Lidl Deutschland verlässt Neckarsulm
Was sind die Gründe für den Umzug der Deutschland-Zentrale nach Bad Wimpfen? Unser Autor klärt auf:

Lidl zieht mit seiner Deutschland-Verwaltung von Neckarsulm nach Bad Wimpfen. Das bestätigen sowohl die Schwarz-Gruppe, zu der das Handelsunternehmen gehört, als auch die beteiligten Städte. Betroffen sind rund 1000 Mitarbeiter, die bisher an der Neckarsulmer Rötelstraße beschäftigt sind.
Derzeit werden die Verträge ausgearbeitet, das Unternehmen beabsichtigt, am neuen Standort im Westen Bad Wimpfens umfangreich Flächen zu erwerben – das Areal liegt zwischen den beiden Landesstraßen Richtung Bad Rappenau.
Der Wegzug bedeutet für Neckarsulm einen Verlust an jährlicher Gewerbesteuer im zweistelligen Millionenbereich, wie die Verwaltung schreibt
Hauptgrund: Grundstücksflächen
Hauptgrund für den Umzug nach Bad Wimpfen seien die dort vorhandene Grundstücksflächen zur sofortigen Bebauung, schreibt eine Sprecherin der Schwarz-Gruppe auf Anfrage. Außerdem entspreche die Verkehrsinfrastruktur weitestgehend den Vorstellungen des Unternehmens. Der Flächenbedarf resultiere aus dem steten Wachstum der Schwarz-Gruppe mit Kaufland und Lidl in den vergangenen Jahren. "Das zeigt auch die Entwicklung der Beschäftigtenzahl an den Verwaltungsstandorten in Heilbronn und Neckarsulm, die ebenfalls stetig gewachsen ist."
Das mache den weiteren Verwaltungsstandort in Bad Wimpfen notwendig, um hier die Verwaltung von Lidl Deutschland anzusiedeln. Der Standort verfüge nicht nur über Planungsrecht, er "bietet auch ausreichend Entwicklungspotential für die Zukunft", erläutert die Sprecherin.
Dennoch werde die Entwicklung der Neckarsulmer Verwaltungsstandorte fortgesetzt, insbesondere auf dem Stiftsberg und an der Rötelstraße. "Eine wichtige Voraussetzung ist allerdings die weitere konsequente Optimierung der Verkehrsinfrastruktur."
Oberbürgermeister ist überrascht
Die Entscheidung des Unternehmens sei überraschend gekommen, schreibt Oberbürgermeister Joachim Scholz - ebenso die Begründung, dass in Bad Wimpfen Grundstücksflächen zur Verfügung stehen, die sofort bebaut werden können. Bis dahin ist die Stadt davon ausgegangen, dass Lidl das geplante Gewerbegebiet "Linkes Tal" als Erweiterungsfläche nutzt.
Zumal die Stadt die planungsrechtlichen Weichen für das Gebiet gestellt habe: Grundstücksverhandlungen hätten begonnen, erste Kaufverträge seien im Sommer abgeschlossen worden - um den engen, mit Lidl vereinbarten Zeitplan einzuhalten, habe man eigens einen Mitarbeiter eingestellt. "Das Unternehmen hat der Stadt schriftlich bestätigt, dass die Entwicklung des Standorts Stiftsberg nicht abgeschlossen ist, sondern weitere Neubauten geplant sind und auch mittelfristig Bedarf für weitere Büroflächen besteht", schreibt der Oberbürgermeister.
B27-Anschluss
Auch die Forderung von Lidl hinsichtlich der Anbindung an die Bundesstraße will man erfüllen: "Der Gemeinderat hat im Herbst 2014 die komplette Neuplanung des neuen B 27-Anschlusses beschlossen. Die aktualisierten Unterlagen liegen voraussichtlich bis Ende des Jahres vor", schreibt die Verwaltung. Die Verhandlungen zwischen Stadt, Regierungspräsidium und Bund ziehen sich seit Jahren hin. Die Stadt setzt wegen der zugesagten weiteren Entwicklung der Standorte in Neckarsulm die Vorbereitungen zur Erschließung des Gewerbegebiets gegenüber der Lidl-Zentrale fürs internationale Geschäft sowie die Planungen zum Bau des Bundesstraßenanschlusses fort.
Bürgermeister Claus Brechter bestätigt die Ansiedlung Lidls im Bad Wimpfener Westen. "Wir sind in Verhandlungen, die allerdings noch nicht ganz abgeschlossen sind. Die Verträge sind noch nicht unterschrieben", sagt der Bürgermeister auf Stimme-Anfrage. "Die Stimmung ist aber von Zuversicht geprägt." Mehr könne er im Moment nicht sagen - freilich auch dazu nicht, wie es mit Mehreinnahmen aus der Gewerbesteuer künftig aussehen könnte.

Stimme.de