Das war der Hammer
Eine Ausstellung im Schnapsmuseum erinnert an eine illustre Firmengeschichte: Hammer stellte Weinbrand her.

Weinbrand von Hammer, der war in aller Munde. Bei weitem nicht nur der Kenner in Württemberg hob sein Glas und hatte dabei den kecken Werbespruch auf den Lippen: "Wieviel schöner ist das Leben, wenn wir einen Hammer heben." Jedes Kind kannte den Reim - zumindest aber die Kurzversion. Die zierte in den 1960er Jahren sogar Doppeldeckerbusse in West-Berlin, bog sozusagen um jede Straßenecke.
Im Kirchhöfle stand die erste Destille. Max Landauer, ein Kaufmannssohn aus dem Hohenlohischen, gründete hier 1861 eine "Brantwein-Brennerei und Likör-Fabrik", die so erfolgreich war, dass sie aussiedeln musste. In der Karlstraße, auf dem Gelände des früheren Karmeliterklosters, baute Max Landauer 1876 eine neue Dampfbrennerei.

Unter dem Namen Hammer schrieb sie ab 1894 Erfolgsgeschichte. Das Firmenzeichen schmückte die Etiketten und bald baumelte um jeden Flaschenhals ein Miniaturhammer. Die Spirituosenfabrik aus Heilbronn führte als eine der ersten Firmen überhaupt ein eingetragenes Warenzeichen. Mit dem Hammer wollte sie, so überlegt Kurt Sartorius vom Schnapsmuseum in Bönnigheim, wohl der französischen Cognac-Destille Marteau (auf Deutsch: Hammer) Konkurrenz machen.
Unvergessen sind heute noch viele der Hammer-Produkte: Der Noisettes war der erste Schokonusslikör in Deutschland und galt als etwas besonders Leckeres: "Wie dieser köstliche Geschmack in den wasserhellen Noisettes hineindestilliert wurde?", fragte die Werbung den Genießer und versagte ihm die Antwort: "Ja, das ist das Geheimnis der Hammer-Brennerei Landauer & Macholl Heilbronn." Analog zu Klosterfrau-Melissengeist kam aus Heilbronn ein Karmelitergeist. Auch Danziger Goldwasser gab es - made in Heilbronn.

Kurt Sartorius gibt jetzt mit einer Ausstellung Einblick in die illustre Firmengeschichte. Von Emil Stückle aus Roigheim, ab 1952 Generalvertreter der Firma in Berlin, hat er eine wundervolle Sammlung übernommen: Fotos, Aschenbecher, Bleistifte mit "Hämmerchen", zahllose, oft noch volle Flaschen, Gläser, Werbeuhr, Emailleschilder - vor allem für ehemalige Hammer-Mitarbeiter ist der Fundus gespickt mit Erinnerungen. Führungen fördern jedes Mal aufs Neue Anekdoten zutage.
200 Mitarbeiter und 166 Handelsvertreter hatte die Firma, als 1961 das 100-jährige Bestehen gefeiert wurde. Pro Tag wurden bis zu acht Eisenbahnwaggons à 20.000 Liter Wein zu Weinbrand verarbeitet. Das Jubiläum feierte man mit Konzert in der Harmonie und Festversammlung im Lichtspieltheater Metropol. Fritz Landauer, der Enkel des Firmengründers, bekam das Bundesverdienstkreuz. Dass er 1940 enteignet worden war, wurde kaum erwähnt. Weit wichtiger schienen Wiederaufbau und die neue Blüte der Firma, die 1944 zerstört worden war. Alkoholsteuer, verändertes Konsumverhalten, auch der hohe Preis der Hammer-Produkte brachten 1981 das Ende der Spirituosenfabrik. 1982 wurde sie abgerissen.


Stimme.de