Justinus Kerner: Stadt Weinsberg respektiert Wunsch noch heute
Die Ruhestätte der Familie von Justinus Kerner bleibt auch nach der Restaurierung so schlicht, wie es der Arzt und Dichter vor seinem Tod im Jahr 1862 verfügte. Auch wenn das bei manchem Besucher der Gräber auf Unverständnis stößt.

Er ist eine Insel des Friedens und Zurückgezogenheit, der Weinsberger Friedhof. Besonders auf dem älteren Teil spenden mächtige Bäume, in denen Vögel zwitschern, Schatten. Hier ruhen Weinsbergs Tote Seit’ an Seit’: bekannte Namen und weniger bekannte.
Imposant ragt das Grabmal der Familie Hildt auf, würdevoll gemahnt das Kriegerdenkmal an das Schicksal der Gefallenen. Ein Holzschild weist dem Besucher, der die parkähnliche Anlage von der Friedhofstraße aus betritt, den Weg zu den Gräbern Justinus Kerners, des großen Dichters, Arztes und Schriftstellers, und seiner Familie.
Zum 200. Geburtstag von Justinus Kerners Sohn Theobald hat die Stadt Weinsberg kürzlich veranlasst, dass die Gräber restauriert werden.
Grabplatten sind wieder gesäubert

Wie das Rathaus mitteilt, wurden die Grabplatten von einer Fachfirma gesäubert. Im Laufe der Jahre waren diese verwittert und von Moos und Flechten überzogen worden.
Jetzt sind sämtliche Inschriften wieder gut erkennbar. Die bronzene von Justinus Kerner und seiner Frau Friederike ohnehin. Aber auch die der beiden anderen Grabplatten. Auf der einen ist in Stein gemeißelt: Theobald Kerner 1817 – 1917, Else Mathilde Kerner, geb. Hochstetter, 1847 – 1931. Die steinerne Inschrift der anderen Tafel: Marie Kerner, geb. von Üxküll, 1811 – 1862, Justina Puhlmann, geb. Kerner, 1846 – 1941.
Kerner hat genau geplant, was auf Gräbern stehen soll
Außerdem ließ die Stadtverwaltung eine neue Bronzetafel aufstellen, die auf die Ruhestätten und den letzten Willen Justinus Kerners zur Gestaltung seines Grabes hinweist. Der Hintergrund: Immer wieder hatten sich Besucher an die Weinsberger Stadtverwaltung gewandt und ihr Unverständnis darüber zum Ausdruck gebracht, dass die Kerner-Gräber doch eher unscheinbar angelegt seien.
Dass Justinus Kerner bereits zu Lebzeiten genauestens schriftlich verfügt hatte, wie schlicht sein Grab gestaltet werden sollte, dürfte den meisten nicht bekannt sein. Es war sein ausdrücklicher Wunsch, dass seine Frau Friederike und er unter einer schlichten Grabplatte bestattet werden sollen mit der Inschrift „Friederike und ihr Justinus“.
Dieser Wunsch wurde respektiert und so umgesetzt: Friederike Kerner, gest. 1854, und ihr Justinus, gest. 1862, steht auf der Bronzetafel zu lesen. Das Grab selbst, so verfügte es Kerner persönlich, solle nur von Efeu umrankt sein.
Poetische Grabdenkmäler
Die neue Bronzetafel weist auf diesen letzten Willen Justinus Kerners hin, der folgenden Wortlaut hat: „Solche liegende Platten, wie sie das Grab von Albrecht Dürer und Hans Sachs bezeichnen, sind doch die einfachsten und einzig poetischen Grabdenkmäler, unter solchem Stein will ich auch einmal begraben sein, aber man darf keine Blumen darum setzen, das mahnt sonst an die Kindergärtchen, nur Epheu soll es wild umranken.“ (Justinus Kerner, letzter Wille)
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