Für den Vierbeiner bedeutet die Frisur Stress

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Waschen, schneiden, legen: Im Neckarsulmer Einkaufszentrum gibt es einen Hundesalon für modebewusste Vierbeiner

Von Klaus Thomas Heck

"Das Gespräch mit meinen Kunden ist mir wichtig", sagt Martin Horn und schüttelt Yorkshire-Terrier Jessy (14) erst mal die Pfote. Na, altes Mädel, wie geht's? "Wuff."

1975 hat alles angefangen, als der Zoohändler und Pudelzüchter zum ersten Mal Hunde frisierte. Heute ist daraus fast schon ein Ganztagsjob geworden. Bei dem 55-Jährigen stehen Vierbeiner aus der ganzen Region Schlange: Westies, Pudel, Blindenhunde und Bernhardiner, aber auch Perserkatzen, Meerschweinchen oder Angora-Hasen. Horn: "Wer die schafft, kann alles."

Die meisten kennt er schon seit Jahren. Jessy zum Beispiel hat er schon als Welpen geduscht, geföhnt und gekämmt. Seitdem macht die Hunde-Oma mit Besitzerin Jutta Vogt alle zwei Monate bei ihrem Coiffeur Station, um den neuesten Schnitt zu erhalten.

Trotzdem zittert sie erstmal wie Espenlaub. Mischling Nico (7) aus Leingarten hat sogar schon vor der Tür des Hundesalons ganz mitleidig gewinselt. Denn so eine schicke Frisur bedeutet vor allem Stress. Eine Stunde ruhig halten, während Schere und Bürste durch das Fell sausen, ist ganz schön schwierig. Manche hinterlassen vor lauter Aufregung sogar eine Pfütze und werden auf dem Schertisch angekettet, damit sie nicht plötzlich wegspringen. Bei Nico (7) bleibt Besitzer Annette Reinhardt zur Sicherheit gleich daneben sitzen. Das beruhigt. Nur Candy, der Schnauzer von Uwe Steffen, schläft während der Schönheitsbehandlung regelmäßig ein.

"Dabei sind Rüden sonst kritischer", sagt Martin Horn. "Die sind dominanter." Zwei, drei Mal pro Jahr wird er gebissen. "Aber das gehört dazu." Hin und wieder greifen dann seine Mitarbeiterinnen Simone und Karin zur Schere. Horn schmunzelt: "Es gibt Hunde, die werden eben lieber von Frauen frisiert - wie ihre Besitzer."

Dabei hat so eine Rasur nicht nur kosmetische Gründe. Mit Trimm-Messer und Schere entfernt der Hundecoiffeur drei, vier Zentimeter abgestorbenes Deckhaar, das die Vierbeiner früher beim Toben durchs Unterholz verloren. Doch heute sind viele Rassen so weit überzüchtet, dass es ohne regelmäßigen Schnitt kaum geht. Das Fell würde sonst verfilzen und zum Tummelplatz für Zecken und Parasiten. Nico bekommt deshalb gleich noch ein paar Tröpfchen Öl in die Ohren - zur Vorbeugung gegen Milben.

Vor allem die Genitalien, die Ohren und die Krallen müssen gründlich gereinigt werden. Für besonders schmutzige Rabauken hat Martin Horn eine Badewanne und Hundeshampoo in seinem Geschäft.

"Bei mir würde Jessy niemals so ruhig stehen bleiben", sagt Jutta Vogt, während Martin Horn ihre Hundedame verschönert. Jessy zittert ein wenig, aber sie hat sich dran gewöhnt. Ab und zu nimmt Horn sie liebevoll in den Arm und flüstert ihr kurz zu: "Ganz ruhig. Wir haben es gleich." Zum Schluss schenkt er ihr wie immer einen Hundekuchen als Belohnung.

Ob Jessy eitel ist? Auf einen Blick in den Spiegel legt sie keinen Wert. Der ist auch Nico egal. Ob der Rüde jetzt mehr Glück bei den Frauen hat? "Leider nein", sagt Annette Reinhardt. "Mehr Lob gibt's nur von den Zweibeinern." Bei Hunden entscheidet über das Liebesglück immer noch der Geruchssinn.

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