Bald Hagelflieger über der Region?
Seit schwere Hagelschauer teilweise Millionenschäden verursacht haben, klingelt bei der Initiative Hagelabwehr im Rems-Murr-Kreis immer häufiger das Telefon. Auch Winzer im Landkreis Heilbronn denken über Hagelschutz aus der Luft nach.
Bei Gewittern wie in den vergangenen Tagen bekommt Uwe Schöttle oft ein mulmiges Gefühl. „Man hat Bauchweh“, sagt der Geschäftsführer der Lauffener Weingärtner eG. Denn ein Hagelschauer könnte in den Weinbergen ganze Ernten zerstören.
Deshalb überlegen die Winzergenossenschaften (WG) aus Lauffen und Stromberg-Zabergäu seit einiger Zeit, sich den Hagelfliegern aus dem Rems-Murr-Kreis anzuschließen. „Erste Gespräche dazu sind gelaufen“, bestätigt Georg Enssle, der Geschäftsführer der Initiative Hagelabwehr.
Silberiodid soll Hagelbildung bremsen
Im Rems-Murr-Kreis sind seit 33 Jahren Hagelflieger unterwegs. Zwei Flugzeuge lassen bei Gewitterwarnungen Rauchgas mit Silberiodid in die Wolken aufsteigen. So soll sich in vielen Fällen erst gar kein Hagel bilden, große Hagelkörner sollen kleiner werden.
Die Piloten arbeiten bei ihren Einsätzen mit einem Wetter-Institut in Karlsruhe zusammen, das die Wolken per Radar nach Eiskristallen absucht. Gefährlich sei das Silberiodid nicht, sagt Geschäftsführer Enssle. „Das ist unbedenklich.“
Das Allerschlimmste verhindern
Ab 2014 wollen auch Winzer im Landkreis Heilbronn zur sogenannten Hagelabwehrzone dazugehören. Andere Regionen hätten damit gute Erfahrungen gemacht, findet Landrat Johannes Fuchs. „Man kann offensichtlich mit einem sehr vertretbaren Aufwand schlimmere Hagelunwetter in Starkregen umwandeln“, sagt auch Uwe Schöttle. „Das wäre ja schon hilfreich, wenn so das Allerschlimmste verhindert wäre.“
Der Hagelschutz aus der Luft soll so die Ernten in den Weinbergen sichern „und unsere Lieferfähigkeit“, sagt Ulrich Maile, Vorstandsvorsitzender der Lauffener Weingärtner eG.
Weiteres Flugzeug wäre nötig
Die Lauffener Weingärtner gehören sogar schon teilweise zum Gebiet der Hagelflieger. 2012 haben sie mit der WG Mundelsheim fusioniert, die schon länger von den Hagelfliegern betreut wird. Jetzt soll der Schutz auch in den Landkreis Heilbronn auf Lauffener Gemarkung erweitert werden, wenn es nach den Lauffenern geht. „Wir wollen uns im Herbst mit unseren Winzern zusammensetzen“, sagt Ulrich Maile.
Auch ein Vertreter der Weingärtner Stromberg-Zabergäu eG war bei einem ersten Gespräch dabei. Rainer Lang, Vorstandsvorsitzender der Zabergäuer, will aber jetzt erst mehr Infos einholen und das dann im Herbst mit den Winzern besprechen.
Finanzierung noch unklar
Ganz billig wäre es nicht, sich den Hagelfliegern anzuschließen. Betriebe zahlen rund 50 Euro pro Hektar und Jahr dafür. Das reicht jedoch noch nicht. Im Remstal beteiligen sich zum Beispiel auch viele Gemeinden und der Landkreis an der Initiative Hagelabwehr, die im Moment über ein Jahresbudget von rund 250.000 Euro verfügt, wie Georg Enssle erklärt.
Für die mehr als 1200 Hektar Fläche der WGs Lauffen und Stromberg-Zabergäu bräuchten die Hagelflieger eine weitere Maschine. Dafür wären jährlich zusätzlich etwa 125.000 Euro nötig, sagt Georg Enssle. Deshalb will Ulrich Maile auch Gemeinden und den Landkreis für das Projekt gewinnen. Denn nicht nur Winzer bekommen beim Gedanken an Hagelschäden Bauchweh.
Hintergrund: Hagel

Hagel entsteht laut Deutschem Wetterdienst, wenn in Gewitterwolken heftige Aufwinde kleine Wassertröpfchen nach oben wirbeln. Dort gefrieren sie zu Eis, fallen und steigen wieder auf. Je größer die Gewitterwolke und je stärker die Aufwinde, desto häufiger wiederholt sich dieser Vorgang, bis die Eisklumpen schließlich so groß sind, dass sie der Aufwind nicht mehr trägt und sie zu Boden fallen. Hagelkörner können zu gefährlichen Geschossen werden. Normalerweise haben sie einen Durchmesser von fünf bis zehn Millimetern, in Extremfällen sind sie mehr als zehn Zentimeter groß.
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