IG BCE in der Region: Haupt- und Ehrenamt müssen sich ergänzen
Die Industriegewerkschaft BCE vertritt in der Region weit über 1000 Beschäftigte - vor allem Bergleute. Doch der Gewerkschaft fällt es schwer, die ehrenamtlichen Strukturen mit Leben zu füllen.

Ein eigenes Büro mit Gewerkschaftssekretären hat die Gewerkschaft Bergbau Chemie Energie, kurz IG BCE, nicht in der Region, dafür eine Handvoll Ortsgruppen. Von Kornwestheim aus, wo der von Andreas Klose geführte Bezirk Stuttgart seinen Sitz hat, betreuen die Hauptamtlichen Mitglieder und Betriebe im Heilbronner Raum. Gleich zwei von ihnen waren am Samstag aber in der Region unterwegs, um die zweite Säule der Gewerkschaftsarbeit zu unterstützen: das Ehrenamt.
Im Gewerkschaftshaus ist Jahreshauptversammlung der Ortsgruppe Heilbronn-Stadt, die im vergangenen Jahr mit Müh und Not ein neues Vorstandsteam zusammenbekam, nachdem der Vorsitzende nach einem Betriebsunfall weggezogen war. Jetzt steht Heinz Kunert in der Verantwortung.
Im Publikum viele Rentner
Neben Kaffee und Kuchen gibt es ein bisschen Politik bei der Versammlung, die vor allem Rentner anlockt. Gewerkschaftssekretär Henning Rohde stellt die Wahlprüfsteine der BCE vor. Der SPD-Abgeordnete Josip Juratovic darf ein Grußwort sprechen und kann auf die Stimmen der meisten Anwesenden zählen: Anders als bei Verdi und IG Metall ist die SPD bei der IG BCE noch gesetzt.
Kunert möchte als neuer Vorsitzender der Bildungsarbeit neuen Schub geben und wirbt vor vielleicht 30 Anwesenden für das Familienfest der Ortsgruppe. Immerhin sind das zehn Prozent der 288 Mitglieder. Um mit den Aktiven ins Gespräch zu kommen, wollen die Vorstände künftig Betriebsversammlungen der Chemiefirmen besuchen.
Ortsverein Heilbronn hat über 1000 Mitglieder
"Ohne ehrenamtliches Engagement würde es nicht gehen", sagt Bezirksleiter Andreas Klose bei der parallel stattfindenden Ehrungsveranstaltung des Schwesterortsvereins Heilbronner Unterland, auch gerade wegen der politischen Arbeit, die vor Ort gemacht werde. Ohne die Unterstützung durch die Ortsgruppen könnten die Hauptamtlichen die 120 Betriebe in ihrem Bezirk zwischen Wertheim und Rottweil nicht betreuen. Etwa 1100 Mitglieder hat der Ortsverein, in dem vor allem Mitarbeiter der Salzwerke organisiert sind. Der Organisationsgrad der Bergwerksmitarbeiter liegt über 90 Prozent. "Ohne Mitglieder gibt es keine Tarifverträge", sagt Klose
Bisher hatte Rainer Schleyer für seine Ehrungsfeier immer die Heilbronner Neckarhalle gebucht, dieses Mal reichte die Zahl der Anmeldungen nur für ein kleineres Lokal. Nicht nur, weil er den früheren Gewerkschaftssekretär Paul Schmidt für 75 Jahre Mitgliedschaft ehren darf, ist Bezirkschef Klose dennoch gern gekommen. Er lobt die Salzwerke als Vorzeigeunternehmen. Auch auf die Ortsgruppe strahlt das aus - unter anderem hat Schleyer eine Bildungsfahrt nach Venedig im Programm. Die Heilbronner Ortsgruppe fährt nach Wackershofen.
Die stabile Konjunktur in der Branche und die Zuverlässigkeit der Patriarchen in den vielen Familienfirmen - auch in der Region - weiß Andreas Klose zu schätzen. Und auch die Arbeit der Ortsvereine.
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