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Das Geschenk war ein neues Leben

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Peter Rode aus Beilstein hat sich für Europäische Meisterschaft der Transplantierten in Helsinki qualifiziert.

Peter Rode in seinem Deutschland-Trikot beim Training am Beilsteiner Sportplatz: Kugelstoßen gehört zu seinen Disziplinen.. Bei der Deutschland-EM haben ihm drei Zentimeter zum Sieger gefehlt. Foto: Mario Berger
Peter Rode in seinem Deutschland-Trikot beim Training am Beilsteiner Sportplatz: Kugelstoßen gehört zu seinen Disziplinen.. Bei der Deutschland-EM haben ihm drei Zentimeter zum Sieger gefehlt. Foto: Mario Berger

Man  muss auf seine Gesundheit achten“, sagt Peter Rode aus Beilstein. Solche Sätze hört man öfter. Doch wenn das ein Mensch sagt, der seit zwei Jahren mit einer transplantierten Leber lebt, hat es nochmal eine andere Qualität. Der 62-jährige Rode vom gleichnamigen Reisebüro wiederholt seine Botschaften regelmäßig, betreibt am Beispiel seiner Erkrankung Öffentlichkeitsarbeit. Er richtet sich an diejenigen, die gesund sind. Dass sie bei ihrer Lebenseinstellung auf sich achten: Sport treiben, an die frische Luft gehen, sich gut ernähren.

„Manchmal sind Menschen ein bisschen faul, aber man kann unheimlich viel selbst tun“, sagt Rode. „Das Leben ist es absolut wert.“ Auch kranke Menschen können viel für sich tun, sagt Rode. Er kennt Transplantierte, die nach ihrer Operation in der Wohnung sitzen, sich gehen lassen und keinen Sport treiben. „Von denen hörst du nichts mehr, und dann werden sie unter Umständen wieder krank“, sagt der Beilsteiner, der selbst einen offensiven Umgang mit seiner Krankheit vertritt. Und drittens appelliert Rode an alle Menschen, sich einen Organspenderausweis zuzulegen. Obwohl er selbst, so ehrlich ist er, auch keinen hatte.

Glück gehabt

„Auf dieses Geschenk, das ich bekommen habe, muss ich aufpassen“, sagt Rode. Ohne den Spender, dessen Leber Rode am 14. Januar 2014 erhielt, wäre der Mann, der gerne lacht, nicht mehr am Leben. Die Bilder, die Rode zeigt, kurz vor der großen Operation in der Universitätsklinik Tübingen, zeigen einen anderen Menschen. Seine Chancen auf diese Leber waren nicht groß. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 846 Lebertransplantationen postmortal vorgenommen – und 45 nach einer sogenannten Lebendspende, während 1308 Patienten neu zur Transplantation angemeldet wurden. Manche Patienten sind zu krank, andere erreicht das Organ nicht mehr rechtzeitig.

Auch bei Peter Rode, der eine Leberzirrhose hatte, war es äußerst knapp. Zum Schluss blieben ihm drei Monate. Die Wahrscheinlichkeit, dass er diese paar Wochen überleben würde, lag bei 60 Prozent. „Ich habe mir überlegt, ob ich Spanier werde“, frotzelt Rode und spielt darauf an, dass dort die Bereitschaft, ein Organ zu spenden, deutlich höher als in Deutschland ist. Doch Rode glaubte, dass es gut ausgehen würde und so kam es auch.

„Ich bin ein glücklicher Mensch, dem ein Leben geschenkt wurde. Ich sage mir jeden Morgen, heute wird der schönste Tag.“ Anonym hat er sich bei der Spenderfamilie bedankt. Gefühle grätschen in den Spagat: Dass sein glücklichster Tag deren schrecklichster war, treibt ihm Tränen in die Augen.

Sportlicher Einsatz

Es ist ihm ernst, regelmäßig Sport zu treiben, sich mit anderen Transplantierten zu messen. Bei der Deutschen Meisterschaft für Transplantierte & Dialysepatienten im Mai in Bremen war der Beilsteiner unter 140 Teilnehmern. Schwimmen, Kugelstoßen und Golfen: Das waren seine Disziplinen, er kam zurück mit dreimal Gold und einmal Silber. Seinen Titel im Golfen hat er verteidigt, und er hat sich qualifiziert für die Europäische Meisterschaft der Transplantierten in Finnland. 44 Teilnehmer gehören zum deutschen Team. Unter den Transplantierten-Sportlern gibt es „richtige Cracks und normale Menschen, wie du und ich“. Mit Ehrgeiz im Gepäck reist Rode nach Finnland: „Golf, das wird richtig schwierig.“

 

Informationen

Das Aktionsbündnis Organspende Baden-Württemberg hat vom 8. bis 19. Juni bei der Landesgartenschau in Öhringen Aktionstage im Treffpunkt Baden-Württemberg (Hoftheater). Dort gibt es Infos zum Thema Organspende, Betroffene stehen Rede und Antwort. Jutta Riemer, Vorsitzende des Vereins Lebertransplantierte Deutschland aus Bretzfeld, bietet am Donnerstag, 16. Juni, von 14 bis 16 Uhr eine spezielle Veranstaltung für Schüler oder auch andere Gruppen an. Lehrer, die mit den Schülern kommen wollen, können sich dafür per E-Mail jutta.riemer@lebertransplantation.de anmelden oder unter Telefon 07946 940187. Ang

 

 

 
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