Wo der Teufel rotbraune Öhrchen hat

   | 
Lesezeit  1 Min
Erfolgreich kopiert!

"Der Teufel ist ein Eichhörnchen" - In Gundelsheim hat ein Künstler das Zitat als Altarmotiv verwandt

Von Rudolf Landauer

Ein unbekannter Holzbildhauer hat das Zitat im St. Anna-Altar in der St. Nikolauskirche bildhauerisch umgesetzt. In einem Halbrelief sind links die Gottesmutter Maria und rechts ihre Mutter Anna dargestellt. Katharina und Barbara flankieren die Szene.

In der linken unteren Ecke schaut ein auf den ersten Blick niedliches Eichhörnchen zu den beiden Frauen empor. Mesner Wolfgang Schabel gibt die Erklärung dazu. "Das niedliche Eichhörnchen verkörpert den Teufel. Schaut man genau hin, dann lassen die Ohren kleine Hörner vermuten und die Körperhaltung und der Blick haben etwas Dämonisches", so der profunde Kenner seiner Kirche. "Das Böse kann halt manchmal auf den ersten Blick ganz niedliche Formen annehmen."

Auch international ist das Zitat in Gebrauch. Wenn der Schwabe sagt: "De Deifel isch e Eichhörnle", meint etwa der Engländer: "The devil is a squirrel" und benutzt sogar wie wir Deutsche das abgewandelte Zitat: "The devil is in the details", was nichts anderes aussagt, als dass der Teufel auch im kleinsten Detail stecken kann. Wer hat es nicht schon erlebt. In einigen Lebenslagen trifft man gelegentlich auf diese Zitate und bekommt sogar deren Richtigkeit bestätigt. Gerade am unerwarteten Ort lauert also das Böse.

Passend ist die Übersetzung von Teufel. Das Wort ist vom griechischen Diabolos abgeleitet und bedeutet: Verleumder, Durcheinanderwerfer und auch Verwirrer.

Wie ein roter Blitz flitzt das Eichhörnchen durch Parks und Vorgärten. Es galt daher wohl einst als schlechtes Omen. Die Germanen glaubten sogar: Läuft es über ein Dach, bricht Feuer aus. Wohl seiner rötlichen Farbe und seiner Gewandtheit verdankt es das possierliche Tier, dass es zum Symbol des Teufels geworden ist.

Im Volksglauben nimmt der Teufel gern die unverdächtige Gestalt des Eichhörnchens an, um den Menschen zu schaden. Aus früheren Zeiten ist überliefert, dass es die Menschen aufhalten soll, damit sie die Sonntagsmesse versäumen. In den USA gehen die Amerikaner rigoroser vor. War hierzulande das Moorhuhnschießen am PC beliebt, so ballern die Amis beim "squirrel hunting" auf die Hörnchen - nicht nur im Internet: In Georgia wurden sie zum Abschuss freigegeben, da die Eichhörnchenplage bedrohlich zunahm.

Ob die Amis dabei auch den Teufel im Eichhörnchen vermuten, ist nicht direkt bekannt. Keine Angst vor dem Teufel hatten die alten Römer. Der versnobte Apicius hat nämlich vor 2000 Jahren raffinierte Kochrezepte für gebratene Eichhörnchen verfasst.

Nach oben  Nach oben