Manchen kommunalpolitischen Sturm erlebt

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Gemeinderat Martin Rascher vertritt seit drei Jahrzehnten die Interessen der Bürger

Martin Rascher wurde kürzlich im Gemeinderat für 30 Jahre Tätigkeit in dem Untereisesheimer Gremium ausgezeichnet.Foto: Ute Plückthun
Martin Rascher wurde kürzlich im Gemeinderat für 30 Jahre Tätigkeit in dem Untereisesheimer Gremium ausgezeichnet.Foto: Ute Plückthun

Untereisesheim "Alles hat seine Zeit", sagt Martin Rascher ebenso bestimmt wie nachdenklich. Seit 30 Jahren ist er Gemeinderat in seiner Heimat Untereisesheim. Mit dem hochfliegenden "Glauben, die Welt verändern zu können" ist er gestartet und mittlerweile auf dem Boden gelandet. Keineswegs unsanft: Einiges hat er für seinen Ort bewegt, auch wenn es in jeder Periode "Zeiten gab, wo man alles hinwerfen wollte".

Fügung Drei Jahrzehnte Kommunalpolitik: "So lange wollte ich eigentlich nie dabeibleiben, aber es hat sich so ergeben", sagt er schmunzelnd vom Amt, in das er "reingewachsen" sei. Mit 23 hat er angefangen, über zehn Jahre war er jüngstes Mitglied im Gemeinderat. Die Wahlbroschüre hat er wie zahlreiche andere wichtige Unterlagen aufgehoben, sie zeigt einen tatkräftigen jungen Mann mit Vollbart. Mitglied der Jugendgruppe war er, "das war die Zeit, wo man was bewegen wollte". Dabei hatte er "nicht einmal damit gerechnet", dass er es überhaupt auf Anhieb ins Amt schaffen würde und war über die deutliche Unterstützung überrascht: Immerhin hat er am 22. Juni 1980 von den 1800 Wahlberechtigten 589 Stimmen bekommen. Für die Freien Wähler tritt er seitdem an, "weil die mich als erstes gefragt haben". Parteipolitik war ihm noch nie wichtig, Fraktionszwänge gibt es trotz interner Besprechungen nicht.

Entscheidend ist für ihn "etwas für die Bürger" zu tun. "Da, wo ich wohne, will ich die Umwelt zum Positiven gestalten", sagt er noch heute überzeugt. Dass ihn die Untereisesheimer 2004 zum Stimmenkönig mit knapp 1500 Befürwortern machten, und er auch 2009 mit 1144 Stimmen ein vorzeigbares Ergebnis erzielte, macht ihn stolz.

Ob er es noch mal machen würde? Er lehnt sich zurück, überlegt. Wahrscheinlich schon, schließlich hatte er bereits in der Schule Gemeinschaftskunde als Lieblingsfach. Manchen kommunalpolitischen Sturm hat er seitdem erlebt. Etwa, als im Gebiet Bibershecke im Rahmen von kostengünstigem Bauen an die 50 Reihenhäuser entstanden, und die Bevölkerung befürchtete, dass ein sozialer Brennpunkt entsteht. "Da gab es auf der Straße fast auch persönliche Anfeindungen, das war sehr belastend." Dass die Bibershecke heute "eines der schönsten Baugebiete" ist und sich Untereisesheim insgesamt zu einer "attraktiven Wohngemeinde" entwickelt hat, macht ihn zufrieden.

Kindergärten, Grundschule, Bücherei, Ärzte, Sporthallen, Ortsmitte: "Wir haben alles, was man zu einem angenehmen Leben braucht", sagt er zu zahlreichen Projekten in Vergangenheit und Gegenwart. Mit dem Thema altersgerechtes Wohnen sei man seiner Zeit sogar voraus gewesen. Leichte Sorgenfalten treiben ihm dagegen "weiche Faktoren" wie Mitgliederzahlen in Vereinen, Integration von neuen Bürgern oder Jugendarbeit ins Gesicht.

Wesenszüge Ruhig und besonnen zu sein, gleichzeitig aber auch für die eigenen Meinung zu kämpfen, sind die Eckpunkte seiner Tätigkeit. Ebenso wie Beständigkeit: Seit 36 Jahren übt Rascher den Beruf des Versicherungskaufmann aus und ist seit 27 Jahren mit seiner Frau Margit verheiratet. Ob er seinen beiden Söhnen das zeitaufwändige Amt empfehlen würde? "Abhalten würde ich sie nicht." Für sich selbst jedoch kann er die Ziellinie bereits erkennen. "Diese Wahlperiode noch, dann mache ich Jüngeren Platz."

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