Die Pegel sinken seit Sonntagnachmittag
Region - Seit Sonntagnachmittag sinken die Pegelstände am Neckar, die Höchststände wurden circa um 15 Uhr erreicht. In Lauffen und Gundelsheim wurden Werte weit über dem Hochwassermeldestand erreicht. Die Feuerwehren waren teilweise im Dauereinsatz.
Region - "Das Hochwasser hat größere Ausmaße angenommen, als erwartet", sagt Heiner Schiefer, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Lauffen. "Wir sind ständig im Einsatz." Nachdem der Pegel des Neckars in Lauffen im Laufe des gestrigen Samstag von 5,40 Meter auf 5,10 Meter zurückgegangen ist, stieg er am Sonntag auf den Höchstwert von 6,10 Meter an. Aktuell sinkt der Pegel wieder.
Die Feuerwehr verteilte Sandsäcke und Pumpen. Drei Autos mussten aus dem Überschwemmungsgebiet abgeschleppt werden, darunter ein Mercedes, der in eine überflutete Straße gefahren ist. Die Kiesstraße war bereits am Samstag unter Wasser gesetzt. Die Freiwillige Feuerwehr Lauffen ist seit Freitagabend 23 Uhr in Hochwasserbereitschaft. In Lauffen sind auch nach Informationen der Polizei Heilbronn die meisten Keller vollgelaufen.
Auch in Gundelsheim wurde am Sonntag der Höchststand erreicht - 7,70 Meter wurden gemessen. "Das ganze Gebiet hat es heftig erwischt", sagt Werner Schulz, Hydrologe der Hochwasser-Vorhersagezentrale Baden-Württemberg (HVZ).
Vor allem heftige Regenfälle in der Schwäbischen Alb sind für den Anstieg in der Nacht zum Sonntag verantwortlich gewesen, sagt Schulz. Dort sei das Hochwasser noch weitaus schlimmer als in der Region Heilbronn-Franken.
An oberen Neckar und einigen südlichen Zuflüssen (Eyach, Starzel) entwickelte sich laut HVZ ein Hochwasser mit einer Jährlichkeit von 50 bis 100 Jahren, am mittleren und unteren Neckar hat das Hochwasser etwa die Größenordnung eines 10- bis 20-jährlichen Ereignisses erreicht.
Die HVZ rechnet am Sonntag in den Abendstunden mit einem starken Abfall der Pegelstände in der Region. Vor weiterem Starkregen warnt der Deutsche Wetterdienst nicht mehr.
Neckar mindestens eine Woche für Schiffe gesperrt
Bereits am Freitag hat Dauerregen den Neckar so stark anschwellen lassen, dass der Schiffsverkehr eingestellt werden musste. Vor allem im Landkreis Ludwigsburg sind an Wehranlagen so starke Schäden entstanden, dass nach derzeitigen Schätzungen von Walter Braun, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamts Stuttgart, 8 bis 14 Tage keine Schiffe auf dem Neckar fahren können.
In Pleidelsheim kämpfen die ehrenamtlichen Helfer seit Freitagabend, einen Dammbruch zu verhindern. "Der droht immer noch zu brechen", sagt Braun. Am Wehr in Lauffen sind trotz des starken Hochwassers noch keine Störungen aufgetreten.
In Obereisesheim stehen seit Samstag das Sportzentrum Happy Match und das Freibad unter Wasser. Die Feuerwehr war den ganzen Tag im Einsatz (zum Artikel). Seit Sonntagnacht sind die Internet-, Kabel- und Telefonanschlüsse der Firma KabelBW von einer Störung betroffen.
Im Schozachtal ist die Situation offenbar weniger angespannt. "Die Rückhaltebecken, die entlang der Schozach errichtet wurden, haben sich bewährt", sagt Steffen Heber, Kommandant der Ilsfelder Feuerwehr. Gemeinsam mit dem Bürgermeisteramt beobachtet die Ilsfelder Wehr die Situation. Zu einem Einsatz musste sie noch nicht ausrücken.
Auch im Leintal ist das Hochwasser glimpflich verlaufen. "Die Hochwasserschutzmaßnahmen haben viel bewirkt", sagt Volker Lang, Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbands.
Gesperrte Straßen
Laut Polizei Heilbronn sind folgende Straßen sind derzeit noch gesperrt.
- Landesstraße 1101 zwischen Neckarsulm und Obereisesheim
- Landesstraße 1100 bei Neckarsulm-Obereisesheim
- Landesstraße 528 zwischen Heinsheim und Gundelsheim
- Landesstraße 1045 zwischen Brettach und Kochersteinsfeld
- Landesstraße 1105 zwischen Nordheim und Lauffen
- Landesstraße 720, Ortsdurchfahrt Kochertürn
- Landesstraße 1103 (Kiesstraße) in Lauffen
- Eisenbahnunterführungen Gundelsheim, Mühlstraße und Neckarstraße
- Felix-Wankel-Straße in Neckarsulm
- Kranenstraße in Heilbronn
Überflutete und gesperrte Straßen in der Region auf einer größeren Karte anzeigen
Hohenlohe: Pegelstände sinken
Auch im Hohenlohekreis ist die Hochwassersituation angespannt, aber die Pegelstände sind in der Nacht bereits gesunken. In Stein beträgt der Stand derzeit 4,19 Meter, der Pegel soll heute noch auf 3 Meter fallen, so die Prognosen der HVZ.
In Kocherstetten steht das Wasser derzeit etwa bei 2,20 Meter, der Höchststand lag am Samstag etwa bei 2,70 Meter. Auch die Jagst hatte am Samstag an vielen Stellen den Hochwasserstand von über 2,50 Meter erreicht. Der Hochwasser-Meldewert liegt bei 2,20 Meter. „Das ist ein Hochwaser, wie es im langjährigen Mittel alle zwei Jahre vorkommt", sagte Rüdiger Friese, Hydrologe der Hochwasser-Vorhersage-Zentrale Baden-Württemberg in Karlsruhe.
Im Bereich der Ingelfinger Brücke hatte sich der sonst eher gemächlich fließende Kocher in einen reißenden Fluss verwandelt.

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