Vom Bankdirektor zum Zen-Meister

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Leiter des Meditationshauses vergab einst Millionenkredite

"Wir waren wohlhabend. Die Hälfte des Vermögens habe ich abgegeben."
          Othmar Fusenig
"Wir waren wohlhabend. Die Hälfte des Vermögens habe ich abgegeben." Othmar Fusenig

Bad wimpfen - Othmar Fusenig ist ein Mann der Superlative. Früher hatte er "70 Mütter". Heute "72 Freunde". Früher gehörte der Anzug zu seinem Alltag als Geschäftsführer der Fiat Kreditbank in Heilbronn. Heute lässt er sich Kleidung schenken. Früher entschied er über Millionenkredite. Heute betreibt der Zen-Meister ehrenamtlich ein Meditationshaus in Bad Wimpfen. Ohne Profit.

Armut Fusenigs Wurzeln liegen im Franziskaner-Kloster in Trier. "In totaler Armut" wächst er dort auf, bettelt während des Zweiten Weltkriegs beim Bäcker um Brot, der Vater arbeitet als Schlossermeister. "70 Nonnen rissen sich um den kleinen Othmar", erinnert er sich. Ein Satz brennt sich ins Gedächtnis, stachelt den Heranwachsenden an, der entgegen dem Willen seiner Eltern weder Arzt noch Priester werden will. "Du wirst es nie zu etwas bringen", sagt die Mutter.

Bei der Dresdner Bank verdient er sich erste Sporen. "Ich war furchtbar unterwürfig, ein Ja-Sager, im Kloster erzogen zur Selbstaufgabe." Aber geschäftstüchtig ist er, voller Ideen. An die Nonnen verkauft er inzwischen als Niederlassungsleiter der Landesbank Volksaktien. Dem Bäcker, der dem jungen Bettler das Brot zugesteckt hat, beschafft der 26-Jährige einen günstigen Kredit und bürgt selbst dafür. "Ich habe die teuren Perserteppiche aus der Bank geworfen und bin in der Mittagspause selbst zu den Leuten rausgefahren." Bei der Bank lernt er auch seine zukünftige Frau Erika kennen. "Sie hat überhaupt nicht vorgehabt, mich zu heiraten. Aber ich habe immer wieder gefragt."

Den Betriebswirt macht Fusenig berufsbegleitend, entwickelt sich zum Leasing-Spezialisten, als das Geschäft noch brandneu ist und wechselt "zu einer relativ kleinen Bank nach Heilbronn, der Fiat Kreditbank, heute der größte Steuerzahler der Stadt", sagt der Vater einer Tochter. Sein Erfolgsrezept: "Ich hab" immer Leute eingestellt, die zwei Klassen besser waren als ich." Morgens um 7.30 Uhr eilt er ins Büro, um 21.30 Uhr gehen die Lichter aus. "Meine Frau hat mir Massagen verpasst, damit ich durchhalte. Manchmal lag ich abends auf dem Boden und hab" geweint. Ich war am Ende meiner Möglichkeiten."

49 Jahre alt ist der Bankmanager da. Er beginnt, sich mit Hugo M.E. Lassalle zu beschäftigen, Jesuit und Zen-Meister und einer der Wegbereiter der Verständigung zwischen Zen-Buddhismus und Christentum.

Aber noch ist er nicht soweit. Er wechselt zur Deutschen Bank, pendelt zwischen Hamburg, München und dem Wohnort Wuppertal, doch die Idee wächst sich zum Konzept aus − erstmal für Fusenigs Frau. "Ich habe Lassalle bestürmt, doch er sagte, ,du kannst nicht Zen-Lehrer werden, du wirst dein ganzes Vermögen verlieren. Und außerdem müsstest du dir ein Kloster suchen.""

Japan Fusenig besucht asiatische Klöster, vor allem in Japan, aber auch in Thailand. Sein Verein Meditationshaus findet in den Gästehäusern der Abtei Grüssau in Wimpfen im Tal seine Bleibe. Fusenigs Frau arbeitet dort ehrenamtlich als Geschäftsführerin, Dozenten und Seminarteilnehmer kommen aus ganz Europa − bis die Benediktiner den Vertrag 1997 kündigen. Grund: Zu wenig katholisch sei das Angebot mit Yoga, Steinbildhauerei oder Schulungen in gesunder Lebensführung. "Mit meinem Geld haben wir das Meditationshaus zum SRH Gesundheitszentrum verlegt. Da war die Viertelmillion Abfindung weg", sagt Fusenig. "Ich bin dadurch nicht ärmer geworden. Wir waren wohlhabend, die Hälfte des Vermögens hab" ich abgegeben." Der 72-Jährige bietet Lebens- und Eheberatung an für "liebenswerte Menschen, die Probleme haben". Die 72 Freunde stammen aus Banker-Zeiten, regelmäßig suchen sie Sammlung in Bad Wimpfen.

Tag und Nacht bimmelt das Telefon, doch der Zen-Meister, der seine Meditationshalle eigenhändig putzt, lebt zurückgezogen. "Ich gehe zwei Mal im Jahr in die Stadt, mittags schweige ich. Ich bin mit der glücklichste Mensch, den man sich denken kann."

Nach oben  Nach oben