die Fünflinge Christian (v.l.), Daniel, Ester, Johannes und Silvana Beutelspacher aus Karlsbad vor der Burg "Rauhe Klinge".


Cleebronn - In weiser Voraussicht hatte die SG Mutschelbach-Auerbach das Fußballspiel ihrer E-Jugend gegen den ASV Ettlingen um einen Tag auf Freitag vorverlegt. Denn am Samstag hatten Daniel und Christian keine Zeit für Fußball. Mit ihren Geschwistern Johannes, Silvana und Esther und ihren Eltern Markus und Ursula Beutelspacher sind sie nach Tripsdrill gekommen. Aus dem Karlsbader Ortsteil Auerbach. Es ist eine von zwei Fünflingsfamilien, die sich für den Aktionstag beim Mehrlingstreffen im Erlebnispark in Cleebronn angemeldet haben. Vor allem der Mammut, die Holzachterbahn, ist unter den Kindern und Jugendlichen die Attraktion.

Freier Eintritt

Das baden-württembergische Sozialministerium und Tripsdrill-Geschäftsführer Helmut Fischer hatten eingeladen. Freier Eintritt für Familien mit Drillingen, Vier- und Fünflingen. Gründe für diesen Aktionstag gab es mehrere: Den Landesfamilienpass gibt es seit 30 Jahren, den Erlebnispark seit 80 Jahren.

Darüber hinaus ist vor sieben Jahren vom Land das Mehrlingsprogramm aufgelegt worden, das Familien, die mindestens Drillinge haben, pro Kind mit 2500 Euro unterstützt. „Unbürokratisch und seit 2004 auch ohne Einkommensgrenze“, wie Hans Frisch, Referatsleiter im Ministerium versichert. „Das Mehrlingsprogramm ist ein Schatz unseres Landes, den wir pflegen müssen“, sagt seine Chefin, Sozialministerin Monika Stolz vor den rund 195 erschienenen Familien.

Die Familie Beutelspacher hat dafür gesorgt, dass dieser Schatz erst entstanden ist. Ihre Fünf sind inzwischen zehn Jahre alt. Ihr Arzt aus der Heidelberger Kinderklinik, Ortwin Linderkam, ließ damals nicht locker und setzte sich für die überforderte Familie ein, „denn wir hatten schon fast resigniert“, erinnert sich Ursula Beutelspacher. Sie bekamen eine Krankenschwester als Hilfe.

„Beim Jugendamt Karlsruhe hatte man uns empfohlen, unser Haus zu verkaufen und dann einen Antrag auf Sozialhilfe zu stellen. Das habe ich sogar schriftlich“, kann es Markus Beutelspacher immer noch nicht fassen, wie sie von manchen Behörden behandelt worden sind.

Glücklicherweise habe sich seitdem einiges getan. Im Etat des Landes-Sozialministeriums sind 250 000 Euro, von dem jährlich 30 bis 35 Mehrlingsfamilien profitieren. Dennoch bleiben laut Markus Beutelspacher Probleme: „Bei der Betreuung liegt noch vieles im Argen. Außerdem müsste man schwächere Schüler mehr fördern.“

Kleine Wohnung


Eine Bekannte aus Bremen „geht am Stock“, erzählt er. Mit ihren Vierlingen lebe sie in einer Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung, „eine größere vermietet dir doch keiner“. Betroffene wissen, wenn plötzlich Mehrlinge in der Bude sind, bekommt das Leben eine andere Dynamik. „Vor allem das erste Jahr ist schwierig“, sagt Achim Greule aus Neuweiler bei Calw. „Wenn alle gleichzeitig gewickelt werden müssen, dann wird die Nacht ziemlich kurz“, sagt er.

Doch das ist lange her. Die Drillinge von Achim und Cornelia Greule Nils, Hannes und Paul sind am Samstag zehn Jahre alt geworden. Achim Greule: „Wir feiern zum ersten Mal außerhalb des Familienkreises.“ Die Kinder können es kaum erwarten, in die Fahrgeschäfte zu kommen, und ihre Augen rasen schneller als die Achterbahn. Das geht den Fünflingen nicht anders.
Übrigens: Die E-Jugend der SG Mutschelbach-Auerbach hat den ASV Ettlingen mit 5:1 weggeputzt.


Weitere Infos unter www.tripsdrill.de


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