Lamborghini zieht als erster ein
Audi holt den Karosseriebau des Huracán aus Böckingen auf die Böllinger Höfe.
Die Tage des Provisoriums sind gezählt: Nur noch zwei Wochen lang läuft die Produktion der Karosserie des Lamborghini Huracán im Böckinger Gewerbegebiet West. Dann beginnt der Umzug der Fertigung ins neue Produktionsgebäude im Heilbronner Industriegebiet Böllinger Höfe, wo die Karossen des schnittigen Italieners künftig gemeinsam mit dem Sportwagen R8 der Konzernschwester Audi vom Band laufen werden.
Die Verlagerung des Lambo an den neuen Standort ist der erste Schritt einer logistisch höchst komplexen Aktion zur Inbetriebnahme der neuen Audi-Betriebsstätte auf den Böllinger Höfen. Zunächst zieht der Bereich um, in dem Vorder- und Hinterwagen und der Mittelboden aus Aluminiumprofilen geschweißt werden und dann mit den Anbauteilen zusammengeführt werden, die wie bisher vom Werkzeugbau des Audi-Werks im ungarischen Györ zugeliefert werden.
In einem zweiten Schritt zieht dann der Bereich um, in dem die lackierten Karossen zusammengefügt und um die Karbon-Teile ergänzt werden. Lackiert werden die Karossen unverändert im Neckarsulmer Werk.
Vorproduktion
Im Moment arbeiten 65 Karosseriebauer in Böckingen zusammen mit 15 Logistikern und Kollegen von der Qualitätssicherung mit Hochdruck daran, genügend Karossen für die Umzugszeit vorzuproduzieren: Die Montagelinie in Sant"Agata Bolognese, die aus den lackierten Blech- und Karbonkarossen fertige Supersportwagen macht, geht schließlich nur zwei Wochen lang in die Sommerpause, der Umzug dauert aber länger. "Und wir wollen ja nicht, dass es in Italien wegen uns Probleme gibt", sagt Reiner Gehrig, der bei Audi innerhalb der Quattro GmbH den Kleinserien-Karosseriebau verantwortet - und damit auch die Lamborghini-Linie. Entsprechend akribisch ist der logistische Kraftakt geplant.
Ab Mitte August muss die umgezogene Produktionslinie wieder so arbeiten, als ob nichts gewesen wäre, und wie bisher 13 lackierte Karossen pro Tag auf den Weg nach Italien schicken. Oder noch besser sogar mehr, denn Lamborghini hat die komplette Jahresproduktion des neuen Huracán bereits verkauft. "Das ist ein wunderschönes Fahrzeug", schwärmt auch Gehrig.
Der Gallardo-Nachfolger wurde im Frühjahr auf dem Genfer Autosalon vorgestellt und basiert auf der neuen Sportwagenplattform MSS des VW-Konzerns. Die neue Anlage ist ähnlich wie der R8-Karosseriebau in Neckarsulm, was den geringen Automatisierungsgrad angeht. Zugleich ist sie flexibler in Sachen Variantenfertigung. Insgesamt ist die neue Produktionslinie auf den Böllinger Höfen auf täglich 42 Fahrzeuge ausgelegt.
R8 bleibt
Parallel zum Lambo-Karosseriebau wird im Sommer die Montage des R8 in die Böllinger Höfe verlagert, der R8-Karosseriebau bleibt aber anders als ursprünglich geplant zunächst doch in Neckarsulm. In diesem Bereich sind aktuell 45 Mitarbeiter beschäftigt.
Und was geschieht mit dem unscheinbaren Gebäude in Böckingen, in dem einst die Firma Rieleder Posamenten gefertigt hat, also Kordeln und Quasten und Spitzen für Heimtextilien? Der Mietvertrag für die 8400 Quadratmeter läuft weiter, sagt Reiner Gehrig. Schließlich hat Audi die Immobilie mit großem Aufwand technisch aufgerüstet. Verschiedene Bereiche hätten Interesse signalisiert, eine Entscheidung ist aber noch nicht gefallen.

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