Musik spielt die erste Geige
Organist und Dirigent Xaver Krauth setzt sich als Kirchenmusiker zur Ruhe

Bad Friedrichshall Der Apotheker von Neckarsulm hatte der Familie Krauth in Obergriesheim sein Piano zum Schutz vor den Kriegswirren anvertraut. Darauf hat der junge Xaver Krauth seine ersten Begleitakkorde probiert, und die Musik hat ihn seither nicht mehr losgelassen.
Heute, gut 65 Jahre später, blickt der ehemalige Schulleiter der Grund- und Hauptschule Oedheim auf mehr als ein halbes Jahrhundert im Dienst der Musik zurück - auch in Kochertürn. „Meine erste Lehrerstelle im Jahr 1953 war gekoppelt mit der Bitte, den Kirchenchor und das Organistenamt zu übernehmen“, erzählt der 79-Jährige. Das war in Bad Friedrichshall, wo er im Ortsteil Duttenberg zudem den gemischten Chor gründete. In den folgenden Jahren dirigierte er weitere Unterländer Chöre wie die Lassalia Neckarsulm, den Sängerbund Neckarsulm, die Kirchenchöre in Dahenfeld und in Kochertürn.
Außerdem saß er Sonntag für Sonntag auf der Orgelbank - seit 1961 in der Mariä Himmelfahrskirche in Kochertürn. Bei Professor Werner, dem Gründer des Heilbronner Schützchores, hat er Unterricht genommen. „Nur ganz selten habe ich mich vertreten lassen. Die Urlaube, die wir machten, waren eher kurz“, erzählt er.
Ehrenämter Im Lauf der Zeit bekleidete er zahlreiche kirchliche und weltliche Ehrenämter für die er vielfach ausgezeichnet wurde. Eine besondere Ehre erfuhr Xaver Krauth als Domkapitular Werner Gross ihn 1997 zum Kirchenmusikdirektor ernannte. Jetzt setzt sich Xaver Krauth endgültig zur Ruhe. Trotzdem - müßig wird er nicht sein. Das ist er nicht gewohnt. „Schaffe hat man gelernt“, sagt der Bauernsohn, der mit sieben Geschwistern aufgewachsen ist. „Mein Vater züchtete Hohenloher Fleckvieh. Noch als Junglehrer fand ich nach der Schule einen Zettel mit den Aufgaben, die für die Landwirtschaft zu erledigen sind.“ Zum Gespräch mit der Heilbronner Stimme hat er nur kurz die Arbeitsjacke ausgezogen. „Ich war mit meiner Frau Maria im Weinberg - Triebe wegmachen.“ Gleich will er wieder hin. 600 Quadratmeter Weinberg, wenige Gehminuten von seinem Haus in Duttenberg entfernt, warten auf Pflege - Trollinger-, Dornfelder-, Lemberger- und Rieslingtrauben. Keine Maschinen kommen zum Einsatz. Maria und Xaver Krauth machen alles selber.
Nur bei der Lese, da sind sie nicht allein. „Das ist ein Fest bei uns“, freut sich Xaver Krauth. Vier Kinder mit Partnern, acht Enkelkinder, kurzum die halbe Verwandtschaft hilft mit. Die Familie bedeutet, ebenso wie das geliebte Unterland, wo er jeden Winkel kennt, Behaglichkeit und Heimat für ihn. Nicht zuletzt ist die Musik nach wie vor sehr wichtig. „Man ist in der Musik gewachsen, ich nehme sie jetzt viel differenzierter wahr“, sagt Krauth. Auch moderne und sogar experimentelle Musik erweckten seine Neugierde.
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