Knorr: Es gibt keinen Plan B für Heilbronner Entwickler
Weil Unilever seine Entwicklungs-Abteilung in die Niederlande verlagert, dürften am Knorr-Werk Heilbronn 220 Arbeitsplätze wegfallen. Ein Alternativkonzept ist vom Tisch, das wurde am Donnerstag bei einer außerordentlichen Betriebsversammlung deutlich.

In der Auseinandersetzung um die Zukunft des Heilbronner Knorr-Standorts deutet alles auf eine Konfrontation hin. Betriebsratschef Thilo Fischer kündigte am Donnerstag an, zu den "klassischen Instrumenten der Arbeitnehmerbewegung" greifen zu müssen.
Hintergrund ist, dass das vom Betriebsrat ausgearbeitete Alternativkonzept bei einer Sitzung am Montag vom Tisch gefegt wurde. "Eindrucksvoller hätte man mangelnde Wertschätzung nicht zum Ausdruck bringen können", sagt ein bitter enttäuschter Fischer. Am Nachmittag informierte er die Belegschaft bei einer außerordentlichen Betriebsversammlung über die neue Situation.
Es geht um 220 Arbeitsplätze
Bis Montag waren Fischer und die Arbeitnehmervertreter guter Dinge gewesen, gemeinsam mit dem Unternehmen die Verlagerung der Heilbronner Entwicklungsabteilung nach Holland zu verhindern. Wie berichtet geht es um etwa 220 der gut 1000 Arbeitsplätze am Heilbronner Knorr-Standort − und um das technologische Herz. Noch Ende Februar war das Alternativkonzept sogar mit einer gemeinsamen Erklärung zwischen dem europäischen Betriebsrat und Unternehmen geadelt worden.
Laut Fischer hatte das Unternehmen dabei der Erklärung dem Plan zugestimmt, die angekündigte Verlagerung nicht vollständig umzusetzen. An dem Konzept hatten zahlreiche der betroffenen Mitarbeiter mitgearbeitet, die mit ihren Ideen zunächst offenbar auf großes Interesse stießen. Mehrfach bat das Unternehmen die Arbeitnehmervertreter um weitere detaillierte Ausarbeitungen.
Unilever will Heilbronn nicht schlagkräftig halten
Umso ernüchterter kam der Arbeitnehmervertreter jetzt aus den Gesprächen mit der deutschen Geschäftsführung zurück nach Heilbronn: Unilever habe kein Interesse an einer schlagkräftigen Einheit in Heilbronn, sei dabei schnell klar geworden. "Das Unternehmen möchte primär nur sicherstellen, wie das Know-how der Mitarbeiter ins niederländische Wageningen verlagert werden kann."
Vor allem der aus dem Vorgehen des Unternehmens resultierende Vertrauensverlust, so Fischer, werde nachhaltige Auswirkungen auf die bisher konstruktive Zusammenarbeit zwischen Management und Betriebsrat haben. "So geht man mit seinen Mitarbeitern nicht um."
Ein Unternehmenssprecher von Unilever betonte, dass der Dialog mit dem Betriebsrat fortgesetzt werde, um "gemeinsam gute Lösungen zu erarbeiten". Selbstverständlich könne man die Enttäuschung der Mitarbeiter verstehen. "Als Unternehmen halten wir aber daran fest, ein neues Innovationszentrum in den Niederlanden aufzubauen. Die Universität in Wageningen und dessen Umfeld ist eines der weltweit führenden Forschungszentren im Bereich Lebensmittel." Durch die Verlagerung der Abteilung werde die langfristige Wettbewerbsfähigkeit gesichert, so der Unilever-Sprecher.
Bisher gilt ein Standortsicherungsvertrag
Thilo Fischers Hoffnungen, die Mitbestimmung in dem Unternehmen durch die konstruktive Zusammenarbeit an einem Plan B in eine neue Dimension zu bringen, haben sich also zerschlagen. Jetzt wird wohl der Standortsicherungsvertrag in den Fokus des Geschehens rücken, nach dem das Unternehmen die Sparte gar nicht vom Standort wegverlagern darf.
Bisher hat Unilever diese mit der Gewerkschaft NGG geschlossene Vereinbarung nicht aufgekündigt, aber die Zeit drängt: Das geplante zentrale Entwicklungszentrum in den Niederlanden soll bereits 2019 seinen Betrieb aufnehmen. Wird der Vertrag aufgekündigt, bekommen die Beschäftigten mehr Geld. Das Werk verliert aber gleichzeitig seine durch die Zugeständnisse im Standortvertrag erkaufte Wettbewerbsfähigkeit.
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