Lacher mit Trauerflor

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Neckarsulm - Wohl selten ist ein Publikum so ruhig, fast schweigend aus einer Show von "Musical and More" gegangen wie am vergangenen Samstag in der Neckarsulmer Ballei.

Von unserer MitarbeiterinStefanie Pfäffle
Klamauk à la Bully Herbig: Benjamin Rick wackelt hüftschwingend als Winnetouch über die Bühne seiner Puder-Rosa-Ranch.Foto: Stefanie Pfäffle
Klamauk à la Bully Herbig: Benjamin Rick wackelt hüftschwingend als Winnetouch über die Bühne seiner Puder-Rosa-Ranch.Foto: Stefanie Pfäffle

Neckarsulm - Wohl selten ist ein Publikum so ruhig, fast schweigend aus einer Show von "Musical and More" gegangen wie am vergangenen Samstag in der Neckarsulmer Ballei. Einige wischen sich noch ein paar Tränen aus den Augen. Das Ensemble rund um Sonja Westermann hatte kurz zuvor mit brennenden Kerzen und einem trauerflorumrankten Bild das Lied "Einmal" aus "Der Glöckner von Notre Dame" gesungen − zu Ehren des erst eine Woche zuvor verstorbenen Truppenchefs Wolfgang Rick. Die Stimmen wackeln zumindest nicht hörbar, genauso wenig wie in den zwei Stunden zuvor, in denen sie eine begeisternde Show auf die Bühne gelegt hatten. "Es war sein Wunsch, dass wir es machen", betont Sonja Westermann, seine Ehefrau.

Veränderung

Es ist die Abschiedstournee des Ensembles, die aber weder etwas mit Ricks Tod noch seiner Krankheit zuvor zu tun hat. "Wir haben das schon seit zwei Jahren geplant, weil sich etwas ändern musste", erzählt die Sopranistin. Der Aufwand, die Tourneen, die Shows, alles war immer größer geworden und nicht mehr allein zu stemmen gewesen. Schließlich sind alle Akteure auch noch in anderen Bereichen tätig, und diesen wollte man nun Raum zur Entwicklung lassen. Doch weil sich Konzertveranstalter meldeten, wird es vermutlich ab dem Winterhalbjahr 2012 weitergehen, dann aber in ganz Deutschland und weniger in der Region.

Neue Dimension

Doch jetzt sind sie erst noch einmal in ihren wichtigsten Auftrittsorten unterwegs. Kein Grund zum Trübsalblasen lautet das Motto, das plötzlich eine ganz andere Dimension bekommen hat. Doch die Show muss weitergehen und wie sie das tut. Mit Petticoats und Lederjacken wetzt das ganze Ensemble zu "We go together" aus "Grease" über die Bühne. Die Kostüme sind wie immer ein echter Hingucker und stehen den Originalen auf den großen Bühnen in nichts nach.

Vor allem die Damen zeigen sich immer wieder in sexy Korsagen, die sonst maximal als Unterwäsche durchgehen, hier aber Tänzerinnen im alten Chicago oder Prostituierte im wilden Westen von "Der Schuh des Manitu" schmücken. Oder aber sie kleiden Benjamin Rick, der damit als Transvestit Frank"N"Furter aus der "Rocky Horror Show" den Hingucker des Abends liefert. In weißen Lackstiefeln mit 14 Zentimeter hohen Absätzen wagt er sich singend ins Publikum und erntet dafür jede Menge Applaus.

Seinen emotional schwierigsten Auftritt an diesem Abend hat Benjamin Rick als Graf Krolock aus dem "Tanz der Vampire", eigentlich die Paraderolle seines Vaters. Es ist dunkel, das Publikum ist ganz nah dran an der Mimik des Darstellers. Es sind große Fußstapfen, doch die füllt seine angenehme Tenorstimme aus. Das Publikum tobt.

Sirtaki

Die Zeit vergeht wie im Flug, während die Darsteller durch die deutsche Musicallandschaft ziehen. "Die drei Musketiere", "Elisabeth" (Westermanns Glanzauftritt, nicht nur wegen des umwerfenden Kleides), "Wicked", "Ich war noch niemals in New York" oder "Jekyll & Hyde" − alles was Rang und Namen hat, findet sich auf der Bühne wieder. Sehnsüchtig träumen sie von der Liebe, rufen knackig ehrlich nach den richtigen Kerlen oder tanzen Sirtaki zum Lieblingsgetränk Ouzo.

Das Publikum wird immer mal wieder mit einbezogen, darf mittanzen oder bekommt Umarmungen leicht bekleideter Damen. Als Zugabe liefern sie den endlos klatschenden Zuschauern "We will rock you", mitsingen erwünscht.

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