Ein Paradies für Näherinnen
Der erste deutsch-holländische Stoffmarkt in der Unterer Neckarstraße kam sehr gut an. Besonders das riesige Warenangebot überzeugte die Handarbeitsfans.

Die an Veranstaltungen nicht gerade arme Stadt Heilbronn dürfte am Wochenende eine weitere Bereicherung dazubekommen haben. Der erste deutsch-holländische Stoffmarkt kam bei den Besuchern aus der Region sehr gut an. Wer am Samstag die Menschenmassen sah, die sich zwischen 10 und 17 an den 93 Ständen in der Unteren Neckarstraße tummelten, konnte nur zu dem Schluss kommen: Nähen liegt voll im Trend.
Stoff, so weit das Auge reicht. Ob klassische Baumwolle, Tüll, Chiffon, Crepe-Satin, Polster-Stoffe oder Filz − das Angebot an Materialien, Farben und Mustern ist riesig. Dazu bieten die Händler die passenden Kurzwaren an: Knöpfe, Zwirne, Garne und Reißverschlüsse gibt es in allen denkbaren Varianten. Die fachkundige Beratung bekommt der interessierte Kunde meist noch dazu.
"Super", lautet das klare Urteil von Regina Zaiss. Die Dauercamperin am Breitenauer See ist extra mit ihrer Freundin Helga Falkenstein nach Heilbronn gekommen, um den Stoffmarkt zu besuchen. Und sie ist fündig geworden. "Ich habe mir Stoffe für zwei T-Shirts gekauft", freut sich die Hobby-Schneiderin über ihre Ausbeute.
Maß nehmen
Das trifft auf die Mehrheit der überwiegend weiblichen Kundschaft zu. Im Gegensatz zu vielen anderen Märkten wird beim Stoffmarkt nicht nur geschaut. Die nähbegeisterten Kundinnen sichten und prüfen die Stoffe in aller Ruhe, nehmen Maß, sprechen mit den Händlern − und kaufen. So wie Lisa Walter (21), die mit ihrer Freundin Julia Seehaus (22) über den Markt schlendert. Die Heilbronnerin ist begeisterte Näherin, sie hat eine selbstgemachte Tasche umhängen und ist gespannt auf das Angebot. Mit Blick auf das bunt gemischte Publikum mit sehr vielen jüngeren Besucherinnen bestätigt Lisa Walter den vorherrschenden Eindruck: "Nähen liegt im Trend."
Das sieht Frank Körner genauso. Der Marktleiter, selbst mit einem Stand vertreten, zeigt sich überrascht von der positiven Resonanz auf die Heilbronner Stoffmarkt-Premiere. "Der Andrang ist sehr groß, die ersten Besucher kamen schon morgens um 8.30 Uhr", berichtet Körner. Das Konzept des Marktes habe sich bewährt. "Wir veranstalten im Jahr 84 Märkte an 84 Tagen", sagt der Marktleiter. Er führt die Renaissance des Nähens auch darauf zurück, dass vor allem junge Leute heutzutage viel Wert auf kreative und individuelle Kleidung legen.

Lange vor dem Ende um 17 Uhr ziehen auch die Händler, die kaum zum Durchschnaufen kommen, ein positives Fazit. "Das ist ein interessiertes Publikum hier", lobt Esther Sendzik vom Nähmaschinenhersteller Elna die Heilbronner. Zustimmend nickt Jonas Senci, der als Geschäftsführer des Fachgeschäftes Langenfelder Nähmaschinen in der Lohtorstraße die Heilbronner Fahne hochhält. Denn die Aussteller kommen aus ganz Deutschland und aus Holland.
"Wir sind sehr zufrieden", sagt Stoffhändlerin Sonja Mann aus Gummersbach stellvertretend für ihre Kollegen. Der verregnete Auftakt sei kein Problem gewesen. "Wir sind für jedes Wetter gerüstet", sagt die erfahrene Händlerin "Das Interesse der Leute ist da, Wiederholung erwünscht", lautet ihr Fazit.

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