Heilbronner Szene-Treff: Neuer Ärger nach Zwangsumzug

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Heilbronn - Seit zehn Tagen hat die Heilbronner Trinker- und Drogenszene mit dem Bleichinselplatz einem neuen Treffpunkt. Was die Stadtverwaltung als Alternative zum vorigen Standort am Eisstadion anpries, entpuppt sich in der Szene als Lösung zweiter Klasse.

Von unserem Redakteur Jürgen Kümmerle

Heilbronn - Seit zehn Tagen hat die Heilbronner Trinker- und Drogenszene mit dem Bleichinselplatz einem neuen Treffpunkt. Hinter der Halle des Rollschuhvereins hat die Stadt eine Grünfläche ausgewiesen und mit Holzhackschnitzel, einem Dixi-Klo und Sitzgelegenheiten ausgestattet.

Gaffer-Attacken

Was die Stadtverwaltung als Alternative zum vorigen Standort am Eisstadion anpries, entpuppt sich in der Szene als Lösung zweiter Klasse. "Wir kommen uns vor wie im Zoo", heißt es aus deren Reihen. Ursache sei die Mannheimer Straße, die nur wenige Meter dahinter vorbeiführt. Staut sich der Verkehr, gebe es regelrechte Gaffer-Attacken. Auch sollen Schaulustige aus ihren Autos heraus Fotos der Menschen geschossen haben. "Wir warten nur, bis es mal zum Unfall kommt", sagt eine Frau.

Nicht nur ein fehlender Sichtschutz sorgt für Unmut. Von Einzelnen aus einer Gruppe Spätaussiedler soll regelmäßig handfester Streit ausgehen. "Das ist einfach ein anderes Klientel. Die sind von Grund auf gewaltbereiter", sagt einer, der schon lange in der Szene ist. Einige denken bereits über einen Umzug zu ehemaligen Treffpunkten nach.

Reibereien

Der Polizei sind bislang keine gravierenden Vorkommnisse bekannt, sagt Harald Schumacher, Sprecher der Heilbronner Polizei. Szenetypische Reibereien habe es gegeben. "Der Bleichinselplatz wird aber gut angenommen." Nach wie vor werde der Bereich von Beamten überwacht. Generell sei es der Polizei lieber, wenn es einen zentralen Standort gebe.

Gewaltbereitschaft

Volker Bauer hat als Streetworker häufig Kontakt zur Szene. Der neue Platz habe eine hohe Akzeptanz erfahren, sagt er. Wegen eines fehlenden Sichtschutzes gebe es einige, die sich nicht wohlfühlen. Dass sich einzelne aus der Gruppe der Spätaussiedler als gewaltbereit hervortun, sei ihm nicht bekannt. "Generell nimmt mit erhöhtem Alkoholkonsum die Gewaltbereitschaft zu."

Auch Rouven Siegele, stellvertretender Leiter der Jugend- und Suchtberatung Heilbronn, meint, dass der Bleichinselplatz gut angenommen wurde. Er warnt vor erneuten Überlegungen, den Treffpunkt zu verlagern. "Besser ist, den jetzigen Standort zu optimieren."

Kein Zaun

Heilbronns Bürgermeister Harry Mergel ist mit der Lösung Bleichinselplatz zufrieden. "Bisher wird der neue Treffpunkt hinter der Rollsporthalle gut angenommen." Es habe sich gezeigt, dass der Platz weniger Stress- und Konfliktpotenzial biete. Einem Sichtschutz, wie von der Szene gefordert, erteilt er eine Absage. "Unser kommunaler Ordnungsdienst und Polizei haben das Geschehen im Blick." Eine weiter abgeschottete Szene könne nicht im Interesse der Öffentlichkeit sein.

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