Hohe Windelberge und einsame Waschmaschinen

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Kein Kavaliersdelikt: Allgemeinheit trägt Kosten für illegale Müllentsorgung

Von Ute Plückthun

Oedheim - Als Alexandra Binhammer am Morgen ihre Rollläden hochzieht, traut sie ihren Augen nicht. Als Anwohnerin hat sie direkten Blick auf den Spielplatz an der Oedheimer Anton-Henkel-Straße. Und kann sich nur wundern: Über fein säuberlich aufgeschichtete und heimlich abgelegte Mülltüten gestopft voll mit gebrauchten Babywindeln. "Gestern Abend waren es noch 20 Säcke, jetzt ist es mindestens das Doppelte".

Fast 50 Tüten sind es, die die Bauhofmitarbeiter Karlheinz Gehring und Werner Kuhn am Schluss einsammeln. Es ist nicht das erste Mal. Mit großer Regelmäßigkeit kämen die illegalen Ablagerungen seit Juli 2010 vor, berichtet Saskia Möding, Fachbereichsleiterin im Oedheimer Rathaus. Manchmal sogar wöchentlich. Für den Abtransport der über 200 zum Nulltarif entsorgten Windeln in Container des Bauhofs wird Franz Penz gerufen. Schließlich ist die Ladefläche des Straßenkehrerfahrzeugs seiner beiden Kollegen schon besetzt: mit drei großen blauen und mit Hausabfall gefüllten Müllsäcken, die sie beim Degmarner Wald aufgelesen haben.

Beliebte Ziele der Müllsünder seien die sechs Containerplätze, die Parkbucht am Bautzenwald oder der Waldparkplatz am Aspenloch. Im November 2010 hatte die Gemeinde den Grillplatz zwischen Degmarn und Oedheim schließen müssen, um der Ablagerung von Holzschutt Einhalt zu gebieten.

Belastung "Das ist eine richtige Sauerei", empört sich Bauhofleiter Günther Keicher. "Ich mache das Geschäft über 15 Jahre und es wird immer drastischer." Nicht nur, dass der Anblick für die Anwohner untragbar und die hygienische Belastung unzumutbar sei, ärgert ihn. "Die Gemeinde muss die Kosten für die Entsorgung tragen."

Kein Pappenstiel: Mit 8000 bis 10 000 Euro macht sich die Containerbeseitigung in den Oedheimer Büchern bemerkbar. "Bestimmt 50 Prozent" des Abfalls kämen durch illegale Ablagerungen zustande, schätzt Keicher. Ein Pardon für Umweltsünder kennt die Gemeinde deshalb nicht: Der gemeindliche Vollzugsdienst halte die Augen offen. "Wer erwischt wird, muss mit einer Strafanzeige und einem nicht geringen Bußgeld rechnen", sagt Saskia Möding.

Weniger Verfahren Scheinbar gerissener werden jedoch die Täter: Konnte das Landratsamt 2006 immerhin 243 Verfahren wegen Verstößen gegen das Kreislaufwirtschaft- und Abfallgesetz durch eindeutige Hinweise einleiten, waren es 2010 bei sinkender Tendenz gerade noch 98. Von einem "Drama" spricht auch Heinz Bachmayer, Baubetriebshofleiter in Bad Friedrichshall. Von der Waschmaschine bis zum Haushaltsmüll finde sich alles.

"Als noch jeder so viele Tonnen rausstellen konnte, wie er wollte, war es um die Hälfte besser", sagt Bachmayer und vermutet: "Das sind Leute, die sich vor den Kosten für die einzelnen Tonnen scheuten und sich um die Allgemeinheit nicht scheren."

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