Heilbronn
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Bei Knorr kochen die Emotionen hoch

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Die Knorr-Belegschaft protestiert gegen die geplante Verlagerung der Entwicklungsabteilung. Gibt es noch Hoffnung?

Von unserem Redakteur Manfred Stockburger und Henrike Mielke
Der Schock steht den Mitarbeitern des Heilbronner Knorr-Standorts ins Gesicht geschrieben. Bei der Betriebsversammlung demonstrieren sie den Zusammenhalt über die drei Sparten des Standorts hinweg.
Fotos: Guido Sawatzki
Der Schock steht den Mitarbeitern des Heilbronner Knorr-Standorts ins Gesicht geschrieben. Bei der Betriebsversammlung demonstrieren sie den Zusammenhalt über die drei Sparten des Standorts hinweg. Fotos: Guido Sawatzki

Eigentlich reicht ein Blick in die Gesichter der Heilbronner Knorrianer bei der Protest-Betriebsversammlung am Tor 3, um den Ernst der Lage zu ermessen. Vom Monteur bis zum Manager: Die Mundwinkel zeigen tief nach unten, denn die Verlagerung der Entwicklungsabteilung nach Holland, die der Unilever-Konzern vergangene Woche angekündigt hat, wäre ein schwerer Schlag für den Standort.

Es geht um 220 hochqualifizierte Arbeitsplätze und, wie Oberbürgermeister Harry Mergel es in seiner Rede formuliert, "das Gehirn des Standorts". Wie viele Heilbronner ist auch Mergel Teil der erweiterten Knorr-Familie: Sein Onkel habe viele Jahrzehnte in dem Werk gearbeitet, erzählt er. "Knorr gehört zu Heilbronn wie der Neckar und das Käthchen." DGB-Kreis-Chefin Silke Ortwein bekennt sich dazu, dass sie mit Erbswurstsuppe aufgewachsen ist.

Ängste in der Belegschaft

Mergels ungutes Gefühl, dass diese Verlagerung nur der erste Schritt sein könnte, spiegelt sich in der Belegschaft: "Wenn die Entwicklungsabteilung erst weg ist und dann schlussendlich nur noch die Produktion übrig bleibt, liegt die Vermutung nahe, dass dann auch der Produktionsbereich verkauft wird", sagt ein Mitarbeiter, der schon seit 40 Jahren in der Produktion beschäftigt ist.

Auch ein Kollege aus dem Lager befürchtet einen Stellenabbau in anderen Abteilungen. "Meiner Meinung nach hängt alles zusammen", sagt er. "Der Abzug der Entwicklungsabteilung ist, als ob man einer Mutter das Kind wegnimmt", sagt er. Und: "Das Management sägt am eigenen Stuhl." Ein Mechaniker aus der Produktion macht sich zwar noch keine Sorgen um seinen Arbeitsplatz, ist aber überzeugt, dass es mit der nächsten Abteilung gleich weitergeht, wenn die erste erst abgezogen ist: "Dass man im Ausland günstiger produzieren kann, ist ja bekannt."

Zusammenhalt

Diese Gefahr treibt auch die Arbeitnehmervertreter um. "Wir sind ein Standort. Wir halten zusammen", sagt Uwe Hildebrand, der Landesbezirkschef der Gewerkschaft Nahrung Genuss NGG und bekommt lauten Beifall. "Wir werden uns das nicht gefallen lassen und kämpfen um jeden einzelnen Arbeitsplatz." Hildebrand verweist zudem auf den laufenden Standortsicherungsvertrag, nach dem die Pläne gar nicht möglich sind. "Das stärkt unsere Position." Ohnehin sei es sinnvoll, die Forschung an ein Werk zu koppeln: "Das macht auch Nestlé so."

Betriebsratschef Thilo Fischer schwört die Mannschaft auf Kampf ein. Foto:
Betriebsratschef Thilo Fischer schwört die Mannschaft auf Kampf ein. Foto:  Foto: Sawatzki, Guido

Betriebsratschef Thilo Fischer ist es wichtig, mit der Protestversammlung "ein Signal an die Entscheider in Rotterdam" zu senden, auch wenn er weiß, das "mit Sozialromantik nichts zu gewinnen" ist. Seine Botschaft ist auf alle Fälle angekommen - mit John Verbakel hört sich bei der Protestversammmlung ein hochrangiger Vertreter des Unilever-Managements die Reden an.

Nicht nur wegen der Auswirkungen auf die Belegschaft kritisiert Thilo Fischer die aus seiner Sicht völlig falsche unternehmerische Entscheidung. "Wir treiben dadurch der Konkurrenz unsere Fachkräfte in die Arme", sagt er unter anderem unter Verweis auf die Neckarsulmer Lidl-Zentrale: Der Händler dürfte an den Entwicklern großes Interesse haben, um die Qualität seiner Eigenmarken zu verbessern.

 
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