Der ewige Ärger um das Autokennzeichen
KÜN - Kraftfahrer übt noch, sagen die einen. Hohle Nuss für HN, blaffen die anderen zurück. Der Streit um das Autokennzeichen ist fast so alt wie das Nummernschild selbst und nicht erst mit der Diskussion um ÖHR aufgekommen.

Autofahrer, die drei Buchstaben auf dem Autokennzeichen haben, können nicht fahren. Auch das hört man oft.
"Das ist ein bundesweites Phänomen", sagt Ulrich Chiellino, Verkehrspsychologe beim ADAC. Diese Vorurteile hielten sich zudem über Generationen hinweg. Dass Autofahrer mit Heilbronner oder Künzelsauer aber tatsächlich unterschiedlich gut oder schlecht Auto fahren, bezweifelt Chiellino. "Man sucht aber immer nach Bestätigung und sucht das, was man sehen will." Daher funktionieren Stereotype wie diese auch besonders gut in der jeweiligen Nachbarregion, schließlich sehe man diese Kennzeichen häufig genug.
Städter seien von Vorurteilen nicht so häufig betroffen. Ihnen unterstellt man, gewiefter im Stadtverkehr zu sein, sagt Chiellino. Zudem erlauben längere Buchstabenkombinationen einprägendere Eselsbrücken. "Das ist aber häufig mit einem Schmunzler gemeint", stellt der Verkehrspsychologe fest.
Das sieht auch Lutz Stegmüller, der erste Vorsitzende des Motorsportclubs Heilbronn so. "Das sagt man aus Jux und Dollerei." Früher, erinnert sich Stegmüller, seien die Vorurteile dagegen weiter verbreitet gewesen. Das habe sich mittlerweile geändert und man arrangiere sich im Straßenverkehr.
Aktueller denn je ist dagegen die Einführung der Altkennzeichen, zum Beispiel ÖHR in Öhringen. Diese wurden mit der Kreisreform 1973 abgeschafft. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes fielen so 29 Altkennzeichen in Baden-Württemberg weg. Seit einer Gesetzesänderung 2012 dürfen diese wieder eingeführt werden. Viele Autofahrer verbänden damit nostalgische Erinnerung und eine Identifikation mit der eigenen Region. "Für manche ist es wichtig, dass sie zeigen können, wo sie herkommen", sagt Chiellino. Durch die Kreisreform gebe es zudem häufig Rivalitäten zwischen Ortschaften, die in einen Landkreis zusammengefasst wurden. Ganz so wie es auch in Öhringen und Künzelsau der Fall war. Im Landratsamt des Hohenlohekreises hält man jedoch am Kennzeichen KÜN fest. Das Kennzeichen biete eine Identifikation mit dem Hohenlohekreis", sagt Pressesprecherin Isabel Zügel.
Strenge Regeln
Bestimmte Personengruppen drücken durch das Nummernschild nicht ihre Identifikation zu einer Region sondern zu einer Gemeinschaft oder gruppe aus. Doch hier gelten strenge Regeln, erklärt Julia Pieper vom baden-württembergischen Verkehrsministerium. Kennzeichen wie KZ, SA, SS, HJ und NS, die an die zeit des Nationalsozialistismus erinnern, dürfen nicht vergeben werden.
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