Hemdsärmlige Tüftler dominierten Cross-Szene
Neckarsulm - Zweirad- und NSU-Museum zeigt in Sonderausstellung legendäre Offroad-Maschinen von Maico.

Neckarsulm - Den jungen Moto-Cross-Fahrern von heute ist Maico kein Begriff. Dabei hat der Motorradbauer aus Pfäffingen bei Tübingen fast 30 Jahre lang die deutsche Szene dominiert. Auch bei Welt- und Europameisterschaften setzte der David dem Goliath aus Asien mit zweiten und dritten Plätzen bei Welt- und Europameisterschaften zu.
Das Deutsche Zweirad- und NSU-Museum in Neckarsulm haucht der schwäbischen Offroad-Legende neues Leben ein. 13 Maschinen und viele Utensilien aus den Jahren 1956 bis 1981 sind bis 25. Januar 2014 in einer Sonderausstellung zu sehen. Zur Eröffnung am Sonntag kamen über 100 Besucher. Darunter eine Reihe ehemaliger Meisterfahrer.
Fahrwerk
Knapp 250 Kubikmeter Hubraum. 18 Pferdestärken. Vierganggetriebe. Die Moto-Cross-Maschine der Firma Maico aus dem Jahr 1956 "war damals sehr gut, hatte aber ein Fahrwerk wie eine Dampflokomotive", sagt der einstige deutsche Meister und Vizeeuropameister Willy Oesterle. Häufig griffen die Fahrer selbst zum Schraubenschlüssel. Der heute 80-jährige Oesterle etwa hatte eine neue Gabel und neue Federwege eingebaut. Familiäre Garagen-Atmosphäre herrschte in der schwäbischen Tüftlerwerkstatt. "Es war eine eigenartige Firma", erinnert sich Pius Bundschu, der von 1969 bis 1974 als Mechaniker in Pfäffingen arbeitete. "Die Chefs waren Bombenleute, aber solche Toiletten wie dort, habe ich in keinem anderen Unternehmen mehr gesehen."
Den großen Absatzmarkt hat das Unternehmen nie erreicht. "Maico hatte nie Geld", sagt Gerhard Ziller, der mit Manfred Ratzinger Ideengeber der Ausstellung ist. Und doch haben die hemdsärmligen Schwaben, die Mitte der 80er Jahre wegen finanzieller Schwierigkeiten aufgeben mussten, mit Honda, Yamaha, Kawasaki oder Suzuki mitgehalten.
Mit Liebe zum Detail haben Mike Naegele und sein Team aus Oberstenfeld die Ausstellung gestaltet. Wie bekommt man einen Outdoor-Sport ins Gebäude? Eine der Kernfragen beantwortet das Museum mit rund 4,5 Tonnen Dreck. Die hat der Bauhof angekarrt, um im rund 200 Quadratmeter großen Ausstellungsraum eine Rennstrecke zu modellieren. Den ausgelegten Tanzteppich haben Bühnenmaler mit Reifenspuren und Dreck-spritzern garniert. Mauersteine vermitteln Werkstatt-Atmosphäre. Auf Leinwand erzählt ein Film von erfolgreichen Jahren.
Junges Publikum
"Die Ausstellung ist sehr gelungen", finden denn auch Wilhelm Maisch, Sohn des Firmengründers und langjähriger Chef des Unternehmens, und sein ehemaliger Vizeweltmeister Willy Bauer. Natalie Scheerle-Walz vom Zweiradmuseum freut das sehr. Sie hofft, mit der Ausstellung ein jüngeres Publikum anzulocken.
Stimme.de