Im Eiltempo zum Sonnenstrom?
Erlenbach - Gemeinderat für Solarpark bei Autobahn − Regionalverband entscheidet am 1. April
Erlenbach - Wird ein bis zu fünf Hektar großer Solarpark entlang der Autobahn zwischen Binswangen und Neckarsulm künftig ein Viertel des Erlenbacher Strombedarfs erzeugen? Wenn es nach dem Willen des Erlenbacher Gemeinderats geht, soll eine geplante Anlage mit einer jährlichen Leistung von bis zu 2,5 Megawattstunden im August in Betrieb gehen. Am Donnerstagabend hat das Gremium einen entsprechenden Bebauungsplan und die örtlichen Bauvorschriften als Vorentwurf aufgestellt. Das letzte Wort hat jetzt der Regionalverband Heilbronn-Franken. Am kommenden Freitag tagt die Versammlung in Tauberbischofsheim.
Referenzanlage
Hinter dem Projekt steckt die Firma Solarstrom Schwaben GmbH, eine hundertprozentige Tochter des Neckarsulmer Unternehmens Kaco New Energy. Sie plant vor den Toren des Trendparks Süd einen schlauchförmigen Solarpark auf dem Acker westlich der Autobahn A 6 als Referenzanlage für Kaco zu errichten. Das erklärte Oliver Renaud von der Erlenbacher Firma Enerkraft, der das Projekt abwickeln soll. Kaco-Geschäftsführer Ralf Hofmann ist seit Tagen auf mehrfache Anfrage allerdings nicht zu sprechen.
Der Erlenbacher Gemeinderat begrüßt den Solarpark ausdrücklich. "Es freut mich, dass sich die Einsicht durchsetzt, dass man mit lokalen Projekten auch etwas fürs Große und Ganze tun kann", sagte Horst Arpogaus von den Freien Wählern. Rolf Ingelfinger (CDU) sagte: "Ich bin für den Ausstieg aus der Atomenergie. Und ich fände es gut, wenn der Solarpark von einer regionalen Firma gebaut wird." Auch Bürgermeister Uwe Mosthaf steht dem Projekt aufgeschlossen gegenüber. "Es hängt aber alles vom 1. April ab", sagte das Gemeindeoberhaupt. Dann entscheidet nämlich die Regionalverbandsversammlung über die Frage, ob die geplante Anlage den Vorgaben des Regionalplans widerspricht.
Der Verband hat geregelt, welche Kriterien für Freiflächen-Photovoltaikanlagen gelten, so Verbandsdirektor Klaus Mandel. Demnach dürfen sogenannte regionale Grünzüge nicht beeinträchtigt und hochwertiger Ackerboden nicht geopfert werden. Beides ist laut Mandel auf der geplanten Fläche allerdings der Fall. So hat der Park nur noch die Chance, dass die Versammlung des Regionalverbandes eine Ausnahme zulässt. Die ist möglich, wenn ein Projekt standortgebunden ist. "Also nur dort und nirgendwo anders umgesetzt werden kann", erläutert Mandel. Für Projektentwickler Renaud ist das gegeben. Eine Weltfirma wie Kaco brauche ein Referenzprojekt, das man nicht erst mit dem Auto ansteuern muss. Der geplante Standort erfülle dieses Kriterium, befinde er sich laut Renaud doch gerade einmal rund 300 Meter vom Firmengelände entfernt.
Bis 31. August muss die Anlage aufgestellt sein und Strom produzieren. Sonst drohen dem Betreiber empfindliche Einbußen, weil die Fördergelder aus dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) zurückgehen. Bis dahin muss Renaud noch einige Steine aus dem Weg räumen. Denn nicht nur der Regionalverband entscheidet über das Projekt.
Überfahren
Auch die Grundstückseigentümer und Bewirtschafter der Ackerflächen haben noch ein Wörtchen mitzureden. Die sind derzeit allerdings nicht allzu gut auf das Projekt zu sprechen. "Ich fühle mich überfahren und zu spät informiert", sagt ein betroffener Landwirt, der namentlich nicht genannt werden will. Außerdem habe der Ackerboden eine zu hohe Qualität. Und: "Ich habe meine Felder bestellt und Verträge mit Vermarktern. Die erwarten, dass ich liefere." Kommentar "Hauruck"
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