Deutsche Post lässt Briefe sonntags liegen
Wer seine Postsendung in einen Briefkasten mit Sonntagsabholung einwirft, dessen Brief kommt nicht unbedingt früher an. Denn Sendungen vom Wochenende werden erst am Montag sortiert und frühestens dienstags zugestellt.

Die Deutsche Post lässt Briefsendungen am Sonntag unbearbeitet liegen. Das haben Recherchen der Heilbronner Stimme ergeben. Ein Stapel Testbriefe war auf den Weg gebracht worden und kein einziger ist am Sonntag bearbeitet worden. Die Post behauptet, die Sendungen an Sonntagen ordnungsgemäß zu verarbeiten.
Wer am Samstag im Laufe des Tages einen Brief einwirft, kann sich einen Briefkasten suchen, der extra mit einem roten Punkt gekennzeichnet ist. Dieser rote Punkt signalisiert: Dieser Briefkasten wird auch am Sonntag geleert. In Heilbronn allerdings können sich Versender die Anfahrt am Wochenende sparen, denn die Post lässt die Sendungen einfach liegen.
Die Stimme hat zunächst einzelne Briefe an Wochenenden abgeschickt, viele davon als Einschreiben und somit nachvollziehbar. Kein einziger Brief tauchte bis Sonntagabend in der Sendungsverfolgung auf. Am vergangenen Wochenende wurden deshalb drei Briefkästen mit Sonntagsleerung in Heilbronn bestückt: an der Filiale am Bahnhof, an der Gymnasiumstraße und an der Sontheimer Landwehr. Die Sendungen gingen an Adressen in Heilbronn, Weinsberg und an Empfänger im benachbarten Briefzentrum 75 bei Pforzheim. Das Ergebnis ist eindeutig: Alle Briefe kamen erst am Dienstag an.
Poststempel
Und noch etwas lässt sich auf den Umschlägen ablesen. Die Briefsendungen wurden nicht etwa am Sonntag bearbeitet und dann verspätet zugestellt. Die Poststempel zeigen eindeutig, dass die Sendungen erst am Montagabend abgestempelt und folglich auch da in die Sortierung eingereiht wurden.
Das steht im Gegensatz zur Erklärung von Postsprecher Hugo Gimber, der auf Stimme-Nachfrage schriftlich mitteilte, dass Briefe, die am Wochenende in Heilbronn eingesammelt werden, am Sonntag im Briefzentrum Stuttgart auch bearbeitet würden. Diese Regelung gebe es schon länger, da es sich nicht lohne, am Wochenende alle Briefzentren zu betreiben. Er verweist auf die Möglichkeit, dass Sendungen nicht rechtzeitig im Briefkasten gewesen sein könnten. Da die Testbriefe aber aber am Samstagabend für die Leerung am Sonntagmorgen eingeworfen wurden, scheidet diese Möglichkeit aus.
Vorgaben
Die Bundesnetzagentur, die als Regulierungsbehörde auch die Aufsicht über die Post hat, und deren geplante Preiserhöhung für Standardsendungen um 8 Cent auf 70 Cent genehmigen muss, verweist darauf, dass sich Kunden entsprechend beschweren könnten und diesen Beschwerden nachgegangen würde. Welche Leistungen die Deutsche Post anbieten muss, regelt die Post-Universaldienstleistungsverordnung. Diese schreibt die Anzahl der Filialen vor (12.000) ebenso wie die Zahl der Briefkästen. So sollen Kunden im Umkreis von einem Kilometer einen Briefkasten finden und diese müssen jeden Werktag geleert werden. An Sonn- und Feiertagen müssen Briefkästen nach Bedarf geleert werden. Konkret heißt es in der Verordnung, dass im Jahresschnitt 80 Prozent der Briefsendungen den Empfänger am nächsten Tag erreichen müssen, 95 Prozent am zweiten Tag nach der Einlieferung. Im Gegenzug für den flächendeckenden, universellen Service muss die Post für ihre Dienstleistungen im Privatkundenbereich keine Umsatzsteuer abführen.
Die Rechnung indes ist einfach: Die in Heilbronn liegengelassenen Briefe drücken den bundesweiten Schnitt nicht unter die vom Gesetzgeber geforderten 80 Prozent.
Stimme.de