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Hildegard von Bingen ist ihre zweite Mutter

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Monika Huss lebt seit 15 Jahren nach den Empfehlungen der heilkundigen Heiligen

Gestaltet ihr Leben in Klingenberg "hildegardmäßig": Monika Huss richtet sich fast immer nach den Regeln der berühmten Mystikerin.Foto: Guido Sawatzki
Gestaltet ihr Leben in Klingenberg "hildegardmäßig": Monika Huss richtet sich fast immer nach den Regeln der berühmten Mystikerin.Foto: Guido Sawatzki

Heilbronn Ihre erste Mutter, die leibliche, hat Monika Huss verloren, als sie noch nicht einmal zwei Jahre alt war. Jahrzehnte später, mitten in ihrem Erwachsenenleben, hat die Klingenbergerin wieder eine Mutter gefunden, eine geistige. Dass die Frau, um die es sich dabei handelt, seit mehr als 830 Jahren nicht mehr lebt, mindert nichts an der Bedeutung, die sie für Monika Huss hat. Es ist Hildegard von Bingen (siehe Hintergrund), Klostergründerin, Mystikerin, Heilkundige und Heilige.

"Hildegard von Bingen war meine Rettung", sagt die 64-Jährige, wenn sie sich an die Zeit zurückerinnert, als sie nach zahlreichen Höhen und Tiefen des Lebens zum ersten Mal ein Buch aus der Feder Hildegards las. "Hildegard von Bingen war für mich wie meine Mutter."

Dinkelspätzle Das ist ungefähr 15 Jahre her. "Seither lebe ich nach Hildegard", sagt Huss, "und wenn ich mit anderen zusammensitze, komme ich unwillkürlich auf das Thema." Nach Hildegard leben, das heißt beispielsweise, dass Monika Huss "immer zweierlei" kocht: Wenn sie Spätzle macht, wünschen ihr Mann und ihr Sohn Weizenspätzle, während sie für sich selbst Dinkelspätzle zubereitet, die Speise also aus einem Getreide herstellt, das Hildegard von Bingen empfiehlt.

Dinkel ist eine der 280 Pflanzen, die die berühmte Äbtissin im Mittelalter katalogisiert und nach ihrer Heilwirkung für Kranke geordnet hat. Schlüssel zu ihrem heilkundlichen Schaffen ist der Gedanke von Einheit und Ganzheit: Krankheit, so Hildegard von Bingen, entspricht einem Ungleichgewicht der Seele, Gesundheit dem Gleichgewicht.

Monika Huss sagt beispielsweise von sich selbst, sie sei sehr sensibel und schlafe schlecht. "Wenn ich meinen Kaffee mit einem Löffel Galgan würze und morgens mein Habermus aus geschrotetem Dinkel esse - dann geht's mir gut."

Im Garten pflanzt sie Wermut an, den sie mit Wein kocht und der für allerhand gut ist, und als sie vor fünf Jahren nach Kenia reiste, verzichtete sie auf die Malariaprophylaxe und hatte stattdessen ein Päckchen von Hildegard empfohlener Kräuter im Gepäck, die sie im Falle eines Falles "bloß mit Wein hätte aufkochen müssen", weiß Monika Huss.

Aber Hildegard von Bingen ist mehr als Heilkunde und Ernährung, und Monika Huss ist mehr als nur Hildegard-Anhängerin. Die 64-Jährige würde sich zwar freuen, "hier in der Gegend noch andere zu finden, die hildegardmäßig leben".

An Gesprächsthemen mangelt es ihr aber auch dann nicht, wenn sie das Hildegardthema ausklammert: Sie interessiert sich für Astrologie und hat eine Heilpraktikerschule besucht. Sie hat nach der Geburt ihres frühgeborenen, schwer kranken Ältesten viel durchgemacht.

Abenteuer Als junge Frau ist sie gemeinsam mit ihrem ersten Mann nach Südafrika ausgewandert, wo sie mehrere Jahre in ihrem gelernten Beruf als Friseurin gearbeitet hat. Den Weg dorthin legten sie 1967 auf abenteuerliche Weise über Land und über Wasser zurück. "Ich habe in der Wüste Spätzle gekocht", erzählt Monika Huss. Aber das ist, wie gesagt, eine andere Geschichte.

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