Heimreise auf Umwegen
Region Heilbronn - Viele Menschen aus der Region sitzen fest. Die Aschewolke aus dem isländischen Vulkan zwingt sie, ihren Urlaub zu verlängern.
>>Mitdiskutieren: Sind Sie auch von den Flugausfällen betroffen?
Region Heilbronn - Verena Mohnke sitzt fest. Eigentlich sollte die Bezirksbeirätin aus Heilbronn-Frankenbach heute Abend eine Ehrennadel für ihre Mitgliedschaft in der Stadtteilvertretung bekommen. Doch die Aschewolke aus dem isländischen Vulkan verlängert ihren Urlaub in Fuerteventura. So wie Verena Mohnke geht es vielen Menschen aus der Region.
Zum Beispiel Andrea Arpogaus aus Gemmingen und ihrer Kollegin Kerstin Köpl aus Gochsen am Flughafen von Venedig. Beide Frauen hatten ein paar schöne Tage in der Lagunenstadt verbracht und bereits ihr Gepäck aufgegeben, als ihr Flug annulliert wurde. Der Zugverkehr war völlig überlastet und kein Mietauto mehr verfügbar. Doch die Frauen hatten Glück im Unglück: Sie arbeiten für eine italienische Firma in Langenbrettach. Ihr Chef stellte ihnen für die Heimreise einen Firmenwagen zur Verfügung und schlug damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Dankbarer Nutzer der Rückfahrt war ein italienischer Kollege, der in Deutschland festsaß.
Humor nicht verloren
Auch Dr. Michael Sefkow aus Weinsberg kommt nicht weg, hat aber seinen Humor nicht verloren. "Ich bin in Dubai und komme nicht nach Hause. Alternativen wie Schiff, Bus oder Bahn gibt es nicht. Vielleicht nehme ich ein Kamel", schreibt er an stimme.de.
Ein spanisches Ehepaar hat sich am Wochenende statt zum Flughafen gleich mit dem Taxi nach Hause fahren lassen, berichtet die Mitarbeiterin der Leingartener Firma Schulz, die auf Flughafentransfers spezialisiert ist. Keine flugausfallbedingten Zusatzfahrten verzeichnet die Heilbronner Taxi-Ruf GmbH.
Sicher und bequem
Das Heilbronner Reisebüro Schäfer Touristik hat alle Hände voll damit zu tun, ihre 118 Kunden "so sicher und bequem wie möglich" wieder heim zu bringen, wie Mark Ungerathen sagt. Die Passagiere eines Mittelmeer-Kreuzfahrtschiffs holt beispielsweise ein Bus in Genua ab. Ungerathen und seine Mitarbeiter arbeiten ohne Pause durch, um die Gestrandeten ins Unterland zu lotsen. Das Schwierigste dabei: "Wir haben keine Informationen darüber, wann sich die Situation entkrampft." Ein Urteil über das Krisenmanagement maße er sich nicht an. "Denn eine Situation wie diese hatten wir noch nie."
Per E-Mail oder Handy steht Annette Urnauer in Kontakt mit 16 Kunden, die auf Mallorca, Fuerteventura, in Hongkong, Palermo, Südafrika, Ägypten oder den USA festsitzen. "Jeder ist in einem Hotel untergebracht", sagt Urnauer, Inhaberin des gleichnamigen Talheimer Reisebüros. Sie hat am Sonntag gearbeitet, um die Rückerstattungen abgesagter Reisen zu regeln. "Die Leute reagieren darauf verständnisvoll", ist ihre Erfahrung.
Gespannt ist sie, was passiert, wenn der Flugraum wieder frei gegeben wird: "Wer darf dann als Erster raus?" Auch beim Brackenheimer Reisebüro Leo Deigner stehen die Telefone nicht mehr still. "Die Leute sind sehr verunsichert", berichtet Touristik-Fachkraft Veronika Rickert. Sie ist permanent mit Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern im Gespräch, um Flüge umzubuchen, sich um die Nöte gestrandeter Urlauber zu kümmern. "Wir versuchen, kulante Regelungen zu finden."
Nicht erstattet
Kunden, die im Ausland festsitzen und jetzt ein Hotel brauchen, hat auch das Bad Friedrichshaller Reisebüro 33 Grad Celsius. "Man hängt die ganze Zeit am Telefon und kommt bei den Veranstaltern nicht durch", beschreibt Katharina Stern. Besonders ungünstig sei es für die Leute, die Hotel und Flug getrennt gebucht hätten und jetzt ihren Urlaub nicht antreten können. "Die bekommen die Kosten für das Hotel nicht erstattet."
Alles fährt Unterdessen setzt die Bahn ihren kompletten Fuhrpark auf die Gleise, um dem Ansturm Herr zu werden. "Alles, was Räder hat, rollt", sagt ein Bahnsprecher. Am Heilbronner Bahnhof war die Nachfrage "allerdings noch nicht so groß". Erste Auswirkungen der Flugausfälle sind im Kiosk spürbar. Internationale Tageszeitungen, etwa aus Griechenland, sind nicht mehr verfügbar.
Das Bild in der Unterländer Wirtschaft ist noch relativ entspannt. Bei der Neckarsulmer Bechtle AG hat das Flugverbot zu keinen Schwierigkeiten geführt. Ein Grund: Der Konzern betreut Kunden vornehmlich über seine Niederlassungen in ganz Deutschland. Geflogen wird eher selten. Ähnlich gelassen sieht die Firma Layher aus Güglingen das Flugverbot. Mitarbeiter seien keine gestrandet, so eine Sprecherin. mut/ub/wet/bif/dor/ck
Weitere Infos unter
- www.flughafen-stuttgart.de
- www.www.badenairpark.de (Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden)
- www.www.fly-away.de (Flughafen Friedrichshafen)
- www.strasbourg.aeroport.fr (Flughafen Straßburg)
- www.flughafen-frankfurt.de
Was denken Jugendliche über das Flugverbot?
Seit Tagen ist der Flugverkehr über Deutschland stark eingeschränkt: Die Jugendredaktion Stimmt! hat sich in der Heibronner Innenstadt umgehört, was Jugendliche über die Aschewolke denken. Mehr dazu auf stimmt.de
Flugausfälle: Stimme.de-Leser schildern ihre Erlebnisse
Marcus Zehender, Neckarbischofsheim
Ich arbeite in Heilbronn bei ThyssenKrupp Drauz Nothelfer und bin mit meinem Kollegen Jörg Nitzschner aus Lockweiler auf einer Geschäftsreise in Korea. Wir sitzen seit Samstag fest und versuchen alles, um nach Hause zu kommen. Da wir mit Asiana geflogen sind, stehen unsere Chancen aber leider nicht so gut, möglichst schnell nach Deutschland zu kommen. Wir hoffen auf einen alternativen Flug, ist aber schwierig.
Viele Grüße an unsere Familien und Arbeitskollegen und das ganze Stimme-Team. Wir versuchen das Beste aus unserer Situation zu machen. (20.04.2010)
Dr. Michael Saefkow, Weinsberg
Ich bin in Dubai und komme nicht nach Hause. Alternativen wie Schiff, Bus oder Bahn gibt es nicht. Muss halt warten bis es wieder geht. Vielleicht nehme ich auch ein Kamel. (19.04.2010)
Sind auch Sie von den Flugausfällen betroffen? Sind Sie auf andere Verkehrsmittel umgestiegen oder haben Sie ihre Reise abgesagt? Mailen Sie uns Ihr Erlebnis in die Redaktion.
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