Heilbronn

Ehe schützt nicht vor Abschiebung

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Remzije Kerqeli aus Neckargartach ist sehr unglücklich mit ihrer Situation: Ihr Ehemann Alban Kerqeli soll zurück in den Kosovo abgeschoben werden. „Ich kann das nicht verstehen, wir haben doch hier in Heilbronn geheiratet“, sagt sie. „Schützt die Ehe nicht vor Abschiebung?“

Das Landratsamt stellt klar: Die Ehe schützt nicht vor Abschiebung. Alban Kerqeli (30) war 2015 ohne Visum eingereist und beantragte Asyl. Diesen Antrag zog er später zurück wegen der Eheschließung. Eine Aufenthaltsgenehmigung wurde ihm jetzt verweigert. Um diese zu bekommen, müsste er zurück in den Kosovo und mehrere Monate dort bleiben, bis ihm ein Visum erteilt wird. 

Anders sähe es aus, wenn sie, die im Fahrdienst einer Apotheke arbeitet, die deutsche Staatsbürgerschaft hätte. Remzije Kerqeli (35) empfindet das als große Ungerechtigkeit. Sie sei schließlich in Heilbronn geboren, im Gesundbrunnen; ihre Eltern leben seit mehr als 40 Jahren in Deutschland.

Mehr Schwäbin als Kosovarin

Die Staatsbürgerschaft habe sie nie beantragt, weil es nicht nötig gewesen sei. „Papierkram“, dachte sie früher. Hätte sie den deutschen Pass längst beantragt, hätte sie das Problem nicht – ihre unbefristete Aufenthaltsgenehmigung bringt für ihren Mann allerdings nichts. „Das kann es doch nicht sein“, klagt sie. „Ich bin mehr Schwäbin als Kosovarin.“

Stichwort Eigenverantwortung: Das will sie nicht sehen. Sie findet, die Behörde hätte sie darauf hinweisen können. Sie verstehe nicht, wieso ihr dann überhaupt die Heirat erlaubt wurde, sagt Remzije Kerqeli. Da seien ihr auch schon viele Fragen gestellt worden, auch in Richtung Scheinehe. „Ich verstehe ja, dass Fragen gestellt werden. Aber ich habe aus Liebe geheiratet“, sagt sie. Kennengelernt habe sie Alban schon vor seiner illegalen Einreise nach Deutschland; im Kosovo.

Es könne doch nicht von ihr verlangt werden, dass sie jetzt fast ein Jahr lang auf ihren Ehemann verzichten soll. Bis das Visum im Kosovo erteilt wäre, vergehe eine Ewigkeit. „Zum ersten Mal in meinem Leben fühle ich mich in Deutschland wie ein Ausländer“, sagt sie. Jetzt verstehe sie, was manche mit einer solchen Aussage meinten.

Alban Kerqeli ist derzeit mit drei anderen Flüchtlingen in einer Wohnung in Brackenheim-Dürrenzimmern gemeldet. Deshalb ist das Landratsamt zuständig und nicht die Stadt Heilbronn. Faktisch lebt er aber in Neckargartach bei seiner Frau, was er eigentlich nicht dürfte. „Das ist doch albern“, findet Remzije Kerqeli. „Wir sind verheiratet.“ Sie verstehe die Gesetzeslage nicht, weil Alban doch sowieso sein Visum bekommen werde – bloß dass er einen enormen Aufwand auf sich nehmen muss. „Geht es darum, uns zu ärgern?“, fragt sie genervt.

Verlust der Aufenthaltsgenehmigung 

Remzije Kerqeli ist verzweifelt. Sie hat immer wieder Tränen in den Augen. „Ich bin mit den Nerven am Ende.“ Sie könne nicht einfach mit ihrem Mann für so lange Zeit in den Kosovo reisen, weil sie hier einen Job habe. Außerdem verliere sie nach sechs Monaten ihre Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland. Ihr Mann ist gelernter Kfz-Mechaniker, darf aber derzeit nicht arbeiten. „Obwohl er will“, sagt seine Frau. „Das ist auch etwas, das ich einfach nicht verstehe.“ 

Um weitere Schwierigkeiten zu vermeiden, empfiehlt sich für Alban Kerqeli die freiwillige Ausreise. Wird er offiziell abgeschoben, droht ihm eine Wiedereinreisesperre. „Der Rechtsstaat pocht hier auf seinen Weg“, erklärt Hubert Waldenberger, Sprecher des Landratsamts. Die Trennung von der Ehefrau werde in solchen Fällen „als zumutbar angesehen“. Es handle sich hier nicht um einen Einzelfall, es sei auch keine Härte gegeben – das Paar habe keine Kleinkinder. Waldenberger: „Und man muss ja sehen, der Mann hat sich ins Unrecht gesetzt.“

 

 

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