Von Kniebeugen und gebratenen Insekten
Beim Kurs "Wir trinken Tee und sprechen Deutsch" verbessern Migrantinnen ihre Sprachkenntnisse

Bad wimpfen - Am Dienstagvormittag geht es im zweiten Stock des Bad Wimpfener Rathauses hoch her. Da fliegen Eier auf den Boden, und erwachsene Frauen werden bestraft, weil sie den ganzen Stapel mit den Konservendosen umgeworfen haben. Es wird ordentlich gelacht, wenn einer aus der Runde plötzlich aufsteht und Kniebeugen macht. Lernen soll eben Spaß machen, und das tut es bei "Wir trinken Tee und sprechen Deutsch" vom Heilbronner Haus der Familie, der Ende November neu gestartet ist.
Nationalität Sechs Türkinnen sitzen um den Tisch im Versammlungsraum. Die einheitliche Nationalität ist einerseits Zufall, denn offen ist der Kurs für alle Migrantinnen. Andererseits auch nicht, denn der örtliche türkische Bildungsverein hat bei seinen Mitgliedern Werbung gemacht. Teilweise sind die Damen schon viele Jahre hier.
Melahat Demiren lebt schon 32 Jahre hier. "Ich habe drei Kinder, habe mich immer um die und um den Haushalt gekümmert", erzählt 59-Jährige. Der Nachwuchs hat studiert, darauf ist sie sichtlich stolz, doch jetzt ist sie selber dran. "Ich muss endlich richtig Deutsch lernen, und hier macht es viel Spaß", findet sie.
Derya Tagun sieht das ähnlich. "Ich möchte perfekt lesen und sprechen können, denn schließlich lebe ich in Deutschland, und da brauche ich das", erklärt die 35-Jährige. Zu Hause gebe es immer nur türkisches Fernsehen, türkische Bücher und türkische Freunde, zu den deutschen Nachbarn hat sie kaum Kontakt. "Ich versuche manchmal, eine deutsche Zeitung zu lesen, aber ich verstehe zu wenig, und dann macht es keinen Spaß." Natürlich möchte sie auch ihren Kindern besser helfen können − in allen Belangen des Lebens.
Roibusch Inzwischen ist Dozentin Anja Körner-Bennis mit einem Tablett voller Tassen mit heißem Wasser zurück gekehrt. "Heute gibt es schwarzen Tee oder Roibusch", meint sie, und die Frauen suchen sich ihren Beutel aus. Die Abstatterin hat Deutsch als Fremdsprache studiert und legt in diesen Kursen, die sie auch in Bad Rappenau und Lauffen gibt, vor allem Wert auf das Sprechen.
"Grammatik mache ich nur bei expliziten Fragen, sonst sollen sie vor allem reden." Und das zu verschiedenen Themenkomplexen wie Gesundheit, Familie oder Ernährung, die heute auf dem Plan steht. Aus dem Sprachmagazin lesen sie die Essgewohnheiten anderer Länder vor. Die Jüngste der Runde berichtet dabei, dass in Thailand gebratene Insekten eine echte Delikatesse auf der Speisekarte sind. In den Gesichtern der Frauen zeigt sich keine Regung. Körner-Bennis hakt nach. "Was ist die Delikatesse, was sind Insekten?" Kurzes Hin und Her auf türkisch, dann weiten sich Taguns Augen erschrocken. "Das sind Käfer und so, oder?", fragt sie und schüttelt sich. Andere haben schon gehört, dass die Thais auch Hunde und Katzen essen.
Allmählich kommen die türkischen Frauen in Fahrt. Die erste Schüchternheit ist abgelegt, und es beginnen richtige Gespräche. Bis zum nächsten Mal sollen alle Rezepte aufschreiben, Hausaufgaben müssen sein, denn schließlich haben sie alle das gleiche Ziel − besser Deutsch sprechen.
Stimme.de