Lesersommer zeigt die Burgfestspiele völlig unverhüllt
Beim Lesersommer dürfen die Teilnehmer hinter die Kulissen des Freilichttheaters schauen. Auch ein Treffen mit den Schauspielern steht auf dem Programm.

Völlig unverhüllt - so sieht man sie im Sommer selten. Die Burg darf bei der diesjährigen "Götz"-Inszenierung einfach das sein, was sie ist. "Schließlich stehen wir hier am Originalschauplatz des Stücks", erklärt Ann-Kathrin Halter von der Pressestelle der Jagsthausener Burgfestspiele den gespannten Zuhörern.
Die schauen von den Brettern, die die Welt bedeuten, die langen Zuschauerränge hinauf. 840 Leute finden hier Platz. "Was, wenn man selbst...", die Dame mit Bluse und Sandalen zuckt mit den Schultern und spricht den Satz nicht zu Ende.
Die Gewinner der Lesersommer-Aktion der Heilbronner Stimme schauen sich um. Ein paar Podeste, Holz und Stein. Dass der Bühnenbilder sich trotzdem eine Menge bei seiner Arbeit gedacht hat, erfahren sie später von ihm höchstpersönlich.
Autogramme holen
Theater hautnah: 20 Gewinner dürfen am Mittwochabend erleben, wie es hinter der Bühne eines Profi-Theaters zugeht: in Wäscherei, Schneiderei, Maske und den engen Gängen der Götzenburg.
Die größte Überraschung wartet kurz vorm Start des Stücks. Sechs Schauspieler nehmen sich die Zeit, den Lesern ihre Fragen zu beantworten und Autogramme auf die Eintrittskarten zu geben. Fast 700 Personen hatten sich darum beworben, mit dabei sein zu dürfen.
Bevor es so richtig losgeht, gibt Ann-Kathrin Halter aber erstmal einen Einblick in die Geschichte des Freilichttheaters. Immerhin waren hier schon bekannte Schauspieler wie Götz Otto, der Schwede Peter Haber oder in diesem Jahr Walter Plathe zu Gast, um dem "Götz von Berlichingen" Leben einzuhauchen. Die Leser schauen sich die Ahnengalerie unter der Tribüne ganz genau an.
Nächster Stopp ist der schmale Burgraum mit den vielen Waschmaschinen und Trocknern. Klar, die Schauspieler brauchen saubere Kostüme - zu jeder Vorstellung. "Nach einem regnerischen Abend hängt hier alles voll", erzählt Ann-Kathrin Halter. "Uiuiui", kichert eine Frau und macht fleißig Schruppbewegungen.
Eine Wetter-App habe bei den Burgfestspielen fast jeder auf dem Handy, weiß die Pressesprecherin. "Sie haben Glück: Für die Götz-Vorstellung heute sieht es gut aus."
Applaus nach Plan
Vor der Männerumkleide bahnt sich Alexander Klages, der im "Götz" den Lerse gibt, seinen Weg durch die Teilnehmer der Führung. "Achtung, der Mann muss ins Geschäft", ruft einer - und die Gruppe macht gerne Platz. An der Wand gibt es nämlich schon wieder Neues zu entdecken: Selbst wer wann beim Schlussapplaus auf die Bühne geht, ist in einem Plan festgehalten.
Dann geht es endlich ins Gewölbe zum Treffen mit den Schauspielern. Ob auf der Bühne eigentlich auch mal überspielt wird, dass man den Text vergessen hat, will eine Leserin wissen. "Ich improvisiere nie!", poltert Walter Plathe und kann sich ein Grinsen nicht verkneifen.
Als eine der Leserinnen erzählt, dass sie beim "Götz" schon vor 50 Jahren im Publikum saß, sind die Theaterleute dann ganz schön beeindruckt. Maike Bollow, alias Adelheid, schlägt die Hände überm Kopf zusammen. "Das ist ja fantastisch!"
Info: "Götz von Berlichingen", den Fürsten verhasst, befindet sich in Fehde mit dem Bischof von Bamberg. Als er Weislingen, seinen Jugendfreund und jetzigen Berater des Bischofs, gefangen nimmt, scheint ihm der entscheidende Schlag gelungen zu sein. Doch bald verfällt Weislingen dem Bann der schönen Adelheid von Walldorf - und verrät Götz erneut.
Das Traditionsstück der Burgfestspiele ist noch am 9., 20. und 27. August um 20.30 Uhr zu sehen.

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