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Untergruppenbach

Getrag ist jetzt Magna

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Seit Donnerstag weht vor der Untergruppenbacher Getrag-Zentrale die Magna-Fahne. Gehisst hat sie Don Walker persönlich, der Vorstandsvorsitzende des zweitgrößten Automobilzulieferers der Welt mit Hauptsitz in Kanada, zu dem der Getriebebauer seit Anfang Januar gehört.

Von unserem Redakteur Manfred Stockburger
Da packt der Konzernchef persönlich an: Don Walker hisst vor der Untergruppenbacher Getrag-Zentrale die Magna-Fahne. Jake Hirsch (Magna Powertrain) und Mihir Kotecha (Getrag, von links) schauen zu. Foto: Mario Berger
Da packt der Konzernchef persönlich an: Don Walker hisst vor der Untergruppenbacher Getrag-Zentrale die Magna-Fahne. Jake Hirsch (Magna Powertrain) und Mihir Kotecha (Getrag, von links) schauen zu. Foto: Mario Berger  Foto: Berger

Mit dieser erstaunlich unsentimentalen Zeremonie ist die Ära Familienunternehmen des vor 80 Jahren gegründeten Getriebebauers vorbei. Einmal kurz lächeln fürs Pressefoto, dann zieht es Walker, Getrag-Chef Mihir Kotecha und Jake Hirsch, der bei Magna den Bereich Antriebsstrang verantwortet, wieder zurück ins Warme. An die Arbeit: Der Integrationsprozess hat erst begonnen.

Die Mitarbeiterveranstaltung in Untergruppenbach, die per Satellit an die weltweit mehr als 30 000 Beschäftigten des Magna-Geschäftsbereichs Powertrain - zu deutsch Antriebsstrang - übertragen wurde, bildet nur den Auftakt. 1200 Menschen, darunter auch Abordnungen aus den anderen Standorten im Umfeld, verfolgen die Zeremonie in Untergruppenbach live. Und quittieren das Gehörte mit Beifall.

Gute Atmosphäre

Die wichtigsten Botschaften des Tages: In der dezentralen Struktur der Magna-Welt bleibt Untergruppenbach die Zentrale des Getriebegeschäfts. "Ich mag die Atmosphäre des Gebäudes", lobt Don Walker die Architektur der Getrag-Zentrale und wundert sich, dass dieses progressive Gebäude schon 16 Jahre alt ist. Erstaunlich locker und unkompliziert ist der Chef des neuen Mutterkonzerns der Untergruppenbacher, der immerhin ein Umsatzvolumen von 36 Milliarden US-Dollar verantwortet. Auch an der Marke Getrag wird nicht gerüttelt. Auf Mihir Kotechas neuer Visitenkarte stehen die Logos beider Firmen gleichberechtigt nebeneinander.


Nicht über Einschnitte beim Personal soll die Zusammenarbeit auch finanziell erfolgreich werden. "Es gibt da draußen einen großen Markt, den wir gemeinsam bedienen können", sagt Jake Hirsch, dessen Englisch seine schwäbische Herkunft nicht verleugnet. Außerdem erwartet er Synergien durch den gemeinsamen Einkauf. Selbst die Kompetenz aufzubauen, die Getrag hat, hätte lange gedauert sagt Hirsch. "So haben wir viel Zeit und Geld gespart."

Auch in Europa soll das Geschäft weiter wachsen. In die Werke soll nicht nur in Asien investiert werden, sondern punktuell auch in Europa. Gute Nachrichten sind das somit auch für den Produktionsstandort in Neuenstein.

Das Management soll nicht verändert werden: "Wir haben die Getrag-Leute kennengelernt und wollen weiter mit ihnen arbeiten", sagt Walker. Und Hirsch möchte der Getrag-Welt nicht seine Sicht aufdrängen - er setzt vielmehr auf Integrationsteams, die jeweils die bessere Lösung finden sollen. Auch die komplexe Unternehmensstruktur von Getrag mit den vielen Gemeinschaftsunternehmen soll jedenfalls vorerst bleiben.

Chancen

Der Zugang, den sich die Untergruppenbacher auf diese Weise in den chinesischen Markt geschaffen haben, war für Don Walker sogar ein wichtiger Grund für die Übernahme: Während Magna in Nordamerika die Nummer eins unter den Zulieferern ist und in Europa zu den größten gehört, haben die Kanadier in China noch Nachholbedarf beziehungsweise große Wachstumschancen, wie es Don Walker lieber formuliert.

Walker, Hirsch, Kotecha und auch Betriebsratschef Karl Weber lächeln fast um die Wette. "Nach allem, was wir kennen und auch nach den jetzigen Gesprächen schätzen wir die Übernahme nach wir vor positiv ein - jedenfalls was Untergruppenbach angeht", sagt Weber, der die direkte Art der Magna-Manager lobt. In einigen Werken werde es spätestens 2017 Beschäftigungsprobleme geben, wenn keine neuen Aufträge kommen. "Aber auch da gibt es schon Gespräche."

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