Esa: Feuerkugel explodierte über der Schweiz

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Ein glühender Lichtpunkt am schwarzen Himmel - dieses Phänomen haben am Sonntagabend viele Bürger in der Region beobachtet.

Als großer, bunt glühender Ball war das Phänomen am Sonntag um 20.20 Uhr bei Ellhofen zu sehen. Leserfoto: Kathrin Zenginer

Als großer, bunt glühender Ball war das Phänomen am Sonntag um 20.40 Uhr bei Ellhofen zu sehen. Leserfoto: Kathrin Zenginer

 

 

Bei der am Nachthimmel entdeckten Feuerkugel hat es sich nach Einschätzung der Europäischen Weltraumagentur Esa um einen kleinen Asteroiden oder Meteoroiten gehandelt, der über der Schweiz explodierte. „Dort ist ein Knall wahrgenommen worden“, sagte am Montag Gerhard Drolshagen, der bei der Esa im niederländischen Noordwijk auf erdnahe Objekte spezialisiert ist.

Der Himmelskörper sei am Sonntagabend südwestlich von Stuttgart gesehen worden, der Flug sei etwa 20 Kilometer südöstlich von Zürich zu Ende gegangen. „Er ist also von Norden nach Süden gezogen.“ Die Größe dürfte zwischen minimal 30 Zentimeter und maximal ein Meter gelegen haben. Ob kleine Teile niedergegangen sind, sei allerdings unbekannt. Das Himmelsereignis war Sonntagabend beobachtet worden.

Meteoriten-Experte Dieter Heinlein von der Vereinigung der Sternfreunde in Heppenheim bestätigte: "Der Feuerball zog über den Bodensee und über die Schweiz".

Auch in der Region war die Erscheinung gegen 20.40 Uhr am Himmel zu erkennen, wie zahlreiche User auf der Facebookseite der Heilbronner Stimme berichteten. Beim Führungs- und Lagezentrum des Heilbronner Polizeipräsidiums riefen rund zehn besorgte Bürger an und meldeten den "Feuerball", wie die Polizei am Montagvormittag mitteilte. Auch mehrere Streifenbeamten haben das Phänomen am Himmel gesehen.

 

 

Kathrin Zenginer saß mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern im Auto. Sie waren auf dem auf dem Heimweg vom Krankenhaus, als sie den Lichtschweif entdeckten. Der Himmel habe sich royalblau eingefärbt. „Es war unfassbar schön. Als ob ein Feuerwehrauto mit eingeschaltetem Blaulicht hinter uns stehen würde. Nur viel heller.“ Schnell fotografierte sie den Lichtschweif mit ihrem Mobiltelefon und schickte das Foto an stimme.de.

Auch für Tochter Dilara (13) und Sohn Kerim (10) war es unfassbar. Die dachten gleich, es wäre ein Ufo“, sagt Zenginer. Die Kinder befürchteten, der leuchtende Ball könnte im Haus landen. Sie seien die ganze Nacht aufgebracht gewesen und hätten sich heute Morgen gleich als erstes nach dem Phänomen erkundigt.

„Der Meteor stammt vom Asteroidengürtel irgendwo zwischen Mars und Jupiter“, sagt Guido Thimm. Er ist wissenschaftlicher Geschäftsführer am Zentrum für Astronomie an der Universität in Heidelberg. Die Gesteinsbrocken seien seit mehreren Millionen Jahren unterwegs.

Mit einer Geschwindigkeit von mehreren 10.000 Stundenkilometern sei er auf die Erdatmosphäre geprallt. Thimm schätzt, dass der Himmelskörper nur wenige zentimeter groß gewesen sei. Rund 19 000 Meteoritenfälle mit Massen von mehr als 100g bis zu einem Kilogramm gebe es pro Jahr. In Deutschland seien es etwa 14 Fälle. Weltweit werden pro Jahr nur fünf Meteoritensichtungen gemeldet.

Bei Hansjürgen Köhler haben bis gestern Nachmittag 92 Menschen angerufen. Köhler betreibt das zentrale Forschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene in Mannheim. Warum so viele Menschen den Meteor beobachtet haben, habe einen einfachen Grund. „Der Himmel war klar und um 20.45 Uhr waren viele Menschen noch wach.“ Von Koblenz sei der Meteor über das Rhein-Main-Gebiet in Richtung Schwarzwald, Oberfranken, Bayern, Österreich bis in die Schweiz gesehen worden.

Schäden seien eher unwahrscheinlich, sagte Heinlein. Die einzelnen Teile des Himmelskörpers seien nicht besonders groß gewesen. Es habe auch keine große Druckwelle gegeben. „So ein Ereignis gibt es alle paar Jahre über Europa.“

Ein kleines Fragment soll laut Thimm auf dem Balkon eines Schweizers gelandet sein. „Solche Teile sind ganz schön viel Geld wert.“ Mehrere Tausend Euro würden Sammler für solche Fragmente bezahlen. Kein Wunder, bei der langen Anreise.

 

Twitter

Auch auf Twitter meldeten sich zahlreiche Augenzeugen, die den Feuerball gesehen haben:

 

 

 

 

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