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Neuenstadt

Firma ABN geht im Schneider-Electric-Konzern auf

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Die Geschichte der ABN Braun AG als Familienunternehmen geht zu Ende. Der Standort und die Arbeitsplätze in der Region sollen aber bleiben.

Von unserem Redakteur Manfred Stockburger
Die Marke ABN bleibt auch in Zukunft erhalten.
Foto: Archiv/Berger
Die Marke ABN bleibt auch in Zukunft erhalten. Foto: Archiv/Berger  Foto: Berger

Der Hersteller von Schaltschränken und Installationsmaterial hatte seit dem Frühjahr versucht, durch ein Eigenverwaltungs-Insolvenzverfahren selbstständig aus der finanziellen Schieflage herauszukommen. Diese Rechnung ist nun nicht aufgegangen, stattdessen wird das Unternehmen mit allen verbliebenen rund 150 Beschäftigten Teil des französischen Konzerns Schneider Electric.

Verhandlungen

In intensiven Verhandlungen habe man sich auf eine Übernahme in beiderseitigem Interesse geeinigt, erklärt Helmuth Rauscher, der während des Insolvenzverfahrens den Familienvorständen Andreas und Marcus Braun als Restrukturierungsvorstand zur Seite gestellt war. Seine Kernbotschaft: Der Standort in Neuenstadt und alle Arbeitsplätze sollen erhalten werden. Mit einem langfristigen Mietvertrag bindet sich Schneider an das ABN-Stammhaus. Angedacht ist überdies, dass die Fabrik in der Nähe der Autobahnauffahrt Neuenstadt durch Schneider weiter ausgebaut werden soll.

Die neue Firma ABN soll innerhalb des Schneider-Konzerns eigenständig sein, betont Marcus Braun, der wie sein Bruder im neuen Managementteam mitarbeiten wird. "Wir sind erleichtert, dass wir unsere Mitarbeiter mit dieser positiven Nachricht in die Weihnachtsfeiertage schicken können."

Schneider Electric zählt mit einem Umsatz von rund 27 Milliarden Euro und 180 000 Mitarbeitern zu den ganz Großen der Branche und ist in mehr als 100 Ländern tätig. Verwaltungssitz der in Frankreich börsennotierten Firma ist in den USA, die Deutschland-Zentrale in Ratingen. Über die Tochterfirma Merten in Wiehl bei Gummersbach beliefert Schneider Electric den Elektrofachgroßhandel und das Elektrofachhandwerks - und zwar schon jetzt mit mehreren Marken. In Wiehl hat Schneider Electric in den vergangenen Jahren ein Kompetenzzentrum Innovation, Fertigung, Vertrieb und Kundenservice für Merten aufgebaut.

Sortiment

Alexander von Schweinitz, der bei Schneider Electric in Deutschland als Vice President für Installationssysteme verantwortlich ist, möchte das Unternehmen durch die ABN-Übernahme in Deutschland zum Komplettanbieter für Elektroinstallationslösungen machen. Über Deutschland hinaus ergänze das Sortiment der Neuenstadter die Kompetenzen des neuen Eigentümers im Niederspannungsbereich perfekt, lässt er verlauten.

Ziel für beide Seiten ist, dass das Absatzvolumen der ABN-Produkte künftig deutlich steigen soll - nach Einschätzung von Brancheninseitern waren die Abläufe im Vertrieb des Familienunternehmens bisher eine Schwäche. Auch in der neuen Konstellation sollen Vertriebsstandorte aber erhalten bleiben, betont Marcus Braun.

Für die Gläubiger sei in dem Verfahren das bestmögliche Ergebnis erzielt worden, sagt Braun-Berater Dr. Erik Silcher "Das konnte so zu Beginn des Sanierungsmandates nicht erwartet werden." Die Kartellbehörden müssen der übertragenden Sanierung noch zustimmen, Sachwalter Michael Pluta von der gleichnamigen Insolvenzkanzlei habe der Lösung sein Placet bereits gegeben, heißt es. Mit dem Vollzug der Übernahme rechnen die Beteiligte im ersten Quartal 2017.

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