Patchwork als Kunst
Hobbykünstlerinnen stellen im Heimatmuseum aus

Neudenau - Wer hat nicht schon mal geringschätzig das Wort „Flickwerk“ für eine halbfertige und unausgegorene Sache benutzt. Im Neudenauer Josefine-Weihrauch-Heimatmuseum beweisen 19 Frauen, die eine andere Auffassung davon haben, dass ihre Flickwerke schlichtweg Kunstwerke sind.
Wandbehang Ihre Objekte sind weder halbfertig noch unausgegoren: im Gegenteil. An den teilweise großformatigen Wandbehängen sind Kreativität, Gestaltungsfreude, Ausdruckskraft, Akribie und handwerkliche Präzision abzulesen. Und das sieht auch Winfried Straßer vom Heimatmuseum so, der sich über diese Ausstellung sehr freute und den Frauen dazu gratulierte.
Durchweg aus dem nordbadischen Raum um Mosbach und aus dem Odenwald kommen die Künstlerinnen, die zeigen, dass man mit Stoffflicken beeindruckende und kreative Kunstwerke erstellen kann. Als Quilt und Patchwork wird die Methode bezeichnet, die einst über China mit den Kreuzrittern nach Europa gelangte. Die legten nämlich die mehrlagigen Stoffe unter ihre Kettenhemden, wohl um die Haut zu schonen. Weil es im 14. Jahrhundert in England extrem kalt war, verbreitete sich die Technik rasch, denn die meist aus drei Schichten bestehenden Decken geben vorzüglich warm.
Zudem erlaubt die Herstellungsweise die Verwertung von kleinen Stoffresten, die dann wie beim Mosaik verwendet werden. Die Oberseite wird Top genannt, und dieser widmeten sich die Herstellerinnen besonders. Weil es schließlich auch ein Hingucker sein sollte, entwickelte sich daraus eine richtige Kunstform.
Die Irin Deirdre Hunt-Haney ist die Sprecherin der Frauengruppe. Den zahlreichen Gästen der Ausstellungseröffnung erklärte sie die Hintergründe und die Geschichte von Quilt und Patchwork. Auswanderer aus Irland und England nahmen vor vielen Jahrhunderten ihre Nähkästchen nach Übersee mit und fertigten dort warme Decken für die Familien.
Voller Fantasie Viele waren arm und hatten nur wenige Möglichkeiten, sich warme Sachen zu kaufen. Quilt und Patchwork boten da eine Chance, aus Stoffflicken warme Decken herzustellen, die auch noch die Wohnung zierten. Fantasievoll wie ihre Kunstwerke sind auch die Titel. Deirdre Hunt-Haney nennt einen Teppich „Zauberkacheln“. Andrea Senk kreierte „verrückte Häuser“. Isolde Preston hat für ihren „Blue Ocean“ sattes Blau gewählt und Erika Schweizer setzt das viel besungene Thema „Es löscht das Meer die Sonne aus“ gestalterisch um. Rot, Orange und Gelb sind die Farben, mit denen Sonja Aulbach ihre „Tropical Fruits“ darstellt.
Die Ausstellung Patchwork und Quilt im Josefine-Weihrauch-Museum in Gundelsheim ist bis 30. September sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen.
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