Neckarsulm

Ersthelfer klagen über Schaulustige

   | 
Lesezeit  1 Min
Erfolgreich kopiert!

Beim schweren Verkehrsunfall auf der B27 in Neckarsulm in der Nacht auf Dienstag haben sich vor Eintreffen von Polizei und Feuerwehr kuriose Szenen abgespielt.

Von Adrian Hoffmann
Ersthelfer am Unglücksort (von links): Rinor Imeri, Justin Weih und Malin Bode.
Ersthelfer am Unglücksort (von links): Rinor Imeri, Justin Weih und Malin Bode.

Drei Ersthelfer berichten von Schaulustigen, die nichts besseres zu tun gehabt hätten, als "dumme Sprüche" zu machen und mit dem Smartphone zu filmen. Bei dem Unfall in der Nacht auf Dienstag wurden drei junge Männer schwer verletzt.

Malin Bode (18), Justin Weih (19) und Rinor Imeri (20) hatten den Unfall kommen sehen. Der Fahrer des 3er BMW hatte sie kurz zuvor überholt, mit deutlich mehr als 100 km/h. Dann sei das aus der Kurve ausgebrochen und habe sich zwei Mal überschlagen, berichtet Justin Weih, Mechatroniker aus Züttlingen. "Wir haben abgebremst und sind gleich hingerannt", sagt Rinor Imeri, Einzelhandelskaufmann aus Neuenstadt. "Wir haben die Tür des Beifahrer aufreißen müssen, die war total verzogen."

Der Fahrer sei noch bei Bewusstsein gewesen und konnte selbstständig aussteigen; er war wohl auch als einziger angeschnallt. Der Beifahrer dagegen sei bewusstlos gewesen. "Er war nicht ansprechbar. Wir haben ihn vom Auto weggetragen und in die stabile Seitenlage gelegt." Es stimme also nicht, dass die Feuerwehr die drei Personen befreit habe. 

Den auf der Rückbank liegenden Mann musste die Feuerwehr tatsächlich befreien, da hätten sie nichts machen gekonnt. "Der war eingeklemmt", schildert Rinor Imeri weiter. Er sei allerdings fassungslos gewesen, wie andere Leute an der Unfallstelle reagiert hätten. Es sei schon schwierig genug gewesen für ihn, da er auch im Schock gewesen sei. Es seien mehr als zehn Leute anwesend gewesen. Und er finde es unglaublich, dass ein Mann zu ihm meinte: "Den hinten könnt ihr liegen lassen, der ist sowieso tot."

Unfallfahrer angebrüllt

"Ich verstehe das nicht, da sind Leute schwer verletzt oder am Sterben", klagt auch Malin Bode (18), auszubildende Krankenschwester aus Ilsfeld. "Erstaunlich, dass kein Mensch richtig helfen wollte." Sie habe mehrmals darum gebeten, dass jemand einen Krankenwagen rufe - das habe sehr lange gedauert. Ein weiterer Hinzugekommener hätte erstmal den Fahrer angebrüllt, warum er so schnell fahre. "Das bringt in dieser Situation doch gar nichts", sagt Malin Bode.

Justin Weih berichtet, der verletzte Beifahrer sei auf dem Boden liegend zu Bewusstsein gekommen und habe nicht liegen bleiben wollen. Offenbar waren auch alle drei Unfallopfer betrunken, es habe sehr stark nach Alkohol gerochen. Er habe dem Beifahrer dann eine Isomatte geholt und unter ihn gelegt.

Weih: "Ich habe eine große Bitte an die Menschheit: Dass sie beim nächsten Mal hilft, anstatt zuzuschauen."

 


 

 

 

 

 

Nach oben  Nach oben